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Das Wunder namens "James"

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Das Wunder namens "James"

"Kommen Sie herein". Der Ruf ertönt durch die Haustür, die sich ferngesteuert mit einem Klick
geöffnet hat. Willi Schoch, 53, sitzt im Lehnstuhl in der Stube seines Hauses in Dornach. Sein Körper
ist steif geworden durch die Multiple Sklerose, an der er seit 24 Jahren leidet. Schoch kann, gestützt
von seiner Frau, gerade noch aufrecht stehen. Arm- und Beinmuskulatur reagieren schon seit sieben
Jahren nicht mehr. Das macht Schoch hilflos. Er kann keinerlei körperliche Tätigkeiten mehr
ausführen und ist vollständig auf die Hilfe seiner Frau angewiesen, die ihn pflegt. Immerhin macht es
die weitgehend intakte Rückenmuskulatur möglich, dass er aufrecht sitzen kann. So verbringt Schoch
den Grossteil seines Tages im Polstersessel. Seine Frau Heidi arbeitet an vier Tagen in der Woche.
Denn die kleine IV-Rente von Willi Schoch könnte das Familienbudget nicht tragen. Das bringt es mit
sich, dass Schoch fast jeden Tag mehrere Stunden alleine zubringen muss. Das ist ein hartes Los:
Auf sich allein gestellt zu sein in der vollständigen Hilflosigkeit eines fast völlig Gelähmten. Früher, als
Schoch noch einen schwachen Händedruck zustandebrachte, konnte er damit den am Armgelenk
befestigten Notrufknopf drücken, der via Telefon und Freisprechanlage die Verbindung zum
Notfallarzt ermöglichte. Doch als die Hände ihren Dienst vollständig einstellten, blieb als einzige
Alternative die Hilfe des elektronischen Helfers "James", der von der Stiftung FST entwickelt worden
ist. Seit November 1991 ist er stets zu Diensten. Das funktioniert so: "James" ist ein elektronisches
Instrument, mit dem verschiedene Geräte ferngesteuert bedient werden können. Er ist für die
Steuerung ohne Hände konstruiert worden. Eine Leuchtdiode wandert auf einer kleinen Schalttafel
auf und ab. Je nachdem, wo sie gestoppt wird, kann eine bestimmte Funktion ausgelöst werden. Willi
Schoch erteilt James die Befehle mit dem Mund. Nicht mit Worten, sondern indem er mit einem
leichten Saugen an der pfeifenähnlichen Vorrichtung auf pneumatischem Weg den nötigen
elektrischen Impuls auslöst. Was kompliziert tönt, beherrscht Schoch virtuos: Mit der
Mundsteuerung bedient er Haustüre, Garage, Licht, das Telefon, Radio und Fernsehen, eine
Wärmeplatte für die Füsse und die Sonnenstoren auf dem Balkon. Das Gerät erlaubt auch
Feinsteuerung wie laut-leise beim Radio oder die Wahl von 20 gespeicherten Stationen. "Für mich ist
James ein Wunder. Er macht meinen Zustand erträglich", sagt Schoch. Er übertreibt damit nicht.
Denn James ermöglicht ihm einen Grad an Unabhängigkeit, der sonst nur mit erheblichem
Betreuungsaufwand möglich wäre. Das erspart ihm letztlich den Gang ins Heim. Und "Butler James"
erlaubt es, dass Schoch problemlos Besuche empfangen ("Die Kaffeemaschine können die Gäste
selbst bedienen"), telefonieren oder auch einfach die Parlamentsdebatte im Radio hören kann. Doch
Schoch bleibt bei aller Euphorie über den elektronischen Boy James Realist: "Wenn meine Frau mein
Schicksal nicht mittragen würde, wäre das alles gar nicht möglich".
Willi Schoch
09.1994





 

 

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