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Die Anwendungsmöglichkeiten der Umweltkontrolle Generelle Bestan

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Die Anwendungsmöglichkeiten der
Umweltkontrolle
Generelle Bestandsaufnahme

Jean-Claude Gabus – FST / im September 1995
Aus dem Französischen übersetzt von Kathrin Roth
Einleitung
Seit ungefähr fünf Jahren ist die Anwendung sogenannter Umweltkontrollgeräte (technische Hilfen),
gang und gäbe geworden. Diese Art Hilfsmittel geben einem Schwerstbehinderten die Möglichkeit,
selbständig und seinen Wünschen entsprechend gewisse Handlungen ausüben zu können und
verhelfen ihm und seinen Bezugspersonen zu mehr Autonomie. Umweltkontrollgeräte sind
Bestandteil der in der Wiederingliederung angebotenen Hilfsmassnahmen.
Mit der Entwicklung des Umweltkontrollsystems JAMES, das im Jahr 1987 auf den Markt kam,
wurden Umweltkontrollgeräte auf einen Schlag etwa zehnmal günstiger als die bis anhin angebotenen
Geräte, angenehm im Format, da tragbar, und ausgesprochen einfach zum Installieren.
Seither nimmt die Anzahl ähnlicher, auf dem Markt erhälticher Geräte ständig zu (GEWA, PRC, TASH,
POSSUM).
In dem Moment, wo ungefähr 4000 Personen JAMES benützen - einige seit acht Jahren - finden wir
es an der Zeit, eine generelle Bestandsaufnahme über dieses Thema zu erstellen. Es handelt sich um
eine globale Beobachtung der vorliegenden Resultate um damit die grösstmögliche Zahl der in diesem
Bereich erhaltenen Parameter zu verbreiten. Dies zum Beispiel hinsichtlich der Bedürfnisanalyse, der
Definierung der technischen und menschlichen Mittel, die es für diesen Zweck braucht, der
Ausbildung und Installierung, der finanziellen Mittel, des Unterhalts des Materials sowie der
Auswertung der Resultate.
Auch scheint es uns wichtig, die weiteren Schritte zu beschreiben, die wir augrund unserer
Erfahrung als noch zu vollbringen erachten. Dies nicht nur hinsichtlich der Produkte sondern auch
in Anbetracht ihrer Anwendungsbedingungen.
Der Autor möchte keineswegs mit dieser Arbeit den Eindruck erwecken, dass er im Besitz der
absoluten Wahrheit ist, sondern lediglich seine persönliche Einstellung und Ueberzeugung darlegen.
Wir alle wissen, dass moderne Technolgoien keine Wunder vollbringen. Beschreiben wir also ihre
Möglichkeiten und Grenzen, definieren wir ganz klar, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein
müssen, damit ein technisches Hilfsmittel auch das "GEBEN" kann was es vom technischen
Standpunkt her eigentlich geben könnte und helfen wir so mit, besser aufzuzeigen, welche
Indikationen und zwangsläufig auch Gegenindikationen es hierfür braucht.
Wir wollen keinesfalls falsche Hoffnungen machen, sondern im Gegenteil versuchen, so objektiv wie
möglich zu beschreiben, was man heute von dieser Technologie erwarten darf und kann. Auch
muss man sich ständig vor Augen haben, dass nicht die Ausgekügeltheit der Technologie
massgebend ist, sondern die Fähigkeit des Menschen, diese zu bedienen.
Wir danken den JAMES-Benutzern für das uns entgegengebrachte Vertrauen. Wir danken ihnen aber
auch dafür, dass sie uns ihre Erfahrungen mit dem Umweltkontrollsystem JAMES mitgeteilt haben
und so massgebend zur Realisierung dieser Arbeit beigetragen haben.
1. Bedürfnisanalyse
Nichtbehindert sein heisst in erster Linie selbständig eine Wahl treffen zu können. Die Wahl, dann zu
sprechen, wenn man Lust hat; die Wahl, etwas zu tun oder aber zu unterlassen; die Wahl, dorthin
zu gehen wo man will. Zweifelsohne würde es keinen Sinn ergeben, diese Liste noch weiter
ausführen zu wollen. Doch sollte man nicht vergessen, dass es gerade "die Möglichkeit der freien
Wahl" ist, die das Leben lebenswert macht, die die Persönlichkeitsentwicklung prägt und die einem
Menschen die volle Entfaltungsmöglichkeit bietet. Etwas wählen zu dürfen erscheint uns als legitimer
und grundlegender Anspruch einer jeden Person.
Behindert sein bedeutet de facto eine Einschränkung dieses Rechts. Je nach Behinderungsart- und
grad kann man in gewissen Bereichen nicht mehr selber eine Wahl treffen. Eine an Beinen und
Händen gelähmte Person kann unmöglich ohne Hilfe einer anderen Person selbständig telefonieren.
Beim genaueren Hinschauen entdeckt man unzählige solcher Kleinigkeiten, die für einen Tetraplegiker
zum Beispiel, nicht mehr möglich sind.
Die Einschränkung der WAHL hat mehrere Konsequenzen. Im allgemeinen entsteht ein
Abhängigkeitsverhältnis zwischen der behinderten Person und seinen Bezugspersonen. Längerfristig
gesehen kann diese Situation nur schwer erduldet werden, gleichermassen vom "Hilfeempfänger"
wie vom "Helfenden".
Aus diesem Grund scheint es uns wichtig, bei der Bedürfnisanalyse nicht nur den schlussendlichen
Hilfsmittelbenützer miteinzubehiehen, sondern auch dessen Bezugspersonen aus Familie oder
Wiedereingliederung.
Während der Phase der Bedüfnisanalyse scheint es uns angebracht, zwischen "Bedürfnis" und
"Nachfrage" zu unterscheiden. Damit mit der verwendeten Terminologie keine Verwirrung entsteht,
möchten wir hier kurz die in diesem Text häufig verwendeten Begriffe definieren:
Bedürfnis = theoretische Analyse einer vorhandenen Situation. Die Spezialisten, die den Einsatz
eines Umweltkontrollsystems empfehlen, erstellen eine Liste, die alle Funktionen
aufzählt, die, ihrer Meinung nach, dem Benutzer und seinen Bezugspersonen dienen
könnten.
Angebot = bezieht sich auf das Material, das momentan auf dem Markt erhältlich ist. Man kann
davon ausgehen, dass quasi für alle Funktionen, die mit der Umweltkontrolle bedient
werden können, das dafür notwendige Material auf dem Markt erhältlich ist.
Nachfrage = bezieht sich auf die konkret vorhandenen Wünsche der Hilfsmittelbenutzer und
deren Bezugspersonen. Eigentlicher oder konkreter Bestandteil des Bedürfnisses.
In gewissen Fällen beschreibt die Bedürfnisanalyse hinsichtlich des vorhandenen "Bedürfnisses"
eine Vielzahl von Aufgaben, die eigentlich gelöst werden könnten, die Nachfrage hingegen bezieht
sich - anfänglich zumindest - auf eine weniger hohe Zahl von Aufgaben, die man zu erfüllen
wünscht. Mit der Zeit kann man nicht selten feststellen, dass "Bedürfnis" und "Nachfrage"
zusammenlaufen; dies aber meistens schrittweise. Respektiert man nicht den Grundsatz der
Nachfrage, so kann dies die Unzufriedenheit aller betroffener Personen mit sich bringen und sogar
dazu führen, dass das Umweltkontrollsystem zum vornherein "verurteilt" wird. Der
Hilfsmittelbenützer, seine Bezugspersonen, der Verordner des Systems bis hin zum
Hilfsmittelfabrikanten, alle werden schlussendlich enttäuscht sein.
Es scheint uns jedoch nicht ausgesprochen schwierig, diesem Grundsatz Rechnung zu tragen und
somit beizusteuern, dass diese Art von Misserfolg vermieden werden kann, wie wir noch weiter
unten sehen werden.
Kommen wir nochmal auf das Thema des Bedürfnisses zurück. In unserer häuslichen Umgebung
sind wir von Gegenständen umgeben, die, ergonomisch gesehen, auf den sogenannt "normalen"
Menschen abgestimmt sind. Türklinken zum Beispiel sind nicht zwei Meter vom Boden entfernt
angebracht, und auch Lichtschalter befinden sich alle in etwa an einem ähnlichen Ort; oftmals findet
man diese "intuitiv" auch ohne die Räumlichkeiten zu kennen. Man könnte also sagen, dass die
Verbindungen oder Schnittstellen zwischen dem Menschen und seiner Umgebung harmonisch
korrelativ sind.
