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Fördert B.A.Bar die Interaktionen zwischen

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2. B.A.BAR SEMINAR – 11/12.06.2001

Fördert B.A.Bar die Interaktionen zwischen
Kindern mit einer geistigen Behinderung?

Heilpädagogisches Zentrum La Castalie – 1870 Monthey
Was ist eine Interaktion?
Eine normale verbale Interaktion zwischen zwei Erwachsenen zeichnet sich durch drei Aspekte aus:
• Die Form, welche die Aspekte der Aussprache (Sprache) und der Syntax zusammenfasst. Im
Rahmen einer Interaktion zwischen "normalen" Erwachsenen ist die verwendete Form die
mündliche oder schriftliche verbale Sprache;
• die Semantik, die dem Signifikat entspricht, das heisst dem durch den Code beschriebenen Inhalt
und die Gegenstand eines allgemeinen Konsenses zwischen Erwachsenen mit leichten
Abwandlungen ist;
• die Pragmatik, welche die verschiedenen Funktion der Kommunikationsverhalten
zusammenfasst, zum Beispiel: die Wahl, das Ansprechen, der Ausdruck von Bedürfnissen, die
Befragung ...
Überdies ist diese Interaktion mit zwei Begriffen verbunden, welche die Erwachsenen erworben
haben. Dies sind:
• Das Abwarten können, bis man an der Reihe ist: dann erst das Wort in der Kommunikation
ergreifen. Die Rollen der beiden Partner sind also komplementär (der eine spricht, der andere
hört zu) und reziprok (sie tauschen ihre Rollen, so dass jeder von ihnen sich äussern kann).
• Die interpersonelle Kontingenz: dies ist die Fähigkeit, sich selbst und den anderen zu
berücksichtigen, um das eigene Verhalten von dem des anderen abhängig zu machen. Zum
Beispiel: den Gesprächspartner direkt ansprechen, wenn er zerstreut ist.
Eine Interaktion zwischen "normalen" Kindern unterscheidet sich von der Interaktion zwischen
Erwachsenen durch:
• eine Form, eine Semantik und eine Pragmatik, die in der Entwicklung begriffen sind,
• das Abwarten können, bis man an der Reihe ist: Kinder von 2 bis 3 Jahren, die diesen Begriff
noch nicht verinnerlicht haben, legen gleichzeitige Verhaltensweisen an den Tag: Zum Beispiel
sprechen sie zur gleichen Zeit, ohne abzuwarten, dass sie an der Reihe sind,
• die interpersonelle Kontingenz: Kinder neigen dazu, einander nachzuahmen (d. h. sie haben
simultane und nicht komplementäre Verhaltensweisen), anstatt sich einander anzupassen.
In einer erfolgreichen Interaktion beobachtet man:
• das Vorhandensein eines Kommunikationskanals, der die Partner verbindet: die Nähe in einer
direkten Interaktion, das Telefon, eine Web-CAM, eine E-Mail-Adresse, ...
• die Aufmerksamkeit, welche die Gesprächspartner einander und einem gemeinsamen Interesse
im Mittelpunkt der Interaktion entgegenbringen: ein Gegenstand, eine Aktion, eine Person, ...
• einen für beide Gesprächspartner verständlichen und in Bezug auf seinen Inhalt eindeutigen
Code;
• eine Übereinstimmung hinsichtlich der Funktion der Verhaltensweisen: wenn ein Partner um
Informationen ersucht und sein Gesprächspartner ihm eine andere Funktion zuteilt oder es ganz
einfach ablehnt, darauf zu antworten, wird die Interaktion nicht erfolgreich sein;
• das Abwarten, bis man an der Reihe ist, damit die Partner ebenfalls respektieren, wann sie an
der Reihe sind zu sprechen.
• Die interpersonelle Kontingenz, so dass die Partner beim anderen Unverständnis,
Unaufmerksamkeit, Überdruss, ... erkennen und ihre Verhaltensweisen entsprechend anpassen
können.
Aber betrachten wir jetzt die mit B.A.Bar erlebten Situationen
Ein Marionettenspiel sollte aufgeführt werden. Es stellte sich ein Problem: wo die Codes hinkleben?
