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Das B.A.Bar-Projekt

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Das B.A.Bar-Projekt

Die Sprache und die Kommunikation stimulieren und verbessern
Seit 1998 evaluiert die Schweizerische Stiftung für elektronische Hilfsmittel (FST, Neuenburg)
ihr neues B.A.Bar Projekt. Die Evaluationsphase Mai 2000 bis Mai 2001 umfasste rund
hundert Patienten. Heute (Juni 2002) wird das Gerät täglich von über 300 Personen benützt.
1. DAS GRUNDPRINZIP
Die verbale und klangliche Interaktion ist bei zahlreichen Tätigkeiten therapeutischer und
pädagogischer Art ausschlaggebend. Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Kind beruht auf dem
regelmässigen verbalen Austausch.
Einerseits scheint es oft schwierig, die Tätigkeit des Fachpersonals auf qualitativer oder theoretischer
Ebene zu verbessern. Andererseits leidet die Quantität unter den Grenzen der bestehenden Strukturen
und der verfügbaren Mitteln (wäre es nicht manchmal nützlich, wenn man einzelnen Schülern
mehr Zeit widmen könnte?).
Indem eine Verbindung geschaffen wird zwischen einem Strichcode und einer digitalen
Tonaufnahme, kann B.A.Bar unermüdlich und zu jeder Zeit diese Aufnahme wiederholen. Der
Strichcode befindet sich auf einer Klebeetikette und kann auf jeden beliebigen Gegenstand aufgeklebt
werden. Das unermüdliche Wiederhören einer Information kann von dem Moment an sehr wertvoll
werden, wo man aufgrund einer Behinderung ein Wort immer wieder abhören muss.
B.A.Bar erweist sich gewissermassen als ein Mittel zur Erweiterung (und nicht als Ersatz) der
Aktivitäten von Lehrkräften und Therapeuten. Im Prinzip ist das Kind in der Lage, selbst und
autonom Tätigkeiten auszuüben, die zum Erlernen oder zur Konsolidierung neuer Begriffe beitragen.
B.A.Bar soll auch zu einer technischen Hilfe zur Verbesserung der Kommunikation von Patienten
ohne verbale Sprache werden, obwohl sie gegenwärtig nur eine Minderheit von Benutzern
darstellen.
2. ANDERS GESAGT...
...jenen, die ihre Worte nicht mehr finden, hilft B.A.Bar sie wiederzufinden
Zwischen einem Konzept und seiner verbalen Form besteht eine Verbindung. Wer diese Verbindung
nicht erkennt, findet das Wort oder die Worte nicht, die er/sie braucht. (Sagt man in solchen Fällen
nicht: „Es liegt mir auf der Zunge.“?) Es kommt auch vor, dass man eine „falsche Verbindung“
herstellt, ein sogenannter Lapsus linguae.
Das häufige Fehlen dieser Verbindung ist eines der Symptome, das bei Personen mit Trisomie,
Autismus oder anderen Arten geistiger Behinderung oft auftritt. Wie wir wissen, haben diese
Menschen oft Schwierigkeiten mit dem verbalen Ausdruck.
In diesem Fall besteht die Rolle des Therapeuten und Lehrers namentlich darin, den Betroffenen s o
zu stimulieren, dass er das Bestehen dieser Verbindung so oft und so treffend wie möglich erlebt.
B.A.Bar gibt dem Schüler die Möglichkeit, auf Verlangen und so oft er will eigenständig ein Wort oder
einen Satz im Zusammenhang mit einer Situation oder einem gegebenen Konzept zu wiederholen,
und hilft ihm so beim Entwickeln oder Wiederentwickeln der Fähigkeit, „die Worte zu finden“!
Jenen, die einen Satz nicht korrekt aufbauen können, hilft B.A.Bar sich selbst zu korrigieren, indem
sie die Mittel erhalten, eigene Fehlleistungen zu erkennen....
Vor allem auf grammatikalischer Ebene ist es manchmal schwierig, begangene Fehler wahrzunehmen.
Üblicherweise erkennt das Kind seine Fehler im Rahmen seiner Beziehung zum Erwachsenen und ist
dann schrittweise in der Lage, sich selbst zu korrigieren.