Die Inadäquatheit zwischen Gegenständen, Wohnraum und Menschen kann gemeinhin als
behindernd oder einschränkend bezeichnet werden. Das technische Hilfsmittel wird in diesem
speziellen Fall zur "künstlichen" Schnittstelle, um die spezielle und nicht einem Standard
entsprechende Eigenart der behinderten Person auszugleichen. Oder anders gesagt, die
Umweltkontrolle ist ein eigenständiges und den Bedürfnissen angepasstes Mittel, das die Interaktion
zwischen dem behinderten Menschen und der "Welt" oder seiner direkten Umgebung erleichtert.
2. Wie kann man das Thema "Formulierung der Nachfrage durch den Behinderten und seine
Bezugspersonen" angehen?
Eine Liste der Bedürfnisse, wie bereits oben definiert, kann relativ einfach erstellt werden.
Hinsichtlich der Umweltkontrolle entspricht sie im grossen und ganzen den heute zur Verfügung
stehenden technischen Mittel. Allgemein gesehen können alle Elemente in Erwägung gezogen werden,
die man mit einem Motor ausstatten kann oder die über eine Fernbedienung aktiviert werden
können. Um einige Beispiele zu nennen: Öffnen und Schliessen von Türen und Fenster; Herbeirufen
des Lifts; Gardinen öffnen oder schliessen; Rolläden herunterlassen oder hinaufziehen; Position des
Bettes verstellen; Licht ein- oder abschalten; Hilfe herbeirufen; telephonieren; alle audiovisuellen
Mittel bedienen; Temperatur der Heizung einstellen. Diese Liste umfasst selbstverständlich nicht alle
Möglichkeiten.
Wie also die Nachfrage charakterisieren? Es handelt sich um ein heikles Unterfangen, zumal es
oftmals schwierig wenn nicht sogar unmöglich ist, einen Konsumenten (eines Produktes oder einer
Dienstleistung) nach seinen Ansprüchen hinsichtlich einer ganz neuen Idee zu fragen. Stellt man zum
Beispiel eine Frage im Stil: "Denken Sie, dass ein Umweltkontrollsystem Ihnen nützlich wäre?" oder
eine weitere: "Möchten Sie mit einer Fernbedienung selbständig ein Fenster öffnen oder schliessen
können oder etwa telefonieren?", dann erhält man im allgemeinen drei Arten von Antworten. Die
grosse Mehrheit würde sagen "weiss ich nicht"; das ist die erste Kategorie. Die zweite Gruppe
würde mit unverhehlter Begeisterung antworten: "Selbstverständlich, und wenn wir schon gerade
dabei sind, dann doch bitte auch noch das und das und das....". Die dritte Gruppe würde
kategorisch ablehnen mit der Bemerkung: "Was Sie mir vorschlagen habe ich überhaupt nicht nötig.
Übrigens mag ich technischen Kram ganz und gar nicht und mein Betreuer (oder Lebenspartner
usw.) erledigt diese Arbeiten weitaus besser als das Ding, das Sie mir vorschlagen, damit ich das
alles selber machen muss." (Hinsichtlich des letzten Einwandes sei hier festgehalten, dass ein
Mensch ganz bestimmt bessere Leistungen vollbringt als eine Maschine. Wie wir noch in einem
späteren Kapitel sehen werden, muss dieser Einwand eingehend überdenkt werden, vorwiegend im
Rahmen der Beziehung zwischen dem Hilfeempfänger und dem Helfenden.)
Man kann also feststellen, dass die drei beschriebenen Kategorien - wenn auch ein bisschen karikiert
dargestellt - uns bei der Definierung der Nachfrage nicht weiter bringen. Die ersten können sich
nicht entschliessen, die zweiten sind bedingungslose Befürworter der Technologie im allgemeinen
und technischer Hilfen im speziellen, was übrigens zu einer überschätzten Analyse und zur
Installation unangemessen teurer technischer Anlagen führen kann, und die dritten "versperren"
sich systematisch. Eigentlich ist die erste der obenbeschriebenen Kategorien die einfachste, unter der
Bedingung natürlich, dass die Personen, die dieser Gruppe zuzuordnen sind, nichts gegen einen
entsprechenden Versuch oder eine Evaluierung einzuwenden haben.
Wie vorgehen? Wie kann man herausfinden, welche Ansprüche eine Person an einen Bereich stellt,
von dem sie nur eine unklare Vorstellung hat? Unserer Erfahrung hat uns folgende Taktik gelehrt: es
geht darum, zusammen mit dem (zukünftigen) Hilfsmittelbenutzer und seinen Bezugspersonen ein
Verzeichnis, analog obenerwähnten Beispiels, zu erstellen, auf dem alle Bedürfnisse, die der
Spezialist als wichtig erachtet, aufgelistet werden. In einem zweiten Schritt werden dann all jene
Elemente herausgestrichen, die für die betroffenen Parteien nicht in Frage kommen, da die
Ausführung kaum zufriedenstellend wäre. Damit dieser zweite Schritt so realitätsgetreu wie nur
möglich in Angriff genommen werden kann, wäre es zu empfehlen, dass der Verordner des Systems
konkrete Beispiele aufführt:
An den Helfenden gerichtet: "Kommt es vor, dass Sie ausgehen? Ist der Behinderte dann alleine zu
Hause?"
An den Hilfeempfänger gerichtet: "Geniessen Sie in diesem Falle die Momente des Alleinseins?"
Diese Art von Fragen lösen eine Diskussion aus, im Verlaufe derer einer der Gesprächspartner
vielleicht sagen wird: "Wenn ich doch nur telefonisch benachrichtigen könnte, dass ich ein bisschen
später als vorgesehen zu Hause ankommen werde", oder vielleicht: "Zwischendurch mal alleine sein
ist gar nicht so unangenehm. Schade nur, dass ich niemanden um Hilfe rufen kann, wenn ich mich
ganz plötzlich unwohl fühle". Ein solches Gespräch kann beliebig fortgesetzt oder erweitert werden.
Im Anschluss an diese erste Phase verfügt man automatisch über eine Liste, welche die reelle
Nachfrage mehr oder weniger konkret darstellt. Es geht jetzt also darum, klar zu formulieren, welches
Bedürfnis welcher Nachfrage entspricht, ohne ausser acht zu lassen, dass es sich um eine
Ausgangslage handelt und der Wunsch, weitere Aktionen tätigen zu können, früher oder später
auftauchen wird. Wir sind der Meinung, dass auf der Basis dieser Ausgangslage ein
Umweltkontrollsystem installiert werden kann ohne das Risiko einzugehen, dass die Anlage später
schlecht oder gar nicht benützt wird.
3. Wie kann man die Nachfrage bearbeiten und praktisch technische Lösungen vorschlagen?
Prioritäten setzten / nicht zu viele Funktionen mit einbeziehen / Weiterentwicklung der Nachfrage /
Erstellen eines Pflichtenheftes hinsichtlich der zu Hause gewünschten Funktionen /
Betrachtungsweise diverser technischer Aspekte
Verfügt man über diese Bedürfnisliste, so ist es angebracht, manchmal sogar notwendig, Prioritäten
zu setzten. Welche Aufgaben müssen zwingend ausgeführt werden können und welche sind als
nächstes an der Reihe? Auch muss man sich vergewissern, wie und auf welche Art und Weise der
Benutzer sein Gerät bedient. Beherrscht er es gut genug um die prioritär "zwingenden Tätigkeiten"
problemlos ausführen zu können? Sollte dies nicht der Fall sein, dann muss die Anzahl der Aufgaben
unbedingt begrenzt werden. Andernfalls kann es vorkommen, dass der Benutzer (in einem gewissen
Ausmasse auch seine Bezugspersonen) die Anwendung der Umwelkontrolle als Misserfolg
betrachten. Der schlussendliche Verlierer ist somit der Benutzer; in den meisten Fällen wird aber das
Produkt in Frage gestellt...
Ist die Nachfrageliste einmal erstellt, so wäre es ideal, die Installation während einiger Tage
auszuprobieren. Es wäre aber nicht realistisch, teure Zusatzinstallationen wie zum Beispiel Tür- oder
Fensteröffner speziell für diesen Eignungstest anzubringen, es sei denn, der Test fände in einem
bereits angepassten Ort statt, einer "therapeutischen Wohnung" zum Beispiel, wie sie in gewissen
Wiedereingliederungszentren zu finden sind oder in speziell mit der Umweltkontrolle ausgestatteten
Institutionen. Der Eignungstest wird eine ideale Ausgangslage zur Überprüfung folgender Punkte
schaffen:
- Die Nachfrage hat sich als berechtigt erwiesen; im Anschluss an den Test wird die
Anfangsinstallation unter Umständen sogar erweitert.