Und bei der ersten Probe hielt das Kind B.A.Bar auf die Marionette, um sie zum Sprechen zu
bringen! Die Lehrerin versuchte, die Codes auf den Rahmen des Theaters zu kleben, aber das Kind
drückte zu stark auf die Codes, so dass der Rahmen umfiel. Dann versuchte sie, "Marotten" zu
verwenden (Figuren aus Karton auf einem Holzstiel), aber das Kind hielt sie sich vors Gesicht und
sprach mit ihnen. Es war folglich nicht fähig, sich zu dezentrieren, um sich die Szene vorzustellen,
die der Zuschauer wahrnimmt. Diese Problematik hängt mit der interpersonellen Kontingenz
zusammen. Eine in Erwägung zu ziehende Möglichkeit wäre es, das Kind zu filmen, während es die
Marionetten handhabt, und ihm das Video zu zeigen, um ihm zu helfen, sich an die Stelle des
Zuschauers zu versetzen und es vielleicht dazu zu veranlassen, sein Verhalten zu ändern.
Für ein Kind, das es nicht wagte, mit seinen Kameraden im Rahmen des Unterrichts eine Interaktion
aufzubauen, wurde eine Tafel zur "Kontaktaufnahme" aufgestellt. Die Tafel ist in drei Gruppen
unterteilt: Auf der ersten Zeile stehen die Vornamen der Mitschüler der Klasse, die erste Spalte
enthält verschiedene Bitten (zum Beispiel: "kommst du bitte mit mir spielen?"), und auf dem Rest der
Tafel wird eine breite Palette von Aktivitäten angeboten (z. B. "am Computer", "mit den Würfeln", ...),
dies um die Bitte zu strukturieren. Somit kann das Kind seinen Kameraden entweder spontan oder
auf Aufforderung des Erwachsenen eine Aktivität oder ein Spiel vorschlagen. Da B.A.Bar derzeit
kaputt ist, bedient sich das Kind einiger verbaler Produktionen, und wenn sein Kamerad sein
Unverständnis manifestiert, geht es zur Tafel und zeigt mit dem Finger auf das, was es will. Und
wenn der Kamerad nicht mit zur Tafel kommt, nimmt das Kind die Tafel und bringt sie ihm.
Die Situationen der Wiederholung von Vokabular oder der Benennung von Farben schafft zwischen
zwei Kindern eine Interaktion vom Typ Frage – Antwort. Der Zweck der Interaktion ist es, das Wort,
nach dem der Partner fragt, oder die Farbe des bezeichneten Gegenstands zu finden. In beiden
Situationen hat jeder Partner ein Blatt vor sich, das entweder die Wörter des zu behandelnden
Vokabulars oder Bilder von verschiedenen Farben oder eine Liste der verschiedenen behandelten
Farben enthält. Das erste Kind formuliert die Frage entweder dadurch, dass es B.A.Bar ein Wort
sagen lässt, oder es sagt "welche Farbe hat das Auto?" (in dieser Situation spricht das Kind, das die
Fragen stellt). Der Partner sucht dann auf seinem Blatt die Antwort und gibt sie mit Hilfe von B.A.Bar.
Wir haben zwei mit der interpersonellen Kontingenz verbundene, isolierte Phänomene beobachtet:
• In einer Sitzung "Wiederholung von Vokabular" "blockieren" die beiden Kinder ihren B.A.Bar auf
verschiedenen Wörtern, das eine, um zu zeigen, dass es auch eine Frage stellen möchte, das
andere, damit das erste seine Frage noch einmal anhört und darauf antwortet.
• In der Situation "Benennung von Farben" schliesst das Kind, das die Fragen stellt, häufig die
Antwort gleich mit ein und sagt zum Beispiel "welche Farbe hat das rote Auto?". Die Hypothese
ist, dass die Farbe "Rot" so prägnant ist, dass das Kind sie in die Frage einschliesst, ohne sich
jedoch bewusst zu sein, dass es so die Antwort selbst gibt.
