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DIE SITUATION AUS DER SICHT DES SEKTORS AAC

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TECHNISCH ELEKTRONISCHE HILFEN IN DER SCHWEIZ
Sprechen wir darüber; stellen wir uns in Frage!
Präsentation anlässlich der Fortbildungstagung vom
Schweizerischen Bund der Therapeuten cerebraler Bewegungsstörungen
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DIE SITUATION
AUS DER SICHT DES SEKTORS AAC

(Augmentative and Alternative Communication)
UNTERSTÜTZTE KOMMUNIKATION - COMMUNICATION AMELIOREE ET ALTERNATIVE
Autor: Barbara Ruchti, Logopädin und Beraterin für Kommunikation bei der FST
Das Gebiet der Unterstützten Kommunikation umfasst mehr als nur die Anpassung eines
elektronischen Hilfsmittels für eine behinderte Person.
Unterstützte Kommunikation geht davon aus, dass Kommunizieren ein menschliches
Grundbedürfnis ist, und versucht, Menschen ohne verständliche Lautsprache zu einer
Kommunikation zu verhelfen. Sie wird angewendet bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen,
welche aufgrung einer angeborenen oder erworbenen Behinderung ihre
Kommunikationsbedürfnisse mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmöglichkeiten
nicht befriedigen können.
Dabei können das kognitive Leistungsniveau, das Sprachverständnis, die Wahrnehmung und die
motorischen Fähigkeiten bei den einzelnen nichtsprechenden Menschen unterschiedlich entwickelt
und individuell ausgeprägt vorhanden sein.
Generell wird ein möglichst frühzeitiger Einsatz von Unterstützter Kommunikation empfohlen, der
auch sprachtherapeutische Massnahmen mit einschliessen kann, bzw. sprachtherapeutische
Massnahmen können oder sollen Unterstützte Kommunikation beinhalten.
Folgende zwei Begriffe sind wichtig in der Unterstützten Kommunikation.
1. Das multimodale Kommunikationssystem (totale Kommunikation)
Dies bedeutet, dass ein nichtsprechender Mensch alle Kommunikationsmodi, welche ihm zur
Verfügung stehen, einsetzen soll:
- Die verbleibende, meist für die nähere Umgebung verständliche Lautsprache
- Natürliche, die Kommunkation unterstützende Massnahmen wie Mimik, Blick,
Körperhaltung, etc.
- Speziell entwickelte Kommunkationshilfen wie Gebärden, graphische Darstellungen oder
elektronische Kommunikationshilfsmittel.
Der Gesprächspartner seinerseits muss auf alle diese Kommunikationsmodi eingehen und sie
aufnehmen, damit es zu einem möglichst umfassenden Austausch zwischen den beiden Partnern
kommen kann.
2. Das Partizipationsmodell
Die Idee des Partizipationsmodells ist es, zu schauen, in welcher Umgebung und mit welchen
Menschen eine nichtsprechende Person lebt und was für Kommunikationsmöglichkeiten sie
braucht, um sich mit ihnen befriedigend austauschen und am gemeinsamen Leben teilnehmen zu
können.
Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass vor dem Einsatz eines Hilfsmittels ein Projekt definiert
werden muss. Im Rahmen dieses Projektes kann ein elektronisches Hilfsmittel mit Sprachausgabe
zum Einsatz kommen, falls dies erforderlich erscheint.
Definition eines Projektes
Als erstes muss das Ziel bestimmt werden: Was soll mit einer verbesserten Kommunikation erreicht
werden.
Das Projekt betrifft nicht nur den nichtsprechenden Menschen, sondern genauso seine
Bezugspersonen. Sind sie bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen?
Es geht darum, zu bestimmen, wer welche Aufgaben beim Erarbeiten eines umfassenderen
Kommunikationssystems übernimmt. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es wichtig ist, ein
sogenanntes AAC-Team sowie einen Projektleiter zu wählen. Im Idealfall besteht das Team aus einer
Physiotherapeutin, einer Ergotherapeutin, einer Logopädin, einer Lehrerin, den Eltern und/oder
einem Gruppenleiter. Der Projektleiter führt das Team und bringt die verschiedenen Aspekte und
Informationen zusammen. In regelmässigen Sitzungen (limitierte Zeit) wird der Stand des Projektes
diskutiert.