- Es hat sich bestätigt, dass der Benutzer sein Material handhaben kann.
- Die notwendige Motivierung, um den Finanzierungsprozess ins Rollen zu bringen, konnte
ausreichend geschaffen werden.
Vom technischen Standpunkt her können die Spezialisten von diesem Moment an, oder parallel zur
Eignungsprüfung, mit der Ausarbeitung der Installation beginnen. Ein Kostenvoranschlag kann
erstellt werden.
Kommt die Anfrage von einem Bauherren, der ein Lebensort für behinderte Personen schaffen will,
und im Pflichtenheft der Konstruktion die Umweltkontrolle vorgesehen ist, dann kann man, im
Anfangsbereich, natürlich nicht so vorgehen, wie wir das oben beschrieben haben. Bei einer
solchen Ausgangslage bezieht sich die Grundlage des Konzepts auf jenes Angebot, das wir bereits
oben beschrieben haben. Oder anders ausgedrückt, das Bedürfnis entspricht mehr oder weniger
der Nachfrage des Bauherrn. Die Ausleihe des Materials an die Pensionäre hingegen, wird im
grossen und ganzen auf ähnliche Weise gehandhabt, wie in der obenbeschriebenen Prozedur.
Wenn man davon ausgeht, dass die gesteigerte Nachfrage - der Wunsch also, noch mehr Tätigkeiten
selbständig über die Umweltkontrolle erledigen zu können - im Verhältnis zum Angebot steht, kann
man in den meisten Fällen feststellen, dass Angebot und Nachfrage zusammenlaufen, es hierfür aber
seine Zeit braucht. Der Ablauf ist relativ einfach. Respektiert man den bereits oben zitierten
Grundsatz: "Massgebend ist nicht die Leistungsfähigkeit einer Technologie, sondern die Fähigkeit des
Menschen, mit dieser umzugehen", dann sind Benutzer und Bezugspersonen grundlegend motiviert,
für dass die Funktionen mit der anfänglich formulierten Nachfrage übereinstimmen. Wird die
Gesamtheit der anfänglich gewünschten Funktionen beherrscht (der Benutzer kann mühelos und
wann es ihm passt die gewünschten Funktionen auslösen; seine Bezugspersonen schätzen und
anerkennen den Nutzen der Umweltkontrolle), dann stehen "Hilfeempfänger und Helfer" dem
Anbringen weiterer Funktionen positiv gegenüber. Global gesehen und diesem Gedankengang
folgend, überschneidet sich dann die Anfrage mit dem Angebot.
4. Das Konzept der Umweltkontrolle
Aus was besteht die Umweltkontrolle? - Welches sind die am häufigsten verwendeten Systeme? -
Wie "übermittelt" man die im Umweltkontrollgerät gespeicherten Informationen an die
schlussendlichen Empfangsgeräte?
Ein Umweltkontrollsystem besteht hauptsächlich aus drei Elementen: eine ergonomische Schnittstelle,
ein Uebermittlungssystem sowie die schlussendlich zu bedienenden Geräte (Beilage 1: Jean-Claude
Gabus: Umweltkontrollsystem JAMES: Allgemeine Betrachtungen. /Kapitel : Autonomie mit dem
Umweltkontrollgerät JAMES: Konzept eines Gebäudes, einer Wohnung oder eines Zimmers). Bei der
ergonomischen Schnittstelle handelt es sich um eine Vorrichtung, deren Hauptaufgabe darin besteht,
die Verbindung zwischen dem Behinderten und dem Umweltkontrollgerät herzustellen, unter
Berücksichtigung der körperlichen Fähigkeiten und Limiten des Benutzers. Die ergonomische
Schnittstelle eines Computers besteht aus einer Tastatur, einer Maus und dem Bildschirm. Während
Tastatur und Maus Informationen erhalten leitet der Bildschirm diese Informationen an den Benutzer
weiter. Im Bereich der technischen Hilfen im allgemeinen und in der Umweltkontrolle im speziellen,
kann die ergonomische Schnittstelle verschiedene Formen haben, damit sie der Behinderung
angepasst werden kann. Hier einige Beispiele:
a) Verbindung: Mensch > Maschine
- eine Tastatur (Grösse unwichtig)
- ein Stimmerkennungsprogramm
- eine Maus
- ein Joystick
- ein Sensor für Kopfbewegungen
- ein Sensor für Zungenbewegungen
- ein Detektor für Druck oder/und Tiefdruck (blasen oder saugen)
b) Verbindung: Maschine > Mensch
- kleiner Bildschirm (Stil Rechnungsmaschine)
- Lichtlauf (Abtasten per Lichtpunkt; an jeder Taste befindet sich ein kleines Lämpchen. Mit
dem Lichtlauf leuchten alle Tasten einmal auf. Die Auswahl der gewünschten Taste erfolgt,
indem man auf einen "Ein-Druck-Schalter" drückt.)
- Synoptische Tafel (identisch mit dem Lichtlauf, bietet aber mehrere Zugangsmöglichkeiten
und zeigt deutlich die Funktionen auf, die mit der Tafel ausgelöst werden können.
- ein Computerbildschirm
- eine elektronische Stimme, digital oder synthetisch.
Betrachtet man die Ganzheit dieser Möglichkeiten unter einem theoretischen Blickwinkel, dann
erschrickt man ob der "explosionsartigen Kombinationsmöglichkeiten", die man erhält. In der
alltäglichen Realität sind die Dinge aber meistens sehr viel einfacher. Es scheint uns ausreichend,
vorwiegend das Angebot, die Nachfrage und die zur Verfügung stehenden Mittel genau abzuklären.
Wenn ein Benutzer seine Finger kontrolliert, genügt eine Tastatur in den meisten Fällen. Kombiniert
mit einem kleinen Bildschirm, erhält man eine Schnittstelle, die normalerweise vollkommen zureichend
ist.
Wenn der Gebrauch der Hände leider verunmöglicht ist, dann benützt die Mehrzahl der
Umweltkontrollbenützer einen Druck- oder Tiefdrucksensor (wer mit einem Strohhalm trinken kann,
der kann auch einen Tiefdrucksensor bedienen). Man kombiniert das Ganze mit einer synoptischen
Tafel oder einem Lichtlauf. Diese Systeme sind relativ einfach und günstig, was auch der Grund ist,
warum sie häufig zum Einsatz kommen. Finanziell gesehen bleibt dann im Gesamtbudget
verhältnismässig viel für eigentliche Applikationen übrig. Im allgemeinen sind diese Vorrichtungen
klein und können bequem transportiert werden, auf einem Rollstuhl zum Beispiel.
Auch die anderen Schnittstellen sind natürlich nützlich. Ein Lichtlauf bedingt unter anderem eine
ausreichende visuelle Wahrnehmung. Bei körperbehinderten Personen, die auch an Sehstörungen
leiden, stösst man mit solchen Systemen oftmals an Grenzen. In diesen Fällen kann ein
Spracherkennungsprogramm vorgeschlagen werden. Die Hauptvorteile dieser Art von Schnittstellen
bestehen hauptsächlich in ihrer Benutzerfreundlichkeit (sie werden oftmals mit einer elektronischen
Stimme verbunden, und erlauben somit eine Kontrolle dessen, was man gerade macht) und der
Möglichkeit, direkten und schnellen Zugang zu einer beachtlichen Anzahl Funktionen zu erlauben.
Zum heutigen Zeitpunkt benötigen diese Systeme eine umfangreiche Installierung, was als Schwäche
bezeichnet werden kann. Die meisten Spracherkennungsprogramme benötigen eine Lehrzeit und es
ist nicht immer einfach, die finanziellen Mittel zur Begleichung der damit verbundenen
Dienstleistungen aufzubringen. Hinzu kommt, dass der Preis für solche Systeme recht viel höher
liegt als bei einfacheren Systemen.
Die Benützung einer Computermaus oder eines Bildschirms kann auch sehr interessant sein.