Bei den Spielen "Memory" und "Bildersuche" fragt ein Kind mit Hilfe von B.A.Bar, wo sich ein
bestimmtes Bild befindet, und mehrere Partner suchen dieses Bild. Beim "Memory" sucht jeder
Partner der Reihe nach das gewünschte Bild in den verschiedenen Fächern einer Schachtel. In
diesem Zusammenhang stellen wir fest, dass nicht alle Kinder die Bedeutung des "an der Reihe Seins"
erlernt haben, manchmal ist die Gegenwart eines Erwachsenen notwendig, um den Kindern zu
helfen, die Reihenfolge einzuhalten. Bei der "Bildersuche" erhalten die Partner ein Blatt, das eine
gewisse Anzahl Bilder enthält. Bei jeder Frage (des Typs "wo sind Winnie und die Schmetterlinge")
sucht jeder Spielpartner das Bild auf seinem eigenen Blatt.
Das "Lottospiel" schliesslich bietet ein strukturiertes Spiel zwischen zwei Kindern, das von zwei
Erwachsenen überwacht wird. Das Spiel besteht aus einem Spielbrett mit sechs Bildern und sechs
entsprechenden Karten. Eines der Kinder nimmt die Karten, das andere das Spielbrett und B.A.Bar,
der ihm dazu dient, den Partner um die Karten zu bitten. Die beiden Kinder sitzen einander an einem
kleinen Tisch gegenüber, eine Trennung in der Mitte des Tisches hindert sie daran, das Spiel des
anderen zu sehen. Obwohl es unser Ziel war, dass die Kinder autonom sind und sich an die Regeln
halten, schien uns die Gegenwart von zwei Erwachsenen als Hilfe zum Nachdenken zunächst
unerlässlich. Wir dachten, dass wir in der Folge diese Präsenz allmählich in Funktion der Entwicklung
der Interaktionskompetenzen der beiden Kinder reduzieren könnten.
Aspekte, die mit der Gegenwart des Erwachsenen bei den Interaktionen zwischen Kindern
verbunden sind
Unsere Erfahrung hat die Hypothese, die den Erwachsenen als eine Hilfe zum Nachdenken sah,
nicht bestätigt. Eine in der Literatur veröffentlichte Erfahrung (Camaioni, 1980) macht uns auf die
Auswirkungen der Gegenwart eines Erwachsenen bei den Interaktionen zwischen "normalen"
Kindern im Alter von 2 bis 3 Jahren aufmerksam:
• Die Kinder zeigen eher identische oder gar gleichzeitige Verhaltensweisen, während sie in
Abwesenheit des Erwachsenen fähig sind, komplementäre oder reziproke Rollen zu spielen.
• Sie interagieren weniger untereinander und sind stärker auf den Erwachsenen ausgerichtet.
• Es ist eher der Erwachsene, der die Interaktion konstruiert, anstatt es dem Kind zu gestatten,
dies selbst zu tun.
• Es kommt vor, dass eines der Kinder die erhaltene Karte nicht auf das Spielbrett legt; manchmal
behält es sie in der Hand, manchmal gibt es sie seinem Partner oder einem Erwachsenen zurück.
• Die Kinder sagen nicht klar, dass das Spiel beendet ist.
• Manchmal verlässt eines der Kinder das Spiel entweder am Ende einer Partie oder wenn es nicht
recht weiter geht.
Von der Feststellung ausgehend, dass die Kinder gewisse Schritte einer Spielsequenz auslassen,
wenn sie an der Reihe sind, und dass der Erwachsene oft interveniert, um sie an die verschiedenen
Schritte dieser Sequenz zu erinnern, haben wir versucht, B.A.Bar für diese Aufgabe heranzuziehen.
Dieser Versuch misslang jedoch, da er ein zweites Einsatzniveau für B.A.Bar schuf, was die Kinder
durcheinander brachte.
Da die Gegenwart des Erwachsenen als Hilfe zum Nachdenken und zum Erlernen der Bedeutungen
des Abwartens, bis man an der Reihe ist, sowie der interpersonellen Kontingenz nicht überzeugend
war, haben wir andere Hypothesen ins Auge gefasst:
• Die Interaktion muss Teil eines Projektes des Kindes und nicht des Erwachsenen sein.