In dieser Situation kann zunächst das Verfügen über Vorbilder in Form von Bezugstexten (im
B.A.Bar), die man dann versucht zu imitieren, indem man sich selbst direkt aufnimmt und abhört, zu
signifikanten Fortschritten beitragen.
Die Beschreibung der durch ein Bild hervorgerufenen Vorstellungen und die Aufnahme der eigenen
Worte im B.A.Bar zum späteren Anhören können helfen, die eigenen Fehler zu erkennen... und sie
zu korrigieren: einerseits schrittweise selbständig und andererseits mit Hilfe der Unterstützung einer
Drittperson.
Jenen, die eine Arbeit nicht durchführen können, weil sie sich nicht mehr erinnern, was wie getan
werden muss, wiederholt B.A.Bar unermüdlich die möglicherweise fehlende Information...
Die Lösung einer Mathematikaufgabe, das Anfertigen einer Bastelarbeit, die Namen seiner
Klassenkameraden zu wissen, seinen Tagesablauf zu kennen, sich an den Weg zur Therapie zu
erinnern, das Ankleiden, das Putzen der Zähne, der selbständige Gang zur Toilette sind alles
Tätigkeiten, die nur dann möglich sind, wenn man sich an gewisse Auflagen und an den
Handlungsablauf, d.h. die Ordnung der einzelnen Teilschritte, erinnert.
Über die herkömmlichen Hilfsmittel hinaus über einen Repetitor zu verfügen, dessen Geduld
praktisch grenzenlos ist, erleichtert ohne Zweifel die Durchführung von Aufgaben, die bis jetzt nur in
Gegenwart einer Drittperson möglich waren, die wenn nötig die fehlende Information wiederholte...
Für all jene, die ihre Aussprachefehler nicht selber hören, verdeutlicht B.A.Bar diese, damit die
Aussprache im Rahmen der vorhanden Möglichkeiten verbessert werden kann...
Wer hat es noch nie erlebt, sich selber nach erfolgter Aufnahme abzuhören?! Meist sind wir über
gewisse Eigenheiten erstaunt, die uns entgehen, wenn „wir uns sprechen hören“ – beispielsweise
die Deutlichkeit unseres Akzents.... Dieses Erstaunen kann noch verstärkt werden, wenn man
Schwierigkeiten mit der Aussprache hat, namentlich bei Dysarthrie.
Wer seine eigenen Fehler auf dieser Ebene nicht erkennen kann, ist in mindestens zweierlei Hinsicht
benachteiligt: einerseits ist sich diese Person ihrer Fehler nicht bewusst und andererseits nimmt sie
ihre allfälligen Fortschritte bei einer geeigneten Therapie nicht wahr.
B.A.Bar ist mit einem hochentwickelten Aufnahmegerät ausgerüstet, das praktisch unmittelbar
wiedergeben kann, was man ihm gesagt hat, und dies mit einem Minimum an Manipulationen. Aus
dieser Zeitverschiebung entsteht eine bessere Wahrnehmung der eigenen verbalen Produktion,
wodurch die Möglichkeiten zur Selbstkorrektur erhöht werden.
3. WIE FUNKTONIERT B.A.BAR?
B.A.Bar ist ein tragbares Gerät mit einer digitalen Stimme, das etwas grösser als ein Handy ist. Man
braucht nur einen Strichcode (wie man sie auf der Verpackung von Verbrauchsartikeln findet) damit
zu berühren, und schon wird zuvor Programmiertes (beispielsweise ein Wort oder Musik)
wiedergegeben.
Die Programmierung beruht auf folgenden Schritten:
• Wahl des Textes: Bestimmen, was aufgezeichnet werden soll (das kann ein Wort sein, aber auch
ein oder mehrere Sätze, ein Tierlaut oder z.B. Musik).
• Etikette anbringen: Eine Strichcode-Etikette am gewünschten Ort aufkleben (auf einen Gegenstand,
Bild, Text, in ein Buch, auf ein Übungsblatt, usw...)