Hauptvorteil ist die Einfachheit des Informationsaustausches zwischen dem Menschen und der
Maschine. Man kann sich eine sehr klare Vorstellung der "zu kontrollierenden Umwelt" machen und
auf dem Bildschirm, via digitalisierter Photographie, das Zimmer, in welchem man sich gerade
befindet, und die sich im Raum befindenden Gegenstände aufrufen. Es würde also zum Beispiel
genügen, auf die Ikone der Tür zu klicken, damit sie sich öffnet.... Es handelt sich um relativ teure
Applikationen und nur selten handelt es sich beim Computer, der ein Umweltkontrollprogramm
akzeptiert, um ein tragbares Modell. Wenn die Umweltkontrolle für den Behinderten aber nur ein
Element unter anderen ist und der Computer auch für andere Zwecke eingesetzt wird, dann kann
sich die Anschaffung einer solchen Anlage als interessant erweisen, unter der Bedingung natürlich,
dass die Fortbewegung nicht als ausschlaggebend betrachtet wird. Auch muss man die zur
Anschaffung notwendigen finanziellen Mittel haben um Installierung, Anlehre und Unterhalt des
Systems zu gewährleisten.
Der zweite Teil eines Umweltkontrollsystems hat zum Ziel, die durch den Benutzer gewählten
Funktionen dem bestimmten Endgerät zu übermitteln, wie zum Beispiel: der Tür, Beleuchtung,
Fernseher und vieles mehr. Technisch gesehen kann man über verschiedene Methoden zu diesem
Ziel gelangen:
Verkabelung
Zwischen der Umweltkontrolle und den Endgeräten werden Kabel gezogen. Korrekt ausgeführt
handelt es sich um eine zuverlässige und einfach Anwendungsweise. Bedauerlicherweise muss man
festhalten, dass:
- es sich nicht um ein tragbares System handelt,
- die Kosten für die Verkabelung relativ hoch ausfallen,
- alle audiovisuellen Geräte nur sehr schlecht (teure Adaptierungen) angepasst werden können.
Die Funkfernbedienung
Diese Vorgehensart ist vorwiegend bei Funktionen über "lange" Distanzen sehr interessant. Wenn
man zum Beispiel einen Notruf betätigen oder eine Türe öffnen will, die sich in einem weiter unten
gelegenen Stockwerk befindet. Die anderen Anwendungsmöglichkeiten der Umweltkontrolle werden
aufgrund der "Überschneidung", charakterisierendes Element der Funksteuerung, erschwert, da
diese Informationen durch das ganze Gebäude hindurch strömen. Das bedeutet, dass jede Funktion
ihren eigenen "Radiokanal" mit der dazugehörenden Taste auf dem Umweltkontrollgerät haben muss.
Wenn dann obendrein mehrere Benutzer im gleichen Gebäude wohnen, dann vervielfacht sich
dieses Problem um einiges.
Ultraschall
Ende 70er anfangs 80er Jahre wurden die privaten Fernsehstationen systematisch über Ultraschall
ferngesteuert, bis sie dann zugunsten von Infrarot-Fernbedienungen, zuverlässiger und günstiger,
aufgegeben wurden. Vorteil des Ultraschalls ist seine Rundstrahlfähigkeit. Die Fernbedienung muss
im Prinzip nicht gegen den Empfänger (Endgerät) gerichtet werden.
Infrarot
Dieses Mittel ist bei weitem das verbreitetste. Es ist zuverlässig und günstig. Bei handelsüblichen
Fernbedienungen handelt es sich um richtungsbezogene Modelle, das heisst, man muss die
Fernbedienung mehr oder weniger gegen den Empfänger richten. Dieser Nachteil kann aber einfach
behoben werden. Es genügt, die Fernbedienung auf mehreren Seiten mit Infrarot-Quellen
auszustatten, damit die Ausstrahlung der IR-Strahlen in jede Richtung erfolgen kann. Alle
audiovisuellen Mittel, die normalerweise viele Kanäle oder Funktionen beanspruchen, können
heutzutage über Infrarot bedient werden. Besitzt die benützte Fernbedienung die Fähigkeit, die IR
Codes der handelsüblichen Fernbedienungen zu lernen oder zu kopieren, dann kann sie ab sofort
alle anderen ersetzen: eine einzige genügt! Wenn die Endgeräte ursprünglich nicht mit einer IRFernbedienung
ausgestattet sind, so findet man heute Geräte, die das stufenweise kompensieren
können. In Einkaufszentren oder beim Elektriker findet man heute Produkte, die aus einem Sender
und einem oder mehreren Empfänger zusammengestellt sind, die man dann einer Steckdose
anschliessen kann.
Infrarot-Strahlen erlauben es nicht, Funktionen in einem anderen Zimmer per Fernbedienung
auszulösen, da sie keine Mauern durchqueren. Im Handel findet man jedoch kleine Anlagen, die aus
einem IR-Sender/Empfänger und einem Radio-Sender/Empfänger zusammengestellt sind. Verteilt in
mehreren Zimmern erlauben sie das "Durchqueren" der Mauern. Diese Einrichtungen werden aber
nur selten benützt. Zweifelsohne hat es einen gewissen Vorteil, wenn die IR-Fernbedienung nur in
dem Zimmer wirkt, wo man sich gerade befindet.
Um die Vorteile zu veranschaulichen ist es angebracht, die ideale Benützung der Umweltkontrolle zu
definieren, immer vom Grundsatz ausgehend: "Massgebend ist nicht die Leistungsfähigkeit einer
Technologie, sondern die Fähigkeit des Menschen, mit dieser umzugehen". Idealerweise muss ein
Umweltkontrollsystem zahlreiche verschiedene Befehle mit einem Minimum an Tasten erlauben. (Zu
viele Tasten oder Tastenkombinierungsebenen führen dazu, dass die Umweltkontrolle nur
ungenügend benutzerfreundlich ist; Folge davon ist, dass proportional gesehen eine zu hohe Anzahl
Benutzer Schwierigkeiten bei der Handhabung des Systems haben.)
Eine generelle Betrachtung über das Thema Infrarot und über die zu respektierenden Aspekte,
befindet sich im Anhang. (Beilage 2: Jean-Claude Gabus: Umweltkontrollsystem JAMES - : Allgemeine
Betrachtungen. / Kapitel: Wahl der Umweltkontrollsysteme/INFRAROT, was man dazu wissen muss).
"BUS"
Es handelt sich hier um eine ziemlich neue Technologie und zum heutigen Zeitpunkt sind nur wenige
Gebäude damit ausgestattet worden. Um das Funktionieren des BUS besser verstehen zu können,
wollen wir dieses Prinzip in grossen Zügen und anhand der traditionellen elektrischen Verkabelung
darstellen: Wir können via einen Schalter Licht machen, weil ein spezifisches Kabel diese zwei
Elemente verbindet. Gemeinhin benötigt es ein oder mehrere Kabel um alle Schalter mit den
Endgeräten, in diesem Fall Lampen, zu verbinden. Das funktioniert sehr gut, doch jede Veränderung
oder zusätzlich installierte Lampe bedingt das Legen neuer Kabel. Eine traditionelle Installation ist
relativ unbeweglich. Vielleicht sind auch Sie unserer Meinung, dass sich eine traditionelle
Verkabelung gerade dann nachteilig auswirkt, wenn Veränderungen oder Ergänzungen der bereits
vorhandenen Einrichtung vorgenommen werden sollen (eine neue und spezifische Verkabelung
drängt sich auf): Dies um so mehr, wenn es sich um Wohnungen oder Gebäude handelt, in welchen
Personen leben sollen, die auf ein Umweltkontrollsystem angewiesen sind. Davon ausgehend, dass
gerade im Behindertenbereich ein wandelbares System notwendig wäre (die Nachfrage nimmt mit der
zeit zu) wirkt sich die traditionelle Verkabelung als einschränkend aus.
Beim BUS handelt es sich um eine ganz neue Betrachtungsweise. Alle installierten elektrischen
Elemente (Lampen, Schalter, Heizkörper, Türöffner usw.) werden von einem einzigen Paar 220V
Leitungsdraht gespeist. Die zum guten Funktionieren notwendige Energiezufuhr ist dementsprechend
vorhanden. Damit die notwendigen Informationen übermittelt werden, wird EIN Paar
Niederspannungsdraht zusätzlich installiert. Wenn man mit dem Lichtschalter im Schlafzimmer die
Deckenbeleuchtung anzünden will, dann übermittelt man via die Betätigung des Lichtschalters in
etwa folgende Mitteilung: Die Deckenbeleuchtung im Schlafzimmer wird gebeten, sich anzuschalten!
