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Evaluation von B.A.Bar

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2. B.A.BAR SEMINAR – 11/12.06.2001

Evaluation von B.A.Bar

José Duvoisin
Carole Pelissier
1. GARY
Ein autistischer Junge von 9 Jahren, der eine geistige Behinderung aufweist. Er spricht nicht, gibt
jedoch einige Laut und Schreie von sich. Er teilt uns seine Bedürfnisse dadurch mit, dass er uns bei
der Hand fasst oder auf den gewünschten Gegenstand zeigt. Seine Frustration und Unzufriedenheit
bringt er durch Wutschreie zum Ausdruck. Oft handelt er, ohne etwas zu fragen und kann sich in
Situationen bringen, die in Gesellschaft wenig akzeptabel sind. Schreien ist auch seine
Ausdrucksweise, um sich in einer Gruppe bemerkbar zu machen. Sein Verständnis der mündlichen
Sprache ist gering, einfache Anweisungen versteht er jedoch. Für sein Tagesprogramm verwendet er
einen aus Photos zusammengesetzten Zeitplan. Er zeigt wenig Neugier für seine Umwelt und teilt
wenig mit dem Erwachsenen. Trotzdem manifestierte er sofort Interesse an B.A.Bar. Daher haben
wir diese Gelegenheit ergriffen in der Hoffnung, dass er ein guter Vermittler sein würde, um an das
Kind heranzukommen und auch um seinen Wortschatz zu bereichern.
Ziele m it B .A.Bar
1. Einnahme eines angemessenen Platzes in der Gruppe.
Strategie: Für die gemeinsame Begrüssung haben wir das Datum, das Menü und das Liederheft
codiert. Somit kann er seinen Platz dank B.A.Bar einnehmen, der das Datum, das Menü liest
oder ein Lied auswählt.
Mehrwert: Er selbst kontrolliert B.A.Bar, der für ihn spricht, und nicht der Erwachsene.
2. Verbesserung des Verständnisses der Sprache und Bereicherung seines mündlichen
Wortschatzes durch Herstellung der Verbindung zwischen dem Bild oder dem Photo und dem
von B.A.Bar ausgesprochenen Wort.
Strategie: Codierung aller Photos seines Zeitplans, der Piktogramme der Nahrung, der
Bilderbücher.
Mehrwert: Selbständigkeit und Fokussierung auf das Bild.
3. Freizeitbeschäftigung.
Strategie: Codierung der Bilderbücher. Auf diese Weise kann man den Dingen, den Tieren usw.
einen Namen geben und dass Kind kann sich das Buch ansehen, wenn es alleine ist, und die
Bilder seiner Wahl unermüdlich wiederholen.
Mehrwert: Selbständigkeit und unbegrenzte Wiederholbarkeit, längere Konzentration, mögliche
spielerische Freude.
4. Erleichterung des Übergangs von einer Aktivität zur anderen. In der Tat ist dies immer ein
schwierig zu akzeptierender Moment für ihn: wenn man ihn ruft, schreit er, selbst wenn man
ihm eine Aktivität vorschlägt, die er mag.
Strategie: In dem Moment, in dem man ihn entsprechend seinem Zeitplan rufen will, ihm B.A.Bar
in die Hand drücken, damit er sein Programm scannt. Da er B.A.Bar gut akzeptiert hat, ist zu
hoffen, dass er besser mit diesem Moment fertig werden wird.
5. Verbesserung der Ausführung von Anweisungen und erst recht der Kommunikation.
Strategie: Wir machen Übungen mit unter Strichcodes aufgezeichneten Anweisungen.
Mehrwert: B.A.Bar ist ein guter Vermittler zwischen dem Kind und dem Erwachsenen, um eine
Übersteigerung der mit dem Autismus verbundenen Beziehungsprobleme zu vermeiden.
6. Auslösen eines Lallens.
Strategie: Ihn durch das Anhören aufgezeichneter Codes zur Nachahmung gewisser Laute
anspornen.
Mehrwert: Interessante Möglichkeit des sofortigen Feedbacks, wenn er seine Produktionen
anhören will.
Ergebnisse
- G. nimmt seinen B.A.Bar häufig spontan, um Bücher anzusehen, das Menü "nachzulesen" oder die
Lieder seines Ordners anzuhören. Er kann inzwischen sehr selbständig mit dem Gerät umgehen, es
ist interessant, um seine Freizeit auszufüllen, während der er im Allgemeinen stereotypen Aktivitäten
nachgeht.
- B.A.Bar hat keine positiven Resultate in Bezug auf ein Lallen gebracht. Wir haben keine
Verbesserung des Verständnisses des Vokabulars oder der Anweisungen festgestellt.
Diese unbefriedigenden Ergebnisse können Garys Unfähigkeit zugeschrieben werden, beide Kanäle
