2. B.A.BAR SEMINAR – 11/12.06.2001 Schlussbericht zum B.A.Bar-Projekt mit Sofia geb.: 14.05.1998 Daniela Odermatt Einstieg B.A.Bar.......endlich!!!!Als ich erfuhr, dass es B.A.Bar endlich gibt, wurde mir fast schwindlig vor Ideen, bei wem und wo und wie ich B.A.Bar einsetzen könnte.....ganze Szenarien gingen mir durch den Kopf.... Endlich, vieles versprachlichen, vertonen, nicht nur am Bild, fix an einem Gerät.., nein! frei, kabellos, beweglich auch direkt an Gegenständen....mit konkreten Handlungen verbunden, schier endlos wiederholbar. Welche Vorteile für die mögliche Unterstützung der Sprachentwicklung oder von Kommunikationsmöglichkeiten! Folien 1-3 1. W as k ann a lles d amit g emacht w erden? • Es kann in allen Sprachen der Welt gesprochen werden, ohne Grenzen! • Bilder/Gegenstände akustisch „benennen“ • Ganze Sätze/Geschichten „erzählen“ • Lieder/Abzählverse „singen“ • Buchstaben lautieren • Diktate diktieren • Geräusche/Tierlaute/Klänge wiedergeben • Mögliche Eigenkontrolle von Gesagtem • Schier endloses Wiederholen möglich • Kleine Anzahl von fixen Mitteilungen speichern und wiedergeben ohne Code möglich • Gedächnis stützen • Lernen verstärken • Motivation erhöhen • Lesen • Strukturieren • Differenzieren • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne verlängern • Spielen (Memory, Leiterlispiel, Lotto Sonor) • Kontakte knüpfen • Verbindungsaufbau über einen längeren Zeitraum von Hören-Sprechen-Objekt-Abbild- Schreibbild, immer mit dem selben Höreindruck über eine Handlung etc. 2. W as s ollte B .A.Bar n och k önnen? • Länger im Einsatz sein • Mehr Speicher haben • Auswechselbare Ebenen/Disketten etc. ....z.B. für Unterricht/Umfelder/Zweisprachigkeit • Bereits vorprogrammierte Wörterbücher, Klänge, Tierstimmen, Alltagsgeräusche,etc. • Schreiben 3. W o s ind v orläufige G renzen ? (oder brauchen wir mehr Phantasie?) • Speicherkapazität • Handlichkeit • Lieferfristen Die verschiedensten Situationen mit den unterschiedlichsten Menschen angefangen vom kleinsten Kind über alle Altersgruppen und Behinderungen (Kinder mit Trisomie 21, mit Autismus, mit Sprachbehinderung, Menschen mit Cochlear Implantaten, Aphasikern) bis hin zu den im Erwachsenenalter neu betroffenen Personen, gingen mir als Logopädin durch den Kopf. Als Logopädin bewegt man (Frau) sich dauernd in Grenzbereichen (Grenzbereiche von Fachgebieten, Grenzen im Bereiche des Ausdrucks, Grenzen im Bereich von verschiedenen Individuen), da ist viel Flexibilität und Kreativität gefordert. Und genau dadurch ist B.A.Bar prädestiniert zumindest versuchsweise eingesetzt zu werden. Eine weitere Eigenschaft in meiner Berufsgattung ist Geduld, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen. Diese Eigenschaften fordert B.A.Bar selbst durch seine technischen Pannen und „Kinderkrankheiten“ stark heraus. Wie alles wird auch B.A.Bar eine Entwicklung durchmachen und zu neuen Errungenschaften anspornen. Ein mögliches Beispiel stellt das vergangene Jahr mit Sofia dar... 2 Jahre?!... N a u nd!? (Referat) Sofia ist bislang einziges Kind der Familie. Sofia hat Trisomie 21. Ab den ersten Lebensmonaten hatte sie Physiotherapie (Bobath) und Esstherapie (Bobath). Durch die Esstherapieberatung kam ich zu Sofia. Sofia hat sehr aktive unterstützende Eltern, insbesonders die Mutter ist um eine möglichst frühe, weite und breit gefächerte Förderung bemüht. Sofia ist die jüngste Teilnehmerin am B.A.Bar Projekt. In einem ersten Teil werde ich aus therapeutischer Sicht den gegangenen Weg aufzeigen. Die Mutter wird aus ihrer Sicht den Einsatz von B.A.Bar und den ent-sprechenden Schwierigkeiten und Fortschritten aufzeigen. Videosequenzen werden das Fallbeispiel veranschaulichen. Bericht