• Programmierung: B.A.Bar ein erstes Mal auf den entsprechenden Strichcode positionieren. B.A.Bar
weiss jetzt, dass er diesen programmieren muss. Er gibt den Befehl "DRÜCKEN UND SPRECHEN".
• Aufnahme: Die Aufnahmetaste "R" drücken und halten; das gewünschte Wort oder den
gewünschten Satz aus ca. 10 cm Entfernung zum Gerät aussprechen und anschliessend die "R"-
Taste loslassen. B.A.Bar wiederholt das soeben Aufgenommene.
• Bestätigen und Speichern: Ist die Aufnahme zufriedenstellend, wird B.A.Bar ein zweites Mal auf
denselben Strichcode gehalten, um die Aufnahme zu speichern. Jedes Mal, wenn dieser Strichcode
aktiviert wird, wird der entsprechende Inhalt akustisch reproduziert!
4. EVALUATION: WIE UND WARUM?
Eine neue Idee birgt immer ein gewisses Risiko in sich. Es ist nicht so schwierig, Fachleute und Eltern
mit einem vielversprechenden neuen Konzept zu überzeugen. Gerade in der Arbeit mit schwer
behinderten Menschen, wo Fortschritte nur langsam eintreffen und oft schwer zu erkennen sind, ist
eine neue Idee leicht zu verkaufen und verführt zu falschen Hoffnungen.
Es ist deshalb unerlässlich, eine neue Idee über längere Zeit zu überprüfen und ihren Gebrauch zu
beobachten um dadurch einerseits die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des Konzepts
festzulegen.
Mit einer Auswertung versuchen wir, B.A.Bar auch gegenüber den hohen wissenschaftlichen
Ansprüchen und der Skepsis gewisser Akademiker zu verteidigen. Wir hatten den Anspruch, dass
durch unsere Auswertung B.A.Bar Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen werden könnte. Es
ist tatsächlich so, dass im Moment an mehreren Diplom- und Lizentiatsarbeiten zum Thema B.A.Bar
gearbeitet wird.
Schliesslich war uns zu Beginn des Projektes bewusst, dass B.A.Bar in Gebieten Anwendung finden
könnte, in denen bis zum heutigen Tag wenig bis gar keine Erfahrungen gemacht wurden in Bezug
auf technische „sprechende“ Kommunikationshilfsmittel. Im Bereich der Geistigbehinderten-
Pädagogik zum Beispiel stellten wir fest, dass B.A.Bar oft das erste Hilfsmittel dieser Art darstellte. Es
war uns deshalb wichtig, genügend Zeit und Mittel zu haben, um in solchen Bereichen Anwendungen
zu entdecken.
Vor allem aufgrund der vorher beschriebenen Tatsachen haben wir ungefähr zwei Drittel unserer
Ressourcen für die Auswertung des Projektes verwendet. Dies bedeutet, dass während einem Jahr
ungefähr 100 Benutzer und ihre Teams von uns begleitet wurden.
Zu Beginn des Projektes, 1998, wurde eine Vorstudie mit einem Dutzend Versuchspersonen
gestartet. Diese Vorstudie hatte zum Ziel, Erfahrungen für die Durchführung des Projektes zu
gewinnen. In dieser Projektphase wurde mit fünf Kindern mit Autismus, einem Kind mit Dysarthrie,
drei Kindern mit Down-Syndrom und mit aphasischen Patienten gearbeitet.
Ermutigt durch die während ca. 18 Monaten erhaltenen Resultate begann im Mai 2000 die eigentliche
Auswertungsphase:
• Dauer: Mai 2000 bis Mai 2001
• Anzahl der Benutzer: 100, welche von
• 35 Teams mit ca. 70 Fachleuten betreut wurden.
Es freut uns besonders, Eltern, Geschwister und PartnerInnen der Benutzer zu erwähnen, welche
oft schon von Anfang an aktiv am Projekt teilnahmen, und auch bei der Zielsetzung und
Bedürfnisanalyse mithalfen. Wir konnten im Nachhinein feststellen, dass dies eine wichtige
Bedingung für den Erfolg eines Projekts darstellte.
Während der Dauer des Projektes hatten wir die Gelegenheit, jeden Fall im Durchschnitt dreimal zu
besuchen. Der erste Besuch hatte zum Ziel, gemeinsam eine Bedürfnisanalyse zu erstellen und die
ersten Aktivitäten mit B.A.Bar festzulegen. Ausserdem war es wichtig, unsere Erwartungen in Bezug
auf Einsatzzeit von B.A.Bar mit den Möglichkeiten der Fachleute in Einklang zu bringen.
Nach ungefähr drei bis sechs Monaten fand der zweite Besuch statt mit dem Ziel, die ersten
Resultate anzuschauen und gegebenenfalls die Zielsetzungen und Anwendungsmöglichkeiten neu zu
definieren oder anzupassen.
Im Dezember 2000 fand ein erstes Treffen der beteiligten Fachpersonen statt, wo Anwendungen
und erste Erfolge ausgetauscht wurden. Diese Zusammenkunft war sehr wertvoll in Bezug auf die
ausgetauschten Informationen.
Nach dem dritten Besuch fand dann im Juni 2001 in Neuenburg eine zweitägige Abschlusstagung
statt, an welcher die Resultate von allen am Projekt beteiligten Fachteams präsentiert wurden. Die
vollständigen Dokumente dieser Arbeit umfassen 1000 Seiten, welche in drei Gruppen aufgegliedert
wurden:
• Präsentation des Falls und die verfolgten Ziele
• Abschlussfragebogen mit den für jeden Fall spezifischen Antworten
• Beispiele zur praktischen Arbeit mit B.A.Bar
Dieses Dokument ist auf Anfrage in der FST entweder zur Ausleihe oder zum Verkauf erhältlich.
5. WER SIND DIE BENUTZER VON B.A.BAR UND WIE WENDEN SIE DAS GERÄT AN?
Eine Zusammenfassung der Resultate ist in den folgenden Punkten dargestellt. Die Daten wurden am
Ende des Projektes mittels Fragebogen gesammelt. Es handelt sich um eine statistisch Auswertung
dieser Fragebogen, worin insgesamt um die 6500 Fragen beantwortet wurden.
Die Gesamtzeit der Benutzung mit B.A.Bar beläuft sich auf mehr als 9'000 Stunden!
Selbständigkeit im Gebrauch von B.A.Bar
Gesamthaft gesehen entspricht der Gebrauch von B.A.Bar ohne das Beisein einer Drittperson mehr
als 50% der Benutzungszeit. Wir können hier feststellen, dass es sich dabei um eine steigende Tendenz
handelt: B.A.Bar scheint die Fortführung der in der Therapie begonnenen Massnahmen zu
begünstigen.
Ort der Benutzung
55% in der Schule (36% im Klassenzimmer, 19% in der Therapie)
45% Zuhause
Das Engagement der Eltern und ihre Zusammenarbeit mit den Fachpersonen erklärt ohne Zweifel den
hohen Anteil des Gebrauchs von B.A.Bar zuhause.
6. RESULTATE AM ENDE DER PROJEKTPHASE
Die Festlegung der Auswertungskriterien erwies sich nicht als einfach. Ein Fortschritt kann in der
Regel objektiv gemessen werden. Worauf dieser Fortschritt zurückzuführen ist, bleibt jedoch oft eine
Hypothese. Die für diese Auswertung mittels Fragebogen ausgewählten Kriterien wurden einerseits
mit Hilfe der von Herrn Gabus langjährigen Erfahrung und in Zusammenarbeit mit den
Fachpersonen selbst erstellt. Die Antworten auf diese Fragen wurden alleine von den Fachleuten
gegeben.
Verhaltensveränderung
Wer über ungenügende kommunikative Fähigkeiten verfügt, zeigt oft unangepasste
Verhaltensweisen. Die Extreme davon sind entweder Aggressivität oder Passivität. Die
Kommunikation verbessern bedeutet in vielen Fällen auch Verhaltensveränderung. Wir erwarteten
deshalb auch durch die Arbeit mit B.A.Bar Veränderungen in diesem Bereich.
75% der Fachleute beobachteten eine deutliche Verbesserung des Verhaltens (sogar 92% im
Bereich der Trisomie 21). In 25% der Fälle konnten die Beobachter ihre Resultate sogar objektivieren
(zum Beispiel durch Aussagen von am Projekt unbeteiligten Personen, welche nicht wussten, dass
mit B.A.Bar gearbeitet wurde).
Die Initiative zur Kommunikation ergreifen
64% der Fachleute bestätigen eine Veränderung in diesem Bereich: die behinderte Person ergreift
eher das Wort. Dies könnte zeigen, dass eine mögliche Angst, das Wort zu ergreifen („ich kann
nicht“, „ich weiss nicht“, oder sogar „man versteht mich sowieso nicht“) mit dem Gebrauch von
B.A.Bar abgeschwächt wurde.
Bessere Aussprache
Wir können feststellen, dass die meisten der an der Auswertung teilnehmenden Personen (gewisse
Aphasiker, welche keine Artikulationsprobleme auswiesen, ausgenommen) nicht oder praktisch
unverständlich sprachen, und dies sowohl für Aussenstehende als auch für ihre nächsten
Bezugspersonen. 63% der Kinder mit Autis-mus und sogar 93% der Kinder mit Trisomie 21 haben
während der Versuchsperiode ihre Aussprache spürbar verbessert. Ein Teil dieser Fortschritte war
objektiv messbar, z.B. durch Tonbandaufnahmen oder Artikulationsprotokolle am Anfang der
Testperiode.
Wir schreiben diesen Fortschritt der „Echofunktion“ von B.A.Bar zu, welche es ermöglicht, alles
Aufgenommene direkt wieder zu hören.
Verbesserung des Wortschatzes
Der Wortschatz, und hier wird vor allem das Wortverständnis gemeint, ist bei den B.A.Bar-
Benutzern oft eingeschränkt. Es scheint, dass sich 58% der Kinder mit Trisomie 21 und 75% der
Kinder mit Autismus in diesem Bereich verbessert haben. In gewissen Fällen wurde zu Beginn der
Testphase eine Wortschatzliste erstellt, welche am Ende wieder überprüft wurde.
Wir vermuten, dass ein Wortschatz-zuwachs mit dem wiederholten Hören von neuen Wörtern und
evtl. ihrer Definition zu tun haben könnte.
Bereicherung des aktiven Wortschatzes
Diese Frage betraf vor allem die Fähigkeit, sich mittels Sprache oder Kommunikationstafeln
auszudrücken. Anders ausgedrückt: hat sich der Wortschatz, welcher zur Kommunikation zur
Verfügung steht, vergrössert?
In 77% der Fälle wurde dieses Phänomen beobachtet. Wir vermuten, dass bei Menschen, welche
eine Kommunikations-tafel verwenden, der Fortschritt auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass es
mit B.A.Bar möglich ist, die Bedeutung eines neuen Piktogramms immer wieder abzuhören. Bei
Menschen mit Lautsprache könnte die Möglichkeit, Wortlisten mit entsprechenden Definitionen
selbständig abrufen und das Gehörte wiederholen zu können, zu dieser Tatsache beigetragen hat.
Resultate in Bezug auf Anfangs-erwartungen
Bei einem neuen Projekt ist es klar, dass Erwartungen in Bezug auf Fortschritte vorhanden sind. E s
war uns deshalb wichtig, die folgende Frage zu stellen: „Wie sind die erzielten Ergebnisse verglichen
mit den ursprünglichen Erwartungen?“
Folgende Antworten wurden gegeben:
4% bezeichneten ihre Ergebnisse als
„unerwartet hoch“
25% als „erstaunlich“
52% als „zufrieden stellend“
13% als „unbefriedigend“
6% sind „enttäuscht“
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass 80% der involvierten Personen mit den Resultaten
zufrieden waren. In 20% der Fälle erfüllte B.A.Bar die Erwartungen nicht.