Insbesondere muss das Kind den Partner ansprechen. Überdies muss der Erwachsene die
Distanz wahren.
• Das Irrtumsrisiko muss gegeben sein, denn die Tatsache, dass man sich irren kann, spielt eine
pädagogische Rolle: Die Einführung von Bildern, die nicht auf dem Blatt desjenigen erscheinen,
der die Karten verlangt, erlaubt es dem Geber, sich zu irren, das heisst sie wird seine Lust
steigern, beim Spiel aufzupassen.
Bei einer Partie haben wir die folgenden Punkte hinsichtlich des Spiels eines der Kinder beobachtet:
• Da der Erwachsene den Beginn der Interaktion eingeleitet hatte, war das Kind fähig, alle Karten
zu verlangen.
• Das Kind hat seinem Partner spontan die Karten zurückgegeben, die nicht auf seinem Blatt
erschienen.
• Das Spielprojekt schien "seine Sache" zu sein.
• Das Kind hat jedoch nicht "gesagt", dass das Spiel zu Ende sei, sondern stand auf und holte ein
anderes Spiel
Allerdings haben wir diese Feststellung nur in einer Richtung gemacht: Als die Kinder ihre Rollen
tauschten (der Frager wurde Geber und umgekehrt), ist die Interaktion zu problematisch geworden,
denn das Kind, das die Karten verlangte, spielte für sich selbst. Wir können folglich die Hypothese
aufstellen, dass das Spielprojekt, so wie wir es festgelegt hatten, nicht Sache dieses Kindes war.
Schlussfolgerungen unserer Erfahrungen mit B.A.Bar
Ohne B.A.Bar machen wir in den verschiedenen erprobten Situationen folgende Feststellungen:
• Keine allen gemeinsame Form: Einer der Partner verwendet vor allem Gesten und Piktogramme,
ein anderer sehr verformte mündliche Produktionen zusätzlich zu Gebärden und verschiedenen
Piktogrammen, ein anderer benutzt sich derzeit entwickelnde mündliche Produktionen, ...
• Semantik: Folglich keine Konsensgarantie zwischen dem Piktogramm des einen und den sich
entwickelnden mündlichen Produktionen des anderen.
• Pragmatik: Begrenzter Zugang zu den Funktionen, zum Beispiel ist es sehr schwierig, eine präzise
Information ohne mündliche Produktion zum Ausdruck zu bringen.
• Abwarten, dass man an der Reihe ist, und interpersonelle Kontingenz: Man beobachtet, dass
jeder dazu tendiert, alleine für sich zu spielen.
Die Einführung von B.A.Bar verändert die Vorgaben ganz erheblich:
• Form: Die Stimme von B.A.Bar bildet eine Art Schnittstelle zwischen den
Kommunikationssystemen eines jeden (Piktogramme, verformte orale Produktionen, ...); ferner
wird sie von den meisten verstanden, denn sie ähnelt dem Modell, das zumeist vom
Erwachsenen zur Kommunikation verwendet wird.
• Semantik: die Stimme von B.A.Bar verweist auf die Wörter, d. h. auf die Begriffe, und dies
verbessert den Konsens. Zum Beispiel: wenn ein Kind eine Gebärde macht, um "Hut" zu sagen,
hat sein Partner es schwerer zu verstehen, als wenn er hört, wie B.A.Bar deutlich "Hut" sagt.
• Pragmatik: Dank der vorherigen Aufzeichnung der Mitteilungen gestattet B.A.Bar das Arbeiten
mit allen Funktionen, zum Beispiel: eine präzise Information ausdrücken.
• Abwarten, dass man an der Reihe ist, und interpersonelle Kontingenz: In Bezug auf diese beiden
Punkte erweist B.A.Bar sich weder als wirkungsvoll noch als hilfreich.
Literaturhinweis: Camaioni, L. (1980), L'interazione tra bambini. Unter Mitarbeit von G. Attili, W.
Gerbino u. L. Stefani. Rom: Editore Armando Armando.
Für die Arbeitsgruppe: Jan Schönbächler
21. Mai 2001





 

 

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