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"Das sieht man doch!"

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"Das sieht man doch!"

"Was Héctor mir bringt? Das sieht und hört man doch", tönt Adrian Schultheiss' künstliche Stimme
aus dem Mini-Lautsprecher des sprechenden Computers. "Héctor II" ist ein tragbarer Mini-
Computer, der die eingetippten Worte auf einem kleinen Bildschirm, einem Mini-Drucker und dank
einer synthetischen Stimme auch als gesprochenes Wort ausgeben kann. "Ich bin selbständiger,
kann selbst einkaufen, telefonieren, Briefe schreiben oder bei einer Tasse Kaffee einfach mit
jemandem reden", bringt Adrian die wesentlichen Vorteile von "Héctor II" auf den Punkt. Seine
Stimmbänder erlauben ihm, nur wenige Laute auszusprechen. Wer ihn gut kennt, versteht den
25jährigen im Verbund mit seiner Zeichensprache einigermassen. Doch für Fremde wäre ein
Gespräch mit Adrian Schultheiss, der seit Januar in einem Behinderten-Wohnheim in Oberrieden am
Zürichsee wohnt und arbeitet, völlig unmöglich. Mit "Héctor" sind diese Probleme überwunden.
Natürlich kann Adrian nicht frei heraussprudeln. Der cerebral behinderte Körper fesselt ihn an den
Rollstuhl. Er kann seine Glieder zwar bewegen, doch kaum koordinieren. Gehen ist nicht möglich.
Mit Armen und Händen lässt es sich hantieren. Was auf den ersten Blick wie zielloses Herumrudern
aussehen mag, ist in Tat und Wahrheit Präzisionsarbeit. Im Zweifingersystem bedient Schultheiss die
Tastatur von Héctor, die vom Aufbau her einem gewöhnlichen Keyboard entspricht, wie sie bei
tragbaren Computern üblich sind. Eine Lochmaske erleichtert ihm das Auffinden der Buchstaben.
Schultheiss erreicht damit ein Tempo, das die Wartezeiten, die den Gesprächsfluss hemmen, auf
wenige Sekunden verkürzt. Zusätzliche Erleichterung verschaffen Tastencodes: Wenn Schultheiss
ein "i" und ein "h" tippt, macht "Héctor II" automatisch "Ich habe" daraus. Schultheiss ist ein alter
Hase auf seinem Sprachcomputer. Er gehörte vor 10 Jahren zum Team der vier Testpersonen, die
die Prototypen auf Herz und Nieren prüften und Verbesserungsvorschläge einbrachten. So ist
"Héctor II" auch sein Kind, mit dessen Funktionen er bis heute sehr zufrieden ist. Doch hat Héctor -
"wie jede Maschine" - seine Macken. "Die Stecker brechen leicht ab", moniert Schultheiss. Am
überaus positiven Urteil über den sprechenden Computer ändert dies nichts. Früher, in der Vor-
Héctor-Zeit, musste sich Schultheiss mit dem "Communicator" behelfen. Das Gerät in
Taschenrechnergrösse gab die eingetippten Worte auf einem kleinen Lochstreifen aus. Schultheiss,
der in Luzern die Büro-Fachschule für Behinderte besucht hat, ist heute mit Computern auf Du. Im
Wohnheim Bärenmoos managt er auf dem PC vom Briefverkehr bis zur Adressverwaltung alles, was
die Elektronik heute möglich macht. Als Behinderter profitiert er dabei gleich doppelt: Héctor II
erlaubt ihm die Kommunikation, und der ganz normale PC ermöglicht es, einer Arbeit nachzugehen,
die mit seiner Behinderung noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Das bringt Adrian
Schulheiss eine Lebensqualität, die ihn heute sagen lässt: "Ich bin mit meinem Leben rundum
zufrieden".
Adrian Schulheiss
09.1994





 

 

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