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B.A.Bar in der Anwendung bei Gruppentherapie

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2. B.A.BAR SEMINAR – 11/12.06.2001

B.A.Bar in der Anwendung bei Gruppentherapie

Autor: Frau Ruth Wasser-Jost, Dipl. Logopädin, Kasernenstr. 5,3600 Thun
B.A.Bar ist eigentlich für den einzelnen Benutzer konzipiert. Während der Evaluationszeit setzte ich
B.A.Bar bei mehreren Menschen mit unterschiedlichen Aphasieformen ein. Zwei davon kommen
auch in die Gruppentherapie. Daraus entstand die Idee, mit B.A.Bar einerseits eine Übungsgruppe
(Zweiergruppe) zu lancieren, anderseits das Gerät auch gemischt (Anwender und Nichtanwender)
in der Gruppe einzusetzen. Über den Einsatz in der Fünfer- und in der Zweiergruppe möchte ich
Ihnen hier berichten.
Fünfergruppe:
Seit einem Jahr nehme ich fünf global aphasische Männer zusammen in Therapie. Die Männer sind
zwischen 50- und 70jährig und mehrheitlich im Erwerbsalter. Zwei der fünf Teilnehmer sind - wie
gesagt - B.A.Bar- Benutzer. Die übrigen Gruppenteilnehmer wurden durch sie auf B.A.Bar
aufmerksam. Ich stellte für die Gruppe Lottospiele, hier zum Beispiel in Form von Länder &
Wappen, zusammen.
Material: Pro Spieler ein A4 Blatt (Lottokarte) mit 6 Flaggen und deren Namen, dazu entsprechende
Karten mit a) nur Wörter, b) nur Bilder, c) Wort und Bild, d) Fragen.
Vorgehen: Jeder Spieler hat eine Lottokarte vor sich. Die Karten ( a-d, je nach Niveau ) werden
gemischt auf einen Stapel gelegt. Der Reihe nach wird eine Karte genommen, benannt (mit Hilfe von
B.A.Bar~ Karte ans Leuchtfenster halten ) und richtig zugeordnet. Die Mitspieler helfen bei der
richtigen Zuordnung mit und schreiten, wenn nötig korrigierend ein. Dazu ein kurzes Video.
Beobachtungen: Wie sie sehen konnten, kann B.A.Bar, auf dem Tisch liegend, gut von mehreren
Leuten benutzt werden. Für aphasische Menschen mit einer zusätzlichen Apraxie ist diese Form
des Codeablesens eine Erleichterung. Interessant zu beobachten ist, dass die Patienten manchmal
bereits beim Handling das Wort aussprechen können (~ Deblockierungseffekt ) . B.A.Bar - in der
Gruppentherapie eingesetzt - ist nicht nur eine spielerische Abwechslung. Das Handling fordert
resp. fördert das aufmerksame Hinschauen, -greifen und -hören und verlangt erhöhte
Aufmerksamkeit des Patienten. Auch Sprechblockaden werden leichter durchbrochen und die
Zielwörter können spontaner ausgelöst werden. Die Selbständigkeit der Patienten wird dadurch
gefördert, dass die Logopädin von der Animateurin und Speakerin zur Mitspielerin wird. Sie hat s o
die Möglichkeit, besser beobachten und therapeutisch intervenieren zu können.
Zweiergruppe:
Zwei B.A.Bar-Benutzer, die vom Alter und vom Störungsbild gut zusammenpassen, habe ich
ermuntert, in der Freizeit gemeinsam mit B.A.Bar zu üben. Mit den beiden Männem erweiterte ich
bereits bestehendes Übungsmaterial, das ihnen als Grundlage zum selbständigen Üben diente (
Wort-Bild-Zuordnungsübungen → Lotto → Frage-Antwort-Übungen..)
Ein Ziel dieser Übungsform ist, von der Ein- zur Zwei-, resp. Mehrwortäusserung zu kommen. Ein
weiteres Ziel ist, mit der sofortigen Suche nach dem Zielwort durch genaues Hinhören noch warten
zu können. Sieht der Patient nämlich ein Bild, setzt sogleich der Wortsuchprozess ein. Dies erzeugt
einen inneren Druck und die Folgen sind Blockaden und fehlendes Hinhören.
Vorgehen: Jeder Patient hat die selben Bilder (A4-Blatt mit ca. 6 Bilder verschiedener Themen) vor
sich liegen. Ein Patient hat bei der einen Übung die Fragesätze, der andere die Antworten auf den
Codes gespeichert. Bei der nächsten Übung wechselt die Aufgabenstellung.
Beobachtungen: Die sonst sehr eingeschränkte, mit Floskeln und Kraftwörtern geprägte
Kommunikation der beiden Männer ist um einige Wörter nachhaltig reicher geworden. Hinzu
kommt, dass die Ehefrauen von ihrer Rolle als Co -Therapeutinnen und Animateurinnen entlastet
werden und die Männer ein etwas an Eigenständigkeit zurückgewonnen haben.
Erfahrungsbericht eines Aphasikers über die B.A.Bar- Anwendung
Von diesem Patienten berichtete ich bereits im ersten Seminar, am 7. Dezember 2000, ausführlich.
Er ist allein stehend, 59 Jahre alt, wegen seiner Aphasie Frührentner und seit einem Jahr B.A.Bar-
Benutzer. ( Video)
Da er seit September letzten Jahres nicht mehr bei mir in Therapie ist, telefonierte ich kürzlich mit
ihm und bat ihn um Erlaubnis, heute über ihn berichten zu dürfen. Das Gespräch verlief flüssig,
wir sprachen über Gott und die Welt. Ich freute mich über seine Fortschritte und lobte ihn dafür.
Da sagte er: "Wissen sie, wenn ich dann noch besser sprechen kann, werde ich einmal einen
ganzen Tag lang ununterbrochen sprechen." Er betonte nochmals, dass B.A.Bar für ihn wichtig sei
und er täglich eine Stunde damit übe, dies noch nach einem Jahr B.A.Bar ! Seine heutige Logopädin,
Frau Bötschi, hat ihn über seine Erfahrungen mit B.A.Bar interviewt, daraus ein Beispiel. (Tonband)
Zusammenfassung:
Dieser Patient hat während des letzten Jahres alle seine Hobbys und Aktivitäten, Fischen, Kegeln,
Reisen, (mit Ausnahme seines Berufes als Zugführer) wieder aufgenommen. Er spricht sehr viel
flüssiger und zunehmend ausgeprägter in seinem Oberländerdialekt. Die Sprach- und
Sprechanstrengung hat sich deutlich verringert. Das disziplinierte, regelmässige Üben zeigte schon
bald nachhaltige Erfolge, stärkten sein Selbstwertgefühl und ermutigte ihn, sich wieder voll in den
kommunikativen Alltag einzufügen. Sein eiserner Wille, die langjährige, intensive therapeutische
Unterstützung, aber auch sein selbständiges und gezieltes, seinen Bedürfnissen angemessenes
Üben zuhause mit B.A.Bar haben zu diesem Erfolg geführt.





 

 

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