Alle Endgeräte im ganzen Gebäude empfangen diese Mitteilung, aber nur die bezeichnete
Deckenbeleuchtung wird darauf reagieren. Diese Information wird über das Paar
Niederspannungsdraht übermittelt. Die Funktionstüchtigkeit der elektrischen Anlage eines Gebäudes
wird also eine Frage der Programmierung und ist nicht mehr, wie bis anhin, eine unflexible
Installation. Ein Programm kann relativ einfach verändert werden. (Veränderungen bei traditionellen
Einrichtungen sind hingegen sehr kostspielig.) Man kann Funktionen beifügen oder verändern, oder
aber ganz bestimmte schaffen, wie zum Beispiel:
- Automatisches Abstellen des Heizkörpers, wenn ein Fenster geöffnet wird, das sich im Bereich
erwähnten Heizkörpers befindet.
- Mit einer einzigen Handlung kann überprüft werden, ob alle Energieverbraucher, die während
der Nacht nur reduziert oder gar nicht funktionieren sollten, auch wirklich zurück- oder
abgestellt sind (erspart die Kontrolle von Zimmer zu Zimmer).
- Jedes stromverbrauchende Gerät im Gebäude kann von einem beliebigen Ort aus (im
Gebäude selbstverständlich) bedient werden.
- Anbringen einer zusätzlichen Funktion: zum Beispiel Betätigen der Rolläden
- usw.
Bus-Installationen sind im allgemeinen kostspieliger als herkömmliche Einrichtungen. Will man aber
Funktionen der Umweltkontrolle beifügen, die oftmals von einer steigenden Wandlung der
ursprünglichen Installation begleitet werden, dann wird dieses System auf die Dauer wirtschaftlich
rentabel. Es ist aber empfohlen, vergleichende Kostenvoranschläge einzuholen.
5. Etappen der ersten Annäherung Behinderter > technische Hilfe / Beherrschen der technischen
Hilfe
So früh wie möglich ein ECS (Environment Control System) vorschlagen, ohne die Behinderung also
solche zu bestätigen - Allgemeine Anwendungsmethode der Telethesen - ergonomische Aspekte
Wir glauben nicht, dass es eine EINZIGE unfehlbare Methode gibt, welche die allgemeine Betrachtung
und eine erste Inbetriebnahme eines solchen Systems charakterisiert. Aufgrund unserer Erfahrungen
glauben wir aber, dass sich der Verordner eines solchen Systems nach folgendem Grundsatz
verhalten sollte: "Der Wert einer Neuheit liegt in der Verallgemeinerung, die man aus ihr macht....".
Im alltäglichen Leben sollte das Verhalten des Verordners unter keinen Umständen beim Benützer
und seinen Bezugspersonen Gedanken folgender Art auslösen: "das ist ja Science Fiction"... "ich bin
bereits in die Zukunft eingetreten"... "das wird für mich viel zu schwierig sein"... "das bestätigt mir
(ihm) wieder einmal mehr, wie behindert ich bin"... usw.
In gewissen Wiedereingliederungszentren gibt es Umweltkontrollsysteme, die den Patienten zur
Verfügung stehen. Auch kommt es vor, dass die Zimmer ganz oder teilweise damit ausgestattet sind.
In solchen Fällen können die notwendigen Geräte sehr schnell dem Benutzer zur Verfügung gestellt
werden. Wenn man die bereits obenerwähnte Regel der "Angepasstheit zwischen technischen
Möglichkeiten und Fähigkeiten des Benutzers" respektiert, dann erreicht man mit dieser Art von
Einführung in die Umweltkontrolle in den meisten Fällen gute Resultate.
Ergonomisch gesehen geht es in dieser Phase darum, dem Benützer die ihm geeignetste
Bedienungsmöglichkeit zu finden. Um ideale Voraussetzungen zu schaffen, muss ein
Umweltkontrollsystem leicht zugänglich sein, das heisst, zuverlässig und einfach in der Bedienung.
Um noch genauer festzuhalten was das bedeutet, wollen wir unseren Standpunkt hinsichtlich der
Telethesen (technisch-elektronische Hilfsmittel im allgemeinen) in Erinnerung rufen: Die trefflichste
Telethese ist die, welche in kürzester Zeit Zugang zu einer grösstmöglichen Anzahl Funktionen gibt.
Im Rahmen der Unterstützten Kommunikation für Personen ohne verbale Ausdrucksmöglichkeiten,
muss die Auswahl der ergonomischen Schnittstelle sehr sorgfältig getroffen werden. Eine Person, die
die technische Hilfe zum "sprechen" benützt, vermittelt dem Hilfsmittel eine grosse Anzahl
Informationen und dies, je nach Möglichkeiten, so schnell wie nur möglich. Im übrigen sei hier
festzuhalten, dass der Gebrauch eines solchen Hilfsmittels relativ lange Arbeitssequenzen mit sich
bringt.
Die Umweltkontrolle erfordert nicht den gleichen Interaktionsmodus Mensch/Maschine. Die durch
den Benutzer eines solchen Systems getätigten Aktionen sind präzis und können zeitlich eingeteilt
werden. Was bei Kommunikationshilfen mit synthetischer Sprachausgabe wichtig ist, nämlich dass
man schnell "sprechen" kann, ist bei der Umweltkontrolle weniger ausschlaggebend: die zum
Einschalten eines Fernsehen oder zum Wechseln eines Kanals notwendige Zeit spielt nicht eine s o
grosse Rolle.
Dieser Aspekt sollte natürlich nicht dazu führen, dass die Qualität der ergonomischen Schnittstelle
zwischen dem Umweltkontrollgerät und dem Benutzer vernachlässigt wird, sondern möchte nur
aufzeigen, dass die Wichtigkeit relativisiert werden kann. Es ist hingegen ausgesprochen wichtig,
dass die Zuverlässigkeit sorgfältig "gepflegt" wird. Es wäre zum Beispiel nicht akzeptierbar, wenn ein
Hilferuf, der über die Umweltkontrolle weitergeleitet werden sollte, aus anwendungsbedingten
Gründen nicht ausgeführt werden kann. Aus diesem Grund muss man dem Thema Schnittstellen
eine besondere Stellung einräumen.
Bei einigen sehr speziellen und schwerwiegenden Fällen, kann sich die Wahl des Schalters und die
Art wo und wie er befestigt wird, als sehr wichtig erweisen. Wenn man bei dieser Etappe auf
beträchtliche Schwierigkeiten stösst, dann kann die Arbeit "Generelle Anwendungsmethode der
Telethesen" (Beilage 3: Gabus, Jean-Claude, 1989: Der Stand der Lage 1994. 20 Jahre technische
Hilfen im Dienste der Kommunikation bei Personen ohne verbale Ausdrucksmöglichkeiten: Sind sie
ins Erwachsenenalter eingetreten? Kapitel : Allgemeine Anwendungsmethode elektronischer
Hilfsmittel), unter Umständen von Nutzen sein.
6. Wie kann man der erweiterten Nachfrage (=Nachfragesteigerung) Rechnung tragen
In welche Richtung geht eine Nachfragesteigerung und warum? (Verallgemeinerung/Aneignung) -
nach einer gewissen Zeitspanne wieder Kontakt aufnehmen oder noch besser, den Benutzer
sensibilisieren, dass er von sich aus wieder Kontakt aufnimmt...
Wie wir bereits festgestellt haben, löst der Einsatz der Umweltkontrolle einen Prozess aus, in
welchem Bedürfnis und Nachfrage zusammenlaufen. Dem Verordner eines Systems empfehlen wir,
mit der Instandsetzung eines Systems seine Arbeit nicht als beendet zu betrachten. Eine
Kontaktaufnahme innerhalb der darauffolgenden Monaten kann ihm aufzeigen, welche weiteren
Funktionen vom Benutzer gewünscht werden (=Nachfragesteigerung) und welche Vorrichtungen
getroffen werden müssen. Ideal wäre natürlich, wenn der Benutzer und seine Bezugspersonen
verantwortungsbewusst gemacht worden wären und er(sie) selber das vorhandene Interesse für
weiter Funktionen kundtun würden. Im Alltag hingegen kann man einer Nachfragesteigerung nur
dann Rechnung tragen, wenn auch die finanziellen Mittel vorhanden sind. Es wäre wünschenswert,
wenn in der Finanzierung solcher Systeme nicht nur die Material- und Installierungskosten
mitinbegriffen wären, sondern auch alle Dienstleistungen, die sich auf die Bedürfnisanalyse, die
Grundausbildung sowie die aufgrund einer Nachfragesteigerung notwendigen Anpassungen
beziehen.