Unsere Beobachtungen im Alltag
• Kinder
Wir stellen fest, dass in vielen Schulen für Kinder mit einer CP die Prinzipien der Unterstützten
Kommunikation bereits zur Anwendung kommen. Es gibt Personen, die seit Jahren immer wieder
Kinder ohne Lautsprache betreuen und dadurch eine grosse Erfahrung auf diesem Gebiet
gewonnen haben. Dadurch bilden sich nach und nach AAC-Teams in verschiedenen Schulen. In
diesen Institutionen sind die notwendigen Kenntnisse für den schulischen und therapeutischen
Alltag mit nichtsprechenden Kindern vorhanden. Der Beitrag der FST beschränkt sich in diesen
Fällen auf das Weitergeben von neuen Informationen, welche an internationalen Kongressen
sowohl im technischen wie auch im schulisch-therapeutischen Bereich diskutiert werden.
Zunehmend werden wir mit Fragen konfrontiert, wo es um den Einsatz von Methoden der
Unterstützten Kommunikation bei geistig- und mehrfachbehinderten Kindern geht. Hier erleben
wir oft, dass nicht von einem Projekt ausgegangen, sondern eine technische Lösung gesucht
wird. Wir haben den Eindruck, dass Kenntnissse darüber vorhanden sind, wie sich Kinder
plötzlich über ein elekronisches Hilfsmittel verständigen können (z. B. Facilitated Communication
bei autistischen Kindern). Deshalb wird in erster Linie nach einem solchen Hilfsmittel gesucht.
Hier scheint es uns nun wichtig, dass sich ein Team zuerst mit den Prinzipien der Unterstützten
Kommunikation vertraut macht, um dann ein Projekt für das nichtsprechende Kind zu
definieren. Wir von der FST können die notwendigen Informationen an das Team weitergeben
und es bei einem Projekt begleiten. Wir sind dann ein bisschen der "Motor" des Geschehens.
Auch auf diesem Gebiet der geistig- und mehrfachbehinderten Kinder gibt es Institutionen,
welche schon seit Jahren mit Methoden der Unterstützten Kommunikation arbeiten und wo sich
unsere Arbeit auf den technischen Bereich und das Weitergeben von neuesten Informationen
beschränkt.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass bei der Arbeit mit Kindern insofern günstige
Bedingungen herrschen, als dass sie das Recht auf pädagogische und therapeutische
Massnahmen haben und deshalb deren Finanzierung gewährleistet ist.
• Erwachsene
Bei Erwachsenen im Bereich der CP, für welche nie ein umfassendes Kommunikationssystem im
Sinne der Unterstützten Kommunikation aufgebaut wurde, finden wir oft eine
Zusatzbehinderung. Sie haben gelernt, dass sie nicht kommunizieren und Einfluss nehmen
können, und sind dadurch zu reagierenden an Stelle von agierenden Personen geworden. Bei
ihnen besteht ein wichtiger Teil des Projektes darin, sie aus dieser Passivität herauszuholen und
ihnen zu zeigen, wie sie ein aktiver Gesprächspartner werden und damit eine Rolle in ihrem
sozialen Umfeld übernehmen können.
Eine Schwierigkeit für unsere Arbeit in diesem Bereich scheint uns, dass erwachsene Behinderte
mit einer CP kein Anrecht mehr haben auf pädagogische und therapeutische Massnahmen.
Dadurch wird es schwierig, ein Team zu bilden, welches ein Projekt für diese Person definiert
und sie begleitet. Die Betreuungspersonen sind oft mit ihren alltäglichen Aufgaben voll
ausgelastet.
Ein wichtiger Beitrag der FST in diesem Bereich ist es, die Umgebung des nichtsprechenden
Menschen für eine neue Art der Kommunikation zu sensibilisieren. Nur wenn sie bereit ist, diese
Kommunikation im Alltag umzusetzen, wird ein Projekt Erfolg haben. Weiter können wir eine
Equipe in ihren Bemühungen um ein umfassenderes Kommunkationssystem für eine
nichtsprechende Person unterstützen und die von ihnen erreichten Fortschritte wertschätzen.
Wir stellen nämlich immer wieder fest, dass in einer Institution ein Projekt erfolgreich verläuft, die
Equipe sich aber nicht bewusst ist, dass sie sich mit ihrer Arbeit auf dem richtigen Weg befindet.
Wir möchten in einem letzten Teil darauf eingehen, welche Gegebenheiten die Arbeit von uns aus
der FST erschweren und welche sