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Die Kommunikation von Personen ohne verbale Sprache

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28. MARTINSTIFT-SYMPOSION
Innovationen 2000/1
6. Oktober 2000 – Gallneukirchen, Österreich

Die Kommunikation von
Personen ohne verbale Sprache

Stand der technischen Hilfsmittel und ihrer Anwendungsmethoden
Jean-Claude Gabus, FST - Schweiz
___________________________________________________________________________
A propos...
Kommunikation ist für uns alle elementar, das wissen wir! Nicht in der Lage sein, gut genug zu
kommunizieren, bringt eine ganze Reihe von Funktionsstörungen oder Einschränkungen mit
sich, die sich früher oder später auf die eine oder andere Entwicklungsetappe auswirken oder,
im Rahmen von krankheitsbedingten Situationen, die Rehabilitation beeinträchtigen werden.
AAC-> Unterstützte Kommunikation (Augmentative and Alternative Communication)
Seit Beginn der 70er Jahre entwickeln und wenden wir nicht nur Technologien an, sondern
befassen uns auch und vor allem mit Anwendungsmethoden, die einen Bereich darstellen, den
man als "Mittel der Unterstützten Kommunikation" – AAC bezeichnen kann.
Diese Mittel, die mit elektronischer, digitaler oder synthetischer Stimmen ausgestattet sein
können oder nicht, stützen sich auf die Existenz einer Kommunikation, die wir als
"ursprünglich" bezeichnen möchten. Dieses – oft sehr begrenzte – Kommunikationsmittel ist
zunächst demjenigen sehr ähnlich, das es uns allen in den ersten Monaten des Lebens
gestattet, mit unserer Umwelt zu interagieren.
Während die "normale" Person diese Kommunikation weiterentwickelt und insbesondere durch
die orale Sprache vervollständigt, sieht sich die behinderte Person auf eine infra-verbale
Kommunikation beschränkt, d. h. eine "ursprüngliche" Kommunikation, die sich zwar im Lauf
der Zeit erweitert, die leider jedoch kein ausreichendes Leistungsniveau erreicht.
Dies ist, zusammengefasst, die Ausgangslage, auf der man ein AAC-Projekt aufbauen kann.
Es kann auch vorkommen, dass man erworbenen Krankheiten gegenübersteht, die zu einem
Sprachverlust führen können. In diesen Fällen ist der Ansatz im allgemeinen komplexer, da er
insbesondere mit dem notwendigen, aber selten abgeschlossenen Prozess des Trauerns
konfrontiert ist.
Die Methode im allgemeinen
Zunächst wird in Gegenwart von Familie und Freunden eine Bilanz der
Kommunikationsfähigkeiten der behinderten Person UND deren Umfeld erstellt. Diese
vermittelt die notwendige Kenntnis des Falles und gestattet es in gewisser Weise, das
Rehabilitationsprogramm in seinen hauptsächlichen Parametern festzulegen, d. h.:
• die zufriedenstellenden Aspekte, die die existierende Kommunikation auszeichnen,
• die Defizite, die sich aus dieser Situation ergeben, insbesondere jene, die Gegenstand eines
Zusammenwirkens des Sprechenden und der Ansprechpartner sind.
Diese nach einem bekannten Schema (GABUS, 1986) erstellte Bilanz weist darüber hinaus den
Vorteil auf, dass sie die Erwartungen der Angehörigen mit den Möglichkeiten der Fachleute
kompatibel macht. Sie ist die eigentliche Rechtfertigung des AAC-Projektes.
Beim Einsatz einer AAC-Methode wird bei jeder Etappe und soweit dies möglich ist, der
BEDÜRFNISNACHWEIS respektiert. Ein Tätigkeit vorschlagen, die nicht offensichtlich die
„Kommunizierfähigkeit“ zwischen Sprecher und Ansprechspartner verbessert, ist nicht
empfehlenswert…. Im Gegenteil, es kann dazu führen, dass die vorgeschlagene Methode
(Aktivität) abgelehnt wird, da eine Anstrengung, die, zugegebenermassen, erheblich ist, als
nutzlos betrachtet wird.
Auf vergleichbare Weise, wie die Sprache sich entwickelt, appelliert die Methode an
stimulierende Mechanismen, die nicht nur zur Entwicklung neuer Fähigkeiten bestimmt sind,
sondern auch die Lust am Kommunizieren bei den einen und den anderen wecken soll.
Die im Allgemeinen angewandten Technologien
Nach unserem Wissen stammen 80% der bis heute realisierten Projekte aus dem Bereich
„Körper- oder Mehrfachbehinderung“ beim Kind. Die Anwendungen für Erwachsene, welche
die gleichen Symptome aufweisen, sind quantitativ weniger entwickelt; das Gleiche kann man
auch dann feststellen, wenn es sich um Bereiche handelt, die krankheitsbedingt sind und keine
eigentliche Körperbehinderung mit sich führen (Trisomie, Autismus, Durchblutungsstörungen/
Schlaganfall, Erkrankungen, die – altersunabhängig – zu Demenz führen). Dieser
letzte Bereich ist unserer Ansicht nach der bedeutendste, zumindest in quantitativer Hinsicht.
Es ist eigenartig, dass er derzeit nur in sehr wenigen Arbeiten behandelt wird. Wir werden im
letzten Kapitel dieses Referates auf diesen Punkt zurückkommen.
Diese 80% erfordern häufig relativ aufwendige Technologien; zu den Problemen der
"Sprachproduktion und ihrer gesprochenen elektronischen Verbreitung" kommen häufig jene
hinzu, die sich auf die Schnittstelle zwischen dem Betroffenen und seinem Gerät beziehen. Eine
Mehrheit der traditionellen Benutzer benötigt eine Schnittstelle (Schnittstelle Mensch/Maschine).
Wenn eine Standardtastatur oder eine Maus nicht ausreichen, kann sich die Benutzung von
ergonomischen Tastaturen (unterschiedliche Dimensionen und Formen), von speziellen
Mäusen (Trackball, Joystick, optische Maus, optischer „Hirnstab“) als angemessen erweisen.
Drei klar zu unterscheidende Elemente kennzeichnen die technischen Hilfsmittel, welche die
Kommunikation erleichtern. Wie wir weiter oben gesehen haben, ist eines davon die
ergonomische Schnittstelle. Das zweite ist mit der Auswahl von Elementen verbunden (Codes),
aufgrund derer Wortsammlungen, Sprachwendungen oder andere Redewendungen verbalisiert
werden können. Mit Ausnahme jener Geräte, die nur die schriftliche Kommunikation
ermöglichen und nicht dafür gedacht sind, den Kommunikationsprozess zu beschleunigen,
bieten alle technischen Hilfsmittel in ihrem Speicher einen "Wort- und Sprachschatz" an, der im
Allgemeinen individuell und progressiv erarbeitet wird.
Selbstverständlich ist die Zahl der Codes, die diesen Wort- und Sprachschatz bilden, sehr viel
grösser als die Zahl der Tasten einer hypothetischen Tastatur.
Es muss also codiert werden, d.h., man muss den Zugang zu einer erheblichen Anzahl (50 –
2000) von Gegebenheiten (Sprach- oder Redewendungen, oft benützten Sätzen) schaffen,
damit diese mittels einer vernünftigen Tastatur – 25 bis max. 150 Tasten – abgerufen werden
können. Die Codierung ist komplex; derzeit stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die
in zwei hauptsächliche Kategorien eingeteilt werden: die Codierung durch vorherige Eingabe
eines Wortes oder einer Redewendung (geringe kognitive Belastung, die entsprechende Liste
wird automatisch und gemäss getätigter Eingabe aufgerufen (Eingabe gu = Liste: gut, guten Tag
usw.), benötigt hingegen eine lange Wartezeit) oder die Codierung von Abkürzungen
(Buchstaben oder Piktogrammen) die zwar schnell ist, jedoch eine erhebliche kognitive
Belastung mit sich bringt. (Gabus – 1997: Analyse und Vergleiche der Codierungsstrategien).
Zur elektronischen Produktion einer Stimme werden im Allgemeinen zwei Methoden benutzt:
synthetische oder digitale Stimmen. Die synthetische Stimme "rekonstruiert" die Sprache vom
Text ausgehend (weniger gute Qualität, erlaubt jedoch, alles zu sagen...). Die digitale (oder
digitalisierte Stimme) registriert die Töne oder die natürliche Sprache, wie dies ein
Aufnahmegerät tut. Obwohl die Qualität im Allgemeinen gut und die Wahrung von Dialekten
und lokalen Akzenten möglich ist, kann mit der digitalen Technologie nur das gesagt werden,
was zuvor aufgezeichnet worden ist.
Die neuen Tendenzen
Auf dem Gebiet der oben beschriebenen traditionellen AAC-Anwendungen sind unserer
Meinung nach die bedeutendsten Fortschritte und Tendenzen damit verbunden, dass die
Fachleute sich bewusst geworden sind, wie wichtig ein umfassendes Wissen auf diesem Gebiet
ist. Immer mehr Personen lassen sich gebietsspezifisch ausbilden, und die Schulungsstrukturen
entwickeln sich ganz allgemein (auch wenn noch ein beträchtlicher Weg zurückzulegen ist).
In technischer Hinsicht beziehen sich die Anstrengungen in erster Linie auf die
Codierungsmöglichkeiten mit dem Ziel, sie zu vereinfachen, ohne die Leistungsfähigkeit zu
opfern (Schnelligkeit der Kommunikation mittels des technischen Hilfsmittels). Oder anders
ausgedrückt, sie beziehen sich auf jenes Element, das man zum heutigen Zeitpunkt als das
wenig leistungsfähigste betrachten muss, das jedoch parallel dazu als das komplexeste
hinsichtlich einer Benutzung durch den behinderten Menschen (oder des Therapeuten, wenn
man die Anlehre mit einbezieht) bezeichnet werden kann.
Und ansonsten hätte Monsieur De la Palisse sicherlich gesagt:
• bessere Stimme,
• kleiner,
• einfacher,
• günstiger,
• ...und schneller.
Die neuen Anwendungsbereiche
In einem vorangegangenen Punkt sprachen wir die sehr geringe Zahl an Erfahrungen und
Projekten an, die sich mit Personen befassen, die keine oder nur eine geringe körperliche
Behinderung aufweisen, aber zum Beispiel an Aphasie, Autismus oder Trisomie leiden, um nur
einige zu nennen.





 

 

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