7. Begegnet man paradoxen Verhaltensformen zwischen Benutzer und Bezugspersonen ?
Paradox zwischen Hilfeempfänger und Helfenden
Stellen wir uns eine Situation vor, in welcher alle sogenannt rationellen Parameter (Übereinstimmung
Angebot/Nachfrage, Qualität der ergonomischen Anpassung, Qualität der ganzen Einrichtung)
anscheinend zum besten stehen.... Auch in solchen Fällen kann es vorkommen, dass die erzielten
Resultate weder vom Benutzer noch von seinen Bezugspersonen als geeignet angesehen werden.
Ganz bestimmt hat dies mehrere gute Gründe. Unter diesen möchten wir jene erwähnen, die unter
Umständen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der einen oder anderen zurückzuführen
sind. Diese Verhaltensformen können paradox erscheinen. So kann man in solchen Fällen zum
Beispiel beobachten, dass vor dem Anbringen der Umweltkontrolle die zwischenmenschliche
Beziehung auf einem Abhängigkeitsverhältnis (ich w ill geben; ich w ill bekommen) beruht. So kann es
vorkommen, dass die Umweltkontrolle dieses sehr heikle Gleichgewicht bedeutend verändert, was
zu einer Ablehnung des Systems führt. In solchen Fällen darf man ruhig sagen: "alles zu seiner
Zeit"... denn Zeit braucht es, damit das Verhältnis zwischen Hilfeempfänger und Helfenden ein neues
Gleichgewicht findet. (Beilage 4: Jean-Claude Gabus: Umweltkontrollsystem JAMES - Allgemeine
Betrachtungen. / Kapitel: Paradoxe Verhaltensformen zwischen Hilfeempfänger und Helfer)
8. Nach welchen Kriterien kann man die erhaltenen Resultate auswerten
Es kann notwendig und empfehlenswert sein, die durch die Benützung eines Umweltkontrollsystems
erhaltenen Ergebnisse auszuwerten. Ideal wäre, wenn diese Auswertung auf einer relativisierenden
und nicht absoluten Grundlage stattfinden könnte. Ist dies möglich, dann sollte man die zukünftigen
Benutzer (Helfer/Hilfeempfänger) noch vor der INBETRIEBNAHME des Systems nach ihren
Erwartungen fragen, die sie in diese Art von Möglichkeiten setzen. Es ist anschliessend nützlich, die
Erwartungen mit den erhaltenen Resultaten zu vergleichen, jedoch erst NACH EINER BESTIMMTEN
ZEITSPANNE. Unsere Erfahrung zeigt, dass es mindestens einige Wochen wenn nicht sogar einige
Monate benötigt, um von den Betroffenen ein repräsentatives Bild zu erhalten. Oder anders
ausgedrückt, eine Meinungsumfrage sollte erst dann erfolgen, wenn der Aneignungsprozess
stattgefunden hat. Wir möchten hier nochmals wiederholen: "Der Wert einer Neuheit liegt in der
Verallgemeinerung, die man aus ihr macht....". Um die Resultate auswerten zu können, benützen wir
zwei Fragebogen. Der eine richtet sich an den Benutzer, der andere an die Bezugspersonen. (Beilage
5: Jean-Claude Gabus 1992 - 1. Frageboten an Benutzer / 2. Fragebogen an Fachkräfte der
Rehabilitation (Bezugspersonen aus therapeutischem Umfeld).
9. Wirtschaftssoziologische Aspekte im Rahmen der Umweltkontrolle
Welche direkten Kosten bringt die Installierung eins Umweltkontrollsystems mit sich? Wir möchten
hier darstellen, wie wir in der Schweiz damit umgehen.
In unserem Land gibt es 4 Wiedereingliederungszentren für Rückenmarkverletzte, nicht ganz fünfzig
Schulen für körperbehinderte Kinder, eine neutrale Beratungsorganisation für technische Hilfsmittel
aller Art (SAHB, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung für Behinderte und Betagte),
sowie eine Beratungsstelle des gesamtschweizerischen Sozialwesens (Pro Infirmis). Die
Wiedereingliederungszentren verfügen über einen Testkoffer unseres Umweltkontrollsystems
JAMES. Oftmals sind es die Ergotherapeuten dieser Zentren, die einen ersten Eignungstest beim
Behinderten vornehmen. Sobald der Patient nach Hause entlassen wird, fährt das FST-Team mit der
Arbeit weiter und führt sie zu Ende. Ungefähr 30% aller Schweizer JAMES-Benutzer erhielten ihr
System auf diese Art und Weise. Bei den anderen Organisationen ist es unterschiedlich: die einen
leiten die Informationen an interessierte Personen weiter, andere hingegen führen das System auch
gleich mal vor. Sobald wir darüber in Kenntnis gesetzt werden, intervenieren wir unmittelbar darauf.
Im Normalfall braucht es zwei Besuche. Das erste Mal erstellt man die Bedürfnisliste und geht dann
direkt zur Eignungsprüfung über. Ein Teil der gewünschten Konfiguration wird installiert (praktisch
gesehen ist es nicht möglich, einen Türöffner zum Beispiel bereits während der Testphase installieren
zu wollen). Während der Testperiode, die sich über mehrere Wochen erstrecken kann, benutzt der
Behinderte sein Material und ist dann anschliessend in der Lage, seine Anfrage genau zu definieren.
Während des zweiten Besuchs wird die Anfrage klar formuliert und die schlussendlichen Arbeiten in
Angriff genommen.
Seit einiger Jahren übernehmen unsere Sozialversicherungen die für solche Installationen anfallenden
Kosten. Auch leiten wir die diesbezüglichen Wegweisungen an interessierte Personen weiter. (Beilage
6: ) Würde man die Gesamtheit der theoretisch von den Sozialversicherungen übernommenen
Beträge für Geräte und Dienstleistungen im Bereich der Umweltkontrolle kumulieren, dann käme man
auf einen Wert von SFr. 15'000.--. In Wirklichkeit aber kostet eine Anlage (Material, Installierung,
Inbetriebnahme/Ausbildung) durchschnittlich ungefähr SFr. 5'000.--. Hinzu kommt, dass das den
Behinderten abgegebene Material Eigentum der Sozialversicherungen bleibt. Dies erlaubt,
abgegebenes Material nach Revision wieder in Umlauf zu bringen. So kann vermieden werden, dass
nicht mehr benütztes Material in einem Schrank verstaubt. Wirtschaftlich gesehen bedeutet dies eine
Kosteneinsparung von ungefähr 30%.
Zum heutigen Zeitpunkt (Herbst 1995) hat die FST in der Schweiz 2'500 "Kunden" und im Ausland
4'000. Unser Land zählt 7'000'000 Einwohner; Die Kosten für Umweltkontrollsysteme betragen im
gesamtschweizerischen Budget der technischen Hilfsmittel 0,45 %. Selbstverständlich handelt es
sich um eine gewisse Summe; im Verhältnis zu den Gesamtausgaben sind wir aber der Meinung,
dass dieser Betrag verantwortet werden kann. Es handelt sich hier selbstverständlich um eine
persönliche Auffassung!
10. Forschung und Entwicklung
Welche Fortschritte darf man in diesem Bereich erwarten. Die Europäische Union stellt diesem
Bereich je länger je mehr die erforderlichen Mittel zur Verfügung, insbesondere im Rahmen des
Forschungsprogrammes TIDE (TECHNOLOGY INTEGRATION FOR DISABLED AND ELDERLY
PEOPLE). Die momentan geführten Arbeiten betreffen die Bereiche:
- Standardisierung und Normung solcher Geräte
- Entwicklung ihrer Benutzerfreundlichkeit
- Entwicklung von Manipulatoren
Man kann sich relativ einfach vorstellen, warum die Standardisierung und Normung verbessert
werden müssen. Um so unbegreiflicher scheint es, warum bei Manipulatoren (Roboterarm mit
Gelenkimitation, der auf dem Rollstuhl befestigt werden kann) solche Entwicklungsanstrengungen
unternommen werden. Veranschaulichen wir dies an folgendem Beispiel: Lebt eine behinderte
Person in einem vollständig behindertengerecht angepassten Gebäude, dann kann sie und ihre
Bezugspersonen relativ selbständig wohnen. Wünscht man aber, die gleichen Vorteile auch in einem
nicht speziell angepassten Gebäude vorzufinden, dann muss man feststellen, dass weder eine Tür
noch ein Fenster auf ein Umweltkontrollsystem reagieren. Diese Endgeräte sind im Normalfall nicht
mit speziellen Motoren ausgestattet und noch weniger mit einer Fernbedienung. Man kann sich also
vorstellen, dass ein auf dem Rollstuhl angebrachter Roboter eines Tages in der Lage sein wird ein
beliebiges Fenster oder eine beliebige Tür zu öffnen. Und das, proportional gesehen, etwa zum
gleichen Preis, wie die Anlagen, die es heute zu diesem Zweck braucht.
Im Rahmen der FST arbeiten wir heute an der Entwicklung der zweiten Generation des
Umweltkontrollsystems JAMES. Das Pflichtenheft dieses neuen Gerätes basiert auf der Erfahrung
von über 4'000 Benützer der ersten Generation dieses Umweltkontrollgerätes. Ohne bis ins Detail
gehen zu wollen kann man sagen, dass wir folgende Verbesserungen angestrebt haben:
- die Benutzerfreundlichkeit (damit mehr Personen das System einfacher bedienen können),
- die Fähigkeit, bestehende Codes zu lernen und WIEDERZUGEBEN,
- Resistenz gegen schlechte Wetterbedingungen sowie Stossfestigkeit,
- Standardisierung, hinsichtlich einer leichteren Integrierung oder Kombinierung mit
andereren Ausrüstungen.
Schlusswort
Auf dass diese Arbeit mithilft, das Thema Umweltkontrolle zu verallgemeinern und zugänglicher zu
machen. Auf dass die Fachkräfte der Wiedereingliederung noch mehr die Wichtigkeit der mit der
Umweltkontrolle angebotenen Möglichkeiten erkennen, denn Ziel haben wir alle das gleiche:
Verbesserung der Lebensqualität von schwer behinderten Menschen und ihren Bezugspersonen.
Wünschen wir uns, dass alle betroffenen Partner erfolgreich
HIGHTECH - ETHIK - und TAKT
auf einen Nenner bringen können.
Jean-Claude Gabus, CH-Neuenburg, im September 1995
Beilage 1: Autonomie mit dem Umweltkontrollgerät JAMES
Konzept eines Gebäudes, einer Wohnung oder eines Zimmers
Umweltkontrollsystem JAMES: Allgemeine Betrachtungen
Jean-Claude Gabus 1989
Bevor man für einen gegebenen Ort ein Maximum an Selbständigkeit durch "JAMES" anbietet, sollte
man folgende Faktoren berücksichtigen:
Türen
NB: bei IR-gesteuerten Türen sollte man nicht vergessen, zwei Empfänger zu installieren, auf der
Aussen- und Innenseite der Tür. Infrarotstrahlen gehen nicht durch Wände...
Mauer Motor der Türe + Türe mit Schnappschloss
1) Abschliessbare Aussentür in Verbindung zur gemeinschaftlichen Eingangshalle.
Eine solche Tür lässt sich allgemein durch eine automatische Vorrichtung bedienen (Radar, Druck
usw.). Für die Nacht wäre es jedoch geeignet, die Tür mit einem Schlüssel schliessen zu können.
Wenn es sich um eine gewöhnliche Tür ("à la française") handelt, ist ein elektrisches Schliessblech
nötig, denn der Türriegel ist eine Art Spiralfeder, die Klinke also fiktiv. Die mittels einer motorisierten
Einrichtung geschlossene Tür, wird durch infratot Strahlen (James) vom invaliden Gebraucher
befehligt und gleichzeitig wird der Motor zum Oeffnen der Tür in Bewegung gesetzt. FST INFRA-LINK
1024 Kanäle verwenden.
NB: Der Motor der Tür sollte sehr leistungsfähig sein. Die hydraulischen Vorrichtungen (z.B.
DORMA ED 200) eignen sich allgemein gut (ein Nachteil: sie sind relativ laut).
Wenn das Verriegelungssystem einer Schiebetür eingeschaltet ist (Ausschalten des Radars z.B. mit
einer Uhr), erfolgt die Bedienung durch IR-Strahlen (FST INFRA-LINK 1024 Kanäle) parallel zu einem
Drehschalter für Schlüssel auf der Aussen- und einem gewöhnlichen Türknauf auf der Innenseite.
2) Aussentür in direkter Verbindung zur Wohnung
In diesem Fall wird die automatische Vorrichtung zum Oeffnen der Tür weggelassen, denn die
Bedienung geschieht auf Wunsch manuell. Es wird ebenfalls ein Türöffner "à la française" (DORMA
ED 200) benutzt, damit nichtbehinderte Personen die Tür manuell, also normal öffnen können. Ist
die Tür mit dem Schlüssel geschlossen (mittels Klinke und elektrischem Schliessblech), so wird sie
von aussen über einen Drehschalter für Schlüssel geöffnet, der gleichzeitig auf den Motor und auf
das Schliessblech einwirkt. Es ist zu bemerken, dass eine Tür mit hydraulischer
Oeffnungsvorrichtung nur schwer zu handhaben ist, im Gegensatz zu Türen mit rein elektrischem
Mechanismus (wie z.B. DORMA ED 300). Der Türriegel ist eine Art Spiralfeder, mit einem fiktiven
Griff, und die Türe bleibt durch die motorisierte Vorrichtung geschlossen.
Ob die Tür verriegelt ist oder nicht, für den Invaliden bezieht sich die Fernsteuerung immer
gleichzeitig auf den Motor und das elektrische Schliessblech. In diesem Fall wird ebenfalls die
Vorrichtung FST INFRA LINK 1024 verwendet.
ACHTUNG: Bei Aussentüren muss der Empfänger auf der Aussenseite so angebracht werden, dass
er keinem direkten Kontakt mit Sonnenstrahlen ausgesetzt ist, d.h. in einer vertikalen und
geschützten Position. Der auf der Innenseite montierte Empfänger ist meistens geschützt.
3) Abschliessbare Wohnungstür (zwischen Korridor und Wohnung)
Bei einer solchen Tür ist es möglich, eine "vollelektrische" Vorrichtung anzubringen (weniger stark als
die hydraulische; da es sich jedoch um eine Tür innerhalb des Gebäudes handelt, braucht z.B. der
Widerstand gegen Wind nicht berücksichtigt zu werden...). Ihre Vorteile sind, dass sie einerseits
normal mit der Hand betätigt werden kann (System mit nur geringem Widerstand) und andererseits
sehr leise funktioniert (wichtig in der Nacht). Zum Abschliessen der Tür ist ein doppeltes elektrisches
Schliessblech nötig (z.B. EFF Modell 9034 für den Reigel und 24 E FAFIX für die Klinke). Diese Tür
wird ebenfalls über FST INFRA LINK 1024 bedient.
NB: Riegel = der zurückgehende Teil beim Herunterdrücken der Türklinke.
Klinke = der durch die Drehung des Schlüssels bewegte Teil
4) Tür innerhalb der Wohnung; nicht abschliessbar
In diesem Fall wird eine gewöhnliche Tür ("à la française") mit "Spiralfeder"-Riegel und Motor ED 300
benutzt, die auch manuell bedient werden kann. Der Motor hält die Tür geschlossen. Möchte man
sie mit grösserer Sicherheit schliessen, wird der normale Riegel und das elektrische Schliessblech
gleichzeitig mit dem Motor gesteuert. Achtung, Geräuschproblem! Diese Tür wird ebenfalls über FST
INFRA LINK 1024 bedient.
5) Garagentor
Herkömmlicher Mechanismus. Eine solche Tür wird auch über FST INFRA LINK 1024 gesteuert, von
aussen wie von innen. Achtung bei der Aussenmontage: direkte Sonneneinstrahlung meiden. Es
wäre günstig, wenn die Steuerung der Tür gleichzeitig die Garagenbeleuchtung (innen und aussen)
betätigen würde.
Fenster
Die herkömmlichen Fenster - zwei Fensterflügel und Griff zum Oeffnen und Schliessen - sind vom
augenblicklichen technischen Standpunkt her nicht automatisierbar. Es besteht jedoch die
Möglichkeit, ein Drehfenster (mit horizontaler Mittelachse) oder ein Oberlicht zu motorisieren.
Gewöhnliche IR-Steuerung (DELTA- oder INFRA-FERN).