Hier noch ein Wort zur Auswahl der Projektteilnehmer: Wenn von unserer Seite grosse Zweifel
vorhanden waren, was den Erfolg des Projektes betraf, behielten wir uns vor, gewisse
Voraussetzungen zu verlangen. Dies betraf sowohl den Schweregrad der Behinderung als auch die
Mitarbeit der Equipe. Bei schwer behinderten Benutzern verlangten wir zum Beispiel in der gleichen
Institution ein Projekt mit einem weniger schwer behinderten. Was die Mitarbeit betrifft, verzichteten
wir auf Projekte mit wenig motivierten Teams oder Teams, welche andere Prioritäten für die Zeit der
Projektphase in den Vordergrund stellten.
Natürlich interessierte uns, welche Parameter für ein gutes Gelingen des Projektes verantwortlich
sein könnten. Wir zählen hier einige auf, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben:
- Sorgfältiges Analysieren der Bedürfnisse vor Projektbeginn
- Regelmässige Arbeit mit B.A.Bar, oft mehrmals am Tag, wenn auch nur von kurzer Dauer
- Zusammenarbeit sowohl der Fachleute als auch mit den Eltern
- Hohe Motivation der Teilnehmer
- Zielsetzungen sowohl von den Eltern als auch von den Fachleuten akzeptiert
- Ziel der selbständigen Arbeit des Benutzers mit B.A.Bar
Resultate in Bezug auf geleistete Aufwendungen
B.A.Bar ist in Bezug auf die Handhabung sicher eines der einfachsten technischen Hilfsmittel, das
zur Zeit auf dem Markt erhältlich ist. Was jedoch die Anwendung betrifft (Wahl und Vorbereitung der
Aktivitäten), muss mit einem beträchtlichen zeitlichen Aufwand gerechnet werden. Wir wollten
deshalb wissen, ob sich der erbrachte Aufwand mit den erzielten Resultaten rechtfertigen liess. Die
folgenden Antworten wurden gegeben:
2% erachten die Resultate im Ver-gleich
zum Aufwand als „uner-wartet hoch“
5% als „erstaunlich“
61% als „zufrieden stellend“
12% als „unbefriedigend“
20% sind „enttäuscht“
Allgemeine Einschätzung der Nützlich-keit von B.A.Bar
Um eine Zusammenfassung der Auswertung mit B.A.Bar zu erhalten, stellten wir am Schluss
folgende Frage: Welche Bedeutung geben Sie B.A.Bar beim jetzigen Endstand der Evaluation?
Die Antworten sind die folgenden:
16% erachten B.A.Bar als
„unbedingt notwendig“
54% sehen ihn als „ein Plus“
22% als „eine andere Methode“
4% als „wenig sinnvoll“
4% als „nutzlos“
Wir haben uns gefreut, anhand dieser Ergebnisse festzustellen, dass sich unsere Hypothesen nach
einer Beobachtungsperiode von einem Jahr (im Mai 2001) weitgehend als richtig erwiesen haben.
Beim Verfassen dieses Textes (Juni 2002) haben wir einige Teams kontaktiert, die die Resultate
erneut bestätigt haben. Schliesslich stellen wir fest, dass B.A.Bar zusehends zu einem allgemein
verwendeten Gerät wird. Gegenwärtig läuft eine ergänzende Studie, die – so hoffen wir – den
Vergleich der Ergebnisse der Evaluation vom Juni 2001 und den heute gemachten Beobachtungen
erlauben wird.
B.A.Bar wird seit Januar 2001 auf dem Schweizer Markt angeboten. Bis heute haben 190 Personen
an eintägigen Ausbildungskursen teilgenommen, was die Durchführung einer individuellen Evaluation
begünstigen sollte. Mehr als 250 Geräte wurden getestet.
7. ANWENDUNGSBEISPIELE
Bis heute gibt es Hunderte von Übungen, die während der Auswertungsphase kreiert worden sind.
Sie sind kopiert als Broschüre bei der FST erhältlich oder werden an den Kursen verteilt. Wir hoffen,
diese im Laufe dieses Jahres auch im Internet veröffentlichen zu können. Es folgen nun einige
Beispiele, nach Anwendungsziel geordnet.