a us logopädischer S icht Bezüglich der S prachentwicklun g von Sofia waren folgende Beobachtungen zu machen: Folie: Anfängliche Bedingungen bezüglich der Sprachentwicklung Bedingungen innerhalb d e r E ntwicklung b ezüglich d er S prache im V ergleich z ur E ntwicklung d er M otorik u nd M undmotorik u nd d er G esamtentwicklun g Körpertonus war für ein Kind mit Trisomie erstaunlich gut) Motorik dank gutem Tonus gute Entwicklungsmöglichkeit Mundmotorik/-sensibilität sehr deutlich beeinträchtigt, persistierende Reflexe, erhöhte Sensibilität, Bewegungsplanungsproblematik Lallphase nur ganz wenig vorhanden, Frage nach dem Gehör, Andere medizinische Probleme lassen genauere Untersuchung zur Zeit nicht zu Lautexploratives Verhalten fand nur ganz minim statt Atem- und Phonationsluft Verlust der Phonationsluft durch die Nase, wenig Zwerchfellspannung, Dosierung schwierig Mundschluss möglich Velumabschluss noch nicht möglich Blickkontak gut Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten, je nach Angebot Objektpermanenz deutlich da Triangulierung deutlich da situatives Sprachverständnis scheint da zu sein, jedoch viele sehr ähnliche Situationen Fragen n ach : Gehör? ... und/oder möglicher Dysphasie? Schwierigkeit : vermehrte Frustration, deutlich deutbar aus dem Unvermögen, nicht kommunizieren zu können. Erstes V entil : Gesten/Gebärden Es zeigte sich ein verzögerter sprachlicher Ausdruck verglichen mit anderen Ent-wicklungsschritten (z.B. Motorik). Trotz sehr guten Tonusbedingungen für ein Kind mit einer Trisomie und einem guten Entwicklungsverlauf der Mundmotorik, setzte nur eine leichte Lallphase und wenig lautexploratives Verhalten ein. Von der Atmung her ist genügend Volumen und Stütze zur Verfügung. Die Frage nach der Funktionsfähigkeit von Sofia’s Hörvermögen ist noch nicht zufriedenstellend beantwortet, d.h. es ist klar, dass Sofia hört, jedoch nicht wie, z.B. könnten einzel-ne Frequenzbereiche beeinträchtigt sein (bislang hatten andere gesundheitliche Fragen Vorrang). Sofia zeigte, dass sie situative Aufforderungen verstand, z.B. bei Aufforderung griff sie nach den entsprechenden Gegenständen. Mit wachsendem Alter stellte sich zu dem (neben der Hörfrage) die Frage nach einer möglichen Dysphasie. Diese Frage ist ebenfalls noch nicht geklärt. Die Tatsache, dass Sofia Gebärden adäquat einsetzt, beantwortet diese Frage nur teilweise. Auf dem Hintergrund dieser Erschwernisse, suchte ich um so dringender nach einer Möglichkeit, dem auditiven Kanal vermehrt Aufmerksamkeit zu widmen, da ein Kanal, der zu wenig gebraucht wird entsprechend verkümmern kann. Mit B.A.Bar ist eine solche Möglichkeit gegeben. Mit welchem Geschick die ganze Sache spielerisch immer wieder konsequent angegangen werden musste wird die Mutter aufgezeigen. Eine grosse Schwierigkeit war, dass Sofia deutlich ein Kommunikationsbedürfnis zeigte und Frustration sie zu übermannen schien. Ein erstes Ventil entstand durch die Gebärden... Konnte ein zweites Ventil mittels B.A.Bar auf’s Tapet kommen? Sofia war gerade mal zwei Jahre alt, na und, ein Versuch war es alle mal wert..... Folie mit Bild (Katze die nach dem Raubvogel springt) Die g esteckten Z iele s ahen w ie folgt a us: Folie: Gesteckte Z iele / W ünsche / H offnungen i n S prachbereich Verstärkte auditive Rückkopplung qauntitativ/qualitativ von Gesprochenem Wortschatzerweiterung Motivation zu selbständigen Artikulation Generelle Verbesserung der Ausdrucksmöglichkeit Entwicklung Innerhalb der Kommunikationssituationen trianguliert Sofia deutlich. Objektpermanenz ist schon lange keine Frage mehr. Sie weiss ganz genau was sie will und wo die entsprechenden Sachen zu finden sind. S chritte