Storen und elektrische Rolläden
Es gibt mehrere Modelle auf dem Markt. Eine IR-Steuerung ist hier geeignet, parallel zum
Mechanismus der normalerweise benutzten Bedienungsknöpfe montiert. Es ist hinzuzufügen, dass
die Steuerung der Rolläden eine sogenannte "monostabile" ist, d.h. die Bedienung erfolgt nur,
solange der "Knopf" gedrückt wird. Gleiche Situation bei IR: 2 Kanäle sind nötig (Aufziehen oder
Herunterlassen). Befindet sich der Fensterladen vor einem motorisierten Fenster, wird der IREmpfänger
kombiniert (3 bis 4 Kanäle).
Beleuchtung
Allgemein kann gesagt werden, dass die Beleuchtung stets mit einer normalen Bedienungsvorrichtung
und mit einer IR- Steuerung montiert wird.
Bei einer Benutzung von Schema 2 oder 3 wird die Parallelschaltung mit Infrarot verhältnismässig
schwierig.
Wir raten, ein Schritt-Relais zu benutzen, das von nichtbehinderten Personen durch Drücken auf
Knöpfe und von Körperbehinderten durch einen kurzen Impuls der IR-Steuerung betätigt wird.
1) Eingangshalle
Ein- und Ausschalten mit Schritt-Relais oder durch Schaltuhr. In manchen Fällen macht ein Nachtlicht
eine Fernsteuerung der Hauptbeleuchtung überflüssig, da diese über eine Uhr betätigt wird.
2) Flur
Wie Eingangshalle
3) Zimmer, feste Installation
Nur mit einem Schritt-Relais; Knopfbetätigung für nichtbehinderte Personen und IR-Empfänger für
Behinderte. Wenn möglich, IR-Steuerung an der Zimmerdecke montieren und nicht in der Nähe einer
Glühlampe.
4) Zimmer, freie Installation
Die besten Resultate erhält man in solchen Fällen von Steckdosen-Empfängern (DELTA-FERN).
Gibt es hingegen keinen anderen Sender als JAMES im Zimmer, so können die Lampen nur von dem
Körperbehinderten bedient werden. Es müssen also zusätzliche Sender, mit Batterieantrieb, an der
Wand angebacht werden.
Elektrische Pflegebetten
Verschiedene Bettfabrikanten liefern auf Wunsch eine IR-Steuerung. Sollte das nicht der Fall sein,
besteht die Möglichkeit, eine Fernsteuerung vom Typ INFRA-FERN anzupassen. Wird "JAMES" mit
"Saugen oder Blasen" gesteuert, ist es nicht leicht, die Bewegungen des Kopfteils mit dem Mundstück
zu koordinieren. Einige Fabrikanten verfügen über ein speziell angepasstes System (SACON). Für
andere Betten benützt man "JAMES" Zubehör zur Fixierung.
Aufzug
1) Aufzug - Totalsteuerung
Mit der Totalsteuerung können sämtliche, in einem Aufzug möglichen Funktionen ausgeführt werden.
Ein 1-Kanal-Empfänger wird neben der Aufzugstür angebracht und parallel mit dem Bedienungsknopf
geschaltet.
Auf dem Dach der Kabine wird ein Empfänger (mit 8 oder 16 Kanälen), der Parallelschaltung zu den
Etagenknöpfen in der Kabine hat, installiert. Achtung: die benutzten IR-Cods in der Kabine dürfen
nicht dieselben sein wie die aussen am Lift angebrachten!
2) Aufzug Totalsteuerung mit Priorität
Es handelt sich hier um eine technisch raffinierte Steuerung. Der Invalide kann bereits ausserhalb
des Aufzugs die gewünschte Etage wählen: Der Aufzug kommt, die Tür öffnet sich, der
Körperbehinderte begibt sich in die Kabine, die Tür schliesst sich, der Aufzug hält auf der gewählten
Etage, ungeachtet der vorangegangenen Wahl durch andere Personen. In diesem Fall wird die IRSteuerung
des Aufzugs neben dem Motor installiert.Ein IR-Vorverstärker befindet sich vor der
Aufzugstür jeder Etage (DELTA- oder INFRA-FERN).
3) Aufzug - Teilsteuerung
Wohnt der Invalide in einem Wohnblock, genügt es manchmal, ihm den Zugang vom Erdgeschoss
bis zu seiner Etage zu ermöglichen. In einem solchen Fall reicht ein einfacherer Empfänger in der
Aufzugskabine aus.
Sprechanlage
1) Automatische Gegensprechanlage
Die automatische Sprechanlage wird vom Besucher beim Klingeln in Gang gesetzt. Von diesem
Moment an und während einer regulierbaren Dauer, kann ohne zusätzliche Betätigung gesprochen
werden. Bei einer solchen Vorrichtung erübrigt sich eine IR-Fernsteuerung.
2) Manuelle Gegensprechanlage
Bei der manuellen Sprechanlage muss der Wohnungsinsasse während seines Gesprächs auf die
Taste "SPRECHEN" drücken. Bei IR erfolgt die Steuerung entweder monostabil, wenn der Benutzer
einen JAMES mit Tastatur hat, oder bistabil, wenn er eine synoptischer Tafel benutzt.
Telefon
1) Vereinfachtes Telefon
Mit einem einzigen Kanal und dem Freisprech-Telefon Typ PTT VILLARS kann der Hörer
abgenommen und aufgelegt werden. In einer Wohnung ermöglicht dies allerdings nur, Anrufe
entgegenzunehmen. In einigen Spitälern ist man beim Abnehmen des Hörers gleichzeitig mit der
Zentrale verbunden, die dann die gewünschte Telefonnummer wählt. In einem solchen Fall ist ein
einziger IR-Kanal vom Typ monostabil (Tastenfunktion) ausreichend.
2) Komplettes Telefon
IR-TEL ist ein Freisprech-Telefon,mit abnehmbarem Hörer oder Sprachgarnitur, mit einem Speicher
für 20 Telefonnummern. Es ist von der FST entwickelt worden. Mit diesem Apparat kann
abgenommen und aufgelegt, Zahl nach Zahl oder nach gespeicherten Nummern gewählt werden; er
hat einen zusätzlichen Anschluss für eine Telealarm-Vorrichtung; er kann an jeden TT-Stecker
angeschlossen werden und braucht parallel dazu eine 220-V-Speisung.
Alarm
1) Ueber herkömmliches Rufsystem
In einem Spital oder Heim existiert oft eine Rufanlage. Die Verwendung erfolgt über den Empfänger
DELTA-FERN mit monostabilem Anschluss, FST 1-320 (freie Installation) . Bei einer festen Installation
kann ein 4-Kanal-Empfänger eingebaut werden, d.h. ein Kanal für Ruf und drei bistabile Kanäle 220
V, für z.B. eine Lampe und ein Radio.
2) Ueber Telealarm
Telealarm über IR-Steuerung oder in Verbindung mit IR-TEL.
Beilage 2: Wahl der Umweltkontrollsysteme
INFRAROT: was man dazu wissen muss
Umweltkontrollsystem JAMES: Allgemeine Betrachtunge
Jean-Claude Gabus 1989
WAHL DER UMWELTKONTROLLSYSTEME
Man unterscheidet zwei Hauptinstallationsarten: die einen benennen wir "FEST", die anderen "FREI".
Die "Festen" sind Teil der Ausrüstung oder Infrastruktur unseres Lebensbereichs; sie wurden
während der Entwicklungsphase oder nachträglich eingebaut. Die "FREIEN" Installationen können je
nach Bedarf und so oft wie notwendig definiert werden.
Bei den "FESTEN" Geräten findet man im allgemeinen:
- Eingangstüren
- Beleuchtung Flur, der Eingangshalle und andere Durchgangs- und Aufenthaltsräume
- Aufzüge
- Zimmertüren
- Fenster
- Rolladen
- Alarm- oder Rufanlagen
Bei den "FREIEN" Geräten findet man im allgemeinen:
- TV - VIDEO
- HiFi - Telefon
- Telealarm
- zusätzliche Heizungs- oder Klimaanlage
- individuelle Beleuchtung
- Seitenwender
- elektrisches Bett
Separate Empfänger
Separate Empfänger benutzt man, wenn das Gerät ursprünglich keine IR-Steuerung enthält. Man
unterscheidet zwischen Geräten mit Einzel- und Mehrfachbefehl.
Geräte mit Einzelbefehl: arbeiten dort, wo nur eine Information gefordert ist und enthalten somit nur
einen Kanal. Im Moment bieten sich folgende Möglichkeiten an:
VOLLTRONIC (Max. 4 Kan&




 

 

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