Im Allgemeinen enthalten die Strichcodes ein Wort oder einen Satz, die sich auf eine Zeichnung,
einen Text oder ein bestimmtes Objekt beziehen. Der Benutzer hört die Anweisung so oft an, wie
dies für ihn selbst oder die Übung erforderlich ist.
Ein paar Beispiele:
Eine Kommunikationstafel zum « Sprechen » bringen, um jenen das Begreifen und Benutzen zu
erleichtern, die den Sinn der Piktogramme nicht verstehen würden!
Um ein Wort « aussprechen » zu lernen, wird es aufgenommen, in Silben zerlegt und dann normal
ausgesprochen. Das Kind muss versuchen, das Wort auszusprechen, und sich gleichzeitig
aufnehmen, um sich anschliessend abzuhören.
Um die Namen und die Orthographie der Objekte des täglichen Gebrauchs zu erlernen, wird den
Schülern eine grosse Tafel zur Verfügung gestellt. Darauf sehen sie für jedes Wort eine Fotografie
und das ausgeschriebene Wort mit mittels Strichcode registrierter akustischer Aufnahme. So können
die Schüler die verschiedenen Darstellungen in Verbindung bringen und versuchen, die Worte s o
oft sie wollen auszusprechen (mit oder ohne Aufnahme), um sie sich anzueignen.
Danach werden auf einem Blatt Papier die Gegenstände der „grossen Tafel“ „vermischt“. Das Kind
muss sich jetzt den Inhalt eines Strichcodes anhören und diesen dann mit dem entsprechenden
Gegenstand mit einer Linie verbinden. Dadurch entsteht ein objektives Instrument zur Kontrolle der
erworbenen Kenntnisse.
B.A.Bar kann auch zur Verbesserung der auditiven Wahrnehmung eingesetzt werden. So enthält
zum Beispiel der Strichcode unter Tierfotos den Ruf dieser Tiere. Dieselben Strichcodes (Fotokopie)
werden auch auf ein anderes Blatt kopiert. Das Kind muss herausfinden, welcher Ruf zu welchem
Tier gehört (eine Art „Klangdomino“).
B.A.Bar passt sich seiner Umgebung an. Die Codes können auf Spielsachen oder andere
Gegenstände geklebt werden. In diesem Fall beginnen diese zu sprechen und erhalten eine neue
Dimension: den Klang!
Informationen zu einem Kochrezept : die Codes werden neben Bilder geklebt, die zu den einzelnen
Etappen gehören, und enthalten die zur Durchführung erforderlichen Erklärungen.
8. ZUSAMMENARBEIT MIT DEN FAMILIEN
Aufgrund unserer dreissigjährigen Erfahrung wissen wir, dass die Zusammenarbeit mit den Familien
auf die eine oder andere Weise immer entscheidend war. Es scheint uns unerlässlich , im Rahmen
eines Projekts mit den Eltern zusammenzuarbeiten. Dies ist aber nicht immer einfach. Wir meinen,
dass unter anderem auch folgende Gründe Vorbehalte verursachen:
Unvereinbarkeit der Erwartungen der Eltern und der Grenzen des Fachpersonals... Der Dialog
erlaubt in diesen Fällen oft, die beiden Ansätze in Einklang zu bringen, namentlich durch die
Festlegung eines Ziels, wobei man nicht vergessen darf, alle erforderlichen Zwischenschritte
darzulegen!
Vor allem wenn ihre Kinder schlecht oder gar nicht reden, fürchten sich die Eltern (und auch
gewisse Fachleute) davor, dass der Einsatz technischer Mittel zur Verbesserung der mündlichen
Kommunikation eine eventuell vorhandene natürliche Fähigkeit „normal zu reden“, beeinträchtigt.
Soviel wir wissen, ist dies nicht der Fall. Einerseits ist die Technologie nicht „stark“ genug, um das
natürliche Wort zu ersetzen (sollte dies überhaupt möglich sein). Andererseits sind wir überzeugt,
dass die Verfügbarkeit eines solchen Instruments nicht nur das Verhalten der behinderten Person
selbst sondern auch jenes ihrer Umgebung verändert. Eine intensivere gegenseitige Anregung erhöht
unweigerlich die Tendenz seitens des Subjektes, sich mündlich auszudrücken.