m it B .A.Bar: Erste Untersuchungen seitens von Sofia, erste Versuche seitens der Mutter, was interessiert wohl wen? Es war äusserst wichtig B.A.Bar wie ein Spielzeug einzuführen. Entsprechend gab es Phasen, in denen B.A.Bar sehr oder gar nicht interessant war. Wichtig war, dass B.A.Bar einfach da war und bei Bedarf, bzw. Neugierde exploriert und damit hantiert werden konnte... das begann Spass zu machen. Video 1 vom 10.06.2000. Stand: 00:14-02:10 Sofia macht deutliche Fortschritte innerhalb des Passivwortschatzes. Dies zum Einen mit B.A.Bar, und zum Anderen in der Verbindung mit den Gebärden. Aktiver benutzt Sofia zunächst die schneller verfügbaren Gebärden. Mit B.A.Bar ist ein exploratives Sprechverhalten möglich. Sofia arbeitet hauptsächlich noch mit einzelnen Wörtern sowohl bei Gebärden, wie auch bei B.A.Bar. Neu ist bei B.A.Bar ein Griff montiert, jedoch noch nicht verstellbar. Video 2 vom 29.12.00 Stand 07:00-08.40 Dias: Die Griffe wurden mehrmals adaptiert. Sofia kann mit B.A.Bar, wenn auch in einem eingeschränkten Mass auf Erkundung gehen. So oft, wie gerade von Sofia im Moment verlangt, kann B.A.Bar das Verlangte repetieren. Der Vorteil dabei ist, dass die akustischen Impulse beim selben Code immer gleich sind, d.h., dass bei den möglichen erschwerten Bedingungen bei Sofia, das immer gleich tönende unter Umständen besser eingeprägt werden kann. Sofia lässt sich motivieren, sehen sie selbst. Video 3 vom 15.03.00 Stand 08:02-09:16 Sie beginnt, wie bei einer normalen Sprachentwicklung - Wörter bzw. Gebärden aneinander zu hängen. Vom Sprachaufbau her haben ebenfalls Nomen vor Verben und Adjektiven Vorrang. Video 3 vom 15.03.00 Stand 12:38-13:20 Auf Aufforderung kann Sofia Farben und Formen zeigen bzw. mit B.A.Bar wieder benennen. Sofia benutzt B.A.Bar jetzt zum Erkunden der Umwelt, nur manchmal ist es spannender die Codes von den Gegeständen abzureissen, Pech gehabt wenn B.A.Bar dann nicht mehr sagen kann wie das heisst, Spass muss sein, und jede macht ihre Erfahrungen auf eine andere Art. Sofia beginnt begleitend Laute von sich zu geben... Video 3 vom 15.03.00 Stand 15:00-16:30 Der ganzheitliche Ansatz im Aufbau der Kommunikationsmöglichkeit bei Sofia, mittels Verbindung der Verschiedensten Hilfen hat sich sehr bewährt und ist entsprechend weiterzuführen. Was w urde e rreicht? S prachlich, a llgemein Folie: Was w urde e rrei c h t, w as ist in g reifbarer N ähe? Sprachlich Beginn selbständiger Lautäusserungen Wortschatzerweiterung Allgemein Freude und Lust am Erkunden Erleben von Ursache/Wirkung Überwinden von praktischen Hindernissen im Zusammenhang mit B.A.Bar und spielerischer Umgang Lust und Freude an Gehörtem und Gesprochenem geweckt Verlängerung der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne Möglichkeit zur Eigenaktivität Verbesserung der Handlungsmöglichkeiten, Hand-Hand- und Aug-Hand-Koordination Training des visuell-räumlichen Deutlich verminderte Frustration bezüglich der Kommuniktion, bei gleichzeitig hohen Anforderungen an die Frustrationstoleranz in Bezug auf Pannen in Handhaben von B.A.Bar. Bemerkung: B.A.Bar selbst wird nicht, oder noch nicht, zur direkten Kommunikation eingesetzt, jedoch sehr wohl zu Verbesserung der kommunikativen Grundlagen und Kompetenzen. Dieser V ersuch h at s ich 1 00%ig g elohnt!!! Sofia hat erst angefangen mit B.A.Bar so richtig „auf Touren“ zu kommen. Beharrlichkeit und Durchaltewille sind zwei ihrer Tugenden, da werden bestimmt noch spannende Momente kommen. Wer weiss, was in einem weiteren Jahr zu Berichten sein wird...?! Die Handhabung von B.A.Bar ist ein Kapitel für sich, die Mutter wird das darstellen.
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