auf einmal zu benutzen. Bei den ihm angebotenen Übungen werden in der Tat die visuellen und die
auditiven Kanäle beansprucht und er scheint unserem Verlangen ratlos gegenüber zu stehen.
Überdies fehlt es G. bei den Lernaufgaben für gewöhnlich an Motivation, was die Arbeit mit B.A.Bar
keineswegs vereinfacht.
Dennoch darf man nicht den unersetzlichen spielerischen Wert von B.A.Bar vergessen, der es ihm
erlaubt, sich über längere Zeit auf Bücher zu konzentrieren, was ihm viel Freude macht.
2. K EV I N
Autistischer Junge von 9 _ Jahren. Keine geistige Minderentwicklung. Er spricht, er hat Lesen und
Schreiben gelernt und folgt derzeit einem Lehrplan der 2. Primarklasse, wobei der Unterricht
spezifisch seinen autistischen Schwierigkeiten angepasst und darauf ausgerichtet ist.
K.s Autismus stört das Lernen und verursacht ihm Kommunikationsprobleme. Seine Sprache
entspricht nicht dem Niveau eines Kindes seines Alters. Sein Wortschatz ist sehr beschränkt, seine
Sätze sind schlecht gebaut, unvollständig und häufig ohne Subjekt. Präpositionen und Artikel
verwendet er nicht oder selten, die Verben sind nicht immer konjugiert. Diese Ausdrucksarmut
behindert ihn bei der Kommunikation, vor allem wenn er von persönlichen Dingen sprechen
möchte. Die Lücken im Wortschatz machen das Verständnis von Texten schwierig. Auch die sich an
ihn wendende Kommunikation ist für K. schwierig. Er versteht die mündliche Sprache schlecht. Oft
ist es notwendig, ihm visuelle Hilfen zu geben, um ein gutes Verständnis sicherzustellen.
Ziele
1. Verbesserung des Satzbaus.
Strategie: Auf einem Blatt wird ein Satz aus Piktogrammen gebaut, über jedes Bild wird ein von
der Lehrerin aufgezeichnetes Strichcode-Beispiel geklebt. K. kann alleine arbeiten, sich durch
Anhören des Beispiels korrigieren.
Mehrwert: Verminderung des Gefühls des Misserfolgs mit der Möglichkeit, alleine, ohne die
Gegenwart des Erwachsenen zu wiederholen und so Selbstvertrauen zu gewinnen.
Verbesserung der Aussprache dank des unmittelbaren Feedbacks. Selbständigkeit. Die
Selbständigkeit ist wichtig, da die Lehrerin sich unterdessen um die anderen Kinder kümmern
kann.
2. Bereicherung seines Wortschatzes, um Fortschritte beim Lesen, aber auch im Alltäglichen zu
machen.
Strategie: Bildertafeln. Unter jedes Bild schreibt man das Wort und klebt einen aufgezeichneten
Strichcode. 12 Wörter pro Woche. Das Kind kann sich, so oft es will, damit befassen.
Überprüfung des Gelernten und Diktat am Ende der Woche.
Mehrwert: Selbständigkeit. Dank der vom Gerät verlangten Koordination von Auge und Hand
kann er konzentriert bleiben und sein Augenmerk auf die Orthographie richten.
3. Verbesserung der Aussprache der Wörter.
Mehrwert: Die Möglichkeit des sofortigen Feedbacks fördert die Wiederholung des Wortes,
um die Artikulation zu verbessern. B.A.Bar funktioniert da wie ein Sprachlabor.
4. Lernen, die Intonationen der Stimme zu erkennen, die ein Gefühl oder eine Empfindung
ausdrückt.
Strategie: Der auf ein Photo oder ein Bild geklebte Strichkode erlaubt es, die Szene mit dem
gewünschten Gefühl sprechen zu lassen.
5. Stärkung des Gedächtnisses, um die Orthographie und das mündliche Rechnen zu
verbessern.
Strategie: codierte mündliche Rechenübungen.
Ergebnisse
- Mit Hilfe von Beobachtungsrastern stellen wir fest, dass K. seinen Wortschatz erweitert hat und
jetzt die Neugier entwickelt zu fragen, wie dieses oder jenes heisst und erwartet, dass darauf ein
Strichcode erblüht, um ihn sich zu eigen zu machen.
- Er ist fähig, einen korrekten Satz zu bauen, wenn er ein Bild beschreibt. Er kann noch nicht
verallgemeinern und einen richtigen Satz ohne visuelle Stütze aussprechen.
- Wir konnten bemerken, dass K. sich jetzt selbstsicherer ausdrückt. Er wagt es, zu sprechen und
hat weniger Angst, sich zu irren.
- K. hat mehr Interesse für die Sprache im Allgemeinen und liebt es, mit dem Klang der Wörter zu
spielen.
- Dank der täglichen Benutzung von B.A.Bar bewältigt K. das "normale" Erlernen der Orthographie
entsprechend der offiziellen Liste der Wörter, die man am Ende der 2. Primarklasse kennen sollte.
- B.A.Bar ist nützlich, da er das Verständnis der Anweisungen in den Übungsheften erleichtert.
3. A NTOINE
Ein autistischer Junge von 11 _ Jahren, der einen geistigen Entwicklungsrückstand aufweist. Er
spricht nicht, versteht aber zahlreiche Wörter. Zur Unterstützung der Kommunikation mit ihm
benützen wir Piktogramme und Photos. Er teilt uns seine Bedürfnisse dadurch mit, dass er uns bei
der Hand nimmt. Wir haben beschlossen, B.A.Bar zur Entwicklung eines Lallens zu verwenden,
dessen erste Ansätze wir bei ihm feststellten, und um sein Verständnis des Vokabulars zu erweitern.
Ziele
1. Erhöhung einer beginnenden Lust an der Sprache, Weiterentwicklung eines Lallens, damit er
zu sprechen beginnt.
Strategie: In der Einzelbetreuung macht er Übungen in Form der Wiederholung von
Buchstaben oder Wörtern. Ich helfe ihm dabei, sich selbst aufzuzeichnen, und er zeigt ein
lebhaftes Interesse, seine Produktionen wieder anzuhören.
Mehrwert: Durch Vermittlung des Gerätes, das diese Arbeit erlaubt, kann er sehen, wie wir
aufzeichnen, was ihn interessiert, und anschliessend kann er sich unendlich oft wieder
anhören. Er kann die Laute, die er ausspricht, hören. Die Möglichkeit des sofortigen
Feedbacks ist ein wertvoller Vorteil.
2. Bereicherung seines Wortschatzes: siehe Gary
3. Spielerische Freude und Selbständigkeit: siehe Gary
4. Einen Platz in der Gruppe einnehmen: siehe Gary.
Ergebnisse
- Mit Hilfe von Beurteilungsrastern können wir eine Zunahme seines Vokabulars feststellen.
- Er spricht noch nicht, sagt jedoch immer mehr Laute, Buchstaben oder Vokabeln, die etwas
bedeuten wie LAI für "lait" (Milch), LO für "l'eau" (Wasser), RRR für "cochon" (Schwein), SINER für
"dessiner" (zeichnen). Er ist sehr bemüht, die vom Erwachsenen und erst recht die von B.A.Bar
gesprochenen Wörter nachzuahmen.
- Am auffallendsten sind die wachsende Neugier, die sich bei ihm entwickelt, und die Lust, seine
Entdeckungen mit dem Erwachsenen zu teilen. Seit einigen Monaten wird er nicht müde, auf
Gegenstände oder Bilder zu zeigen und uns B.A.Bar hinzuhalten, damit man das entsprechende
Wort aufzeichnet. Dann hat er sehr grosses Interesse, diese Wörter anzuhören.
- Diese zunehmende Kommunikation hat sich auf andere Momente ausgedehnt. Zum Beispiel:
Frustration verursachte bei ihm grosse Wutausbrüche, bei denen er sich sofort biss, während er
jetzt fähig ist, uns zu zeigen, was nicht geht, anstatt mit Bissen zu reagieren.
Anmerkungen
- A. hat sofort lebhaftes Interesse an dem Gerät gezeigt und – absolut bemerkenswert – ist es ihm
trotz seiner Schwierigkeiten mit der Feinmotorik schnell gelungen, das Gerät selbständig zu benutzen.
Er hat sogar durch blosses Beobachten die Echofunktion verstanden und liest spontan einen Code,
wenn er ein Wort noch einmal hören möchte.
- Zu Beginn der Einzelsitzungen habe ich ihm bestimmte Bilder angeboten und er musste versuchen,
die entsprechenden Wörter zu wiederholen, aber er hat sehr schnell begonnen, sich im Raum
umzusehen und von mir die Benennung und Aufzeichnung neuer Gegenstände zu verlangen! Dabei
kommt mir zugute, das die Strichcodes sich so leicht aufkleben lassen. Hingegen musste ich einen
Nachteil von B.A.Bar feststellen: sein Gedächtnis ist zu klein!!
Vorteile
1. Selbständigkeit
2. sofortiges Feedback
3. Vermittler, der die Erregung in der Beziehung vermindert (autistische Problematik)
4. unbegrenzte Wiederholbarkeit
5. Möglichkeit, sich wieder anzuhören und sich zu korrigieren
6. Spontaneität wird möglich: man kann ihn immer bereit halten und im Bedarfsfall sofort reagieren
7. einfache Handhabung, einfache Benutzung
Grenzen
1. zu geringer Speicher
2. Ablehnung des Kindes, B.A.Bar als ein Arbeitswerkzeug zu betrachten





 

 

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