In einer Minderheit von Fällen wird B.A.Bar auch als integratives und alternatives Mittel zur
mündlichen Kommunikation eingesetzt. Die Eltern, die ihr Kind oft am besten verstehen, halten sich
in diesem Bereich nicht immer an das Projekt der Fachkräfte. Es muss gemeinsam ein Inventar der
eingesetzten Kommunikationsmittel aufgenommen werden, um deren Stärken und Schwächen
festzustellen. So können die Bedürfnisse im Hinblick auf eine verbesserte Kommunikation analysiert
werden, was vor allem für den Kontakt des Kindes mit Drittpersonen wichtig ist.
Im Rahmen des B.A.Bar-Projektes arbeiten die Familien im Allgemeinen glücklicherweise aktiv mit. Die
Lage verbessert sich laufend, und die positiven Beispiele nehmen ständig zu.
Dafür gibt es sicher mehrere Gründe:
• Das Fachpersonal und die Eltern haben dieselben Bedürfnisse.
• B.A.Bar kann sowohl im gewohnten schulischen als auch familiären Rahmen ausreichend
integriert werden.
• B.A.Bar kann einfach und SCHNELL programmiert werden !
• B.A.Bar wird relativ oft zu einem Kommunikationsträger zwischen Eltern und Fachpersonal,
namentlich über die „Lebensordner“, die zu „sprechen“ beginnen.
• Auch die Eltern nehmen an den B.A.Bar-Ausbildungskursen der FST teil, oft gemeinsam mit den
Fachkräften, die ihre Kinder betreuen: so können die Erwartungen der einen und die Möglichkeiten
der anderen praktisch auf natürliche Weise in Einklang gebracht werden!
9. DER ETHISCHE ASPEKT
Beim derzeitigen Kenntnisstand insbesondere in Bezug auf den Bereich der Sprachstörungen ist es –
so scheint es uns – schwierig, vor der Inangriffnahme eines Rehabilitationsprojektes eine positive
oder negative Prognose zu stellen. In der Tat würde die Aussage, dass diese Wiederherstellung
möglich, jene hingegen unwahrscheinlich sei, in manchen Fällen möglicherweise zutreffen; dennoch
scheint es, dass die Erfahrung sehr häufig zeigt, dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht.
Es geschieht, dass der soziale Druck oder auch die Versicherungen vom Therapeuten die Stellung
einer Prognose fordern. In anderen Fällen beruht die Inangriffnahme einer Therapie und der damit
verbundenen Anstrengungen allzu ausschlaggebend auf der – geheimen oder offenkundigen –
Hoffnung auf eine praktisch vollkommene Wiederherstellung des Patienten. Natürlich ist es logisch
und verlockend, diesem Wunsch stattzugeben, und manchmal wird die Prognose sogar wahr.
Alle werden sich zweifellos darin einig sein, dass eine derartige Situation in ethischer Hinsicht
gefährlich ist. Was geschieht, wenn sich die Hoffnungen leider nicht verwirklichen? Welche Enttäuschung!
Wir bieten einen Ansatz, bei dem die Motivation, etwas zu tun, nicht in erster Linie durch starke
Hoffnung auf den Erfolg des Projekts geweckt wird, sondern eher dadurch, dass ein günstiges
Ergebnis auf keinen Fall in Betracht gezogen werden kann, wenn nicht zuvor hart gearbeitet wird
und man an das, was man tut, glaubt...
Man strebe den Erfolg des Projektes an ....
und gehe sorgfältig mit der Hoffnung um!
10. DANK
Dieses Projekt wird ausschliesslich durch private Spenden finanziert. Die FST möchte hiermit ihren
Gönnern, den rund 70 Fachpersonen (Therapeuten, Lehrer, Erzieher) sowie den Behinderten und
ihren Angehörigen, den eigentlichen Protagonisten dieser Evolution, herzlich danken.
Jean-Claude Gabus
Konzept-Gestalter B.A.Bar und Direktor der FST
Juni 2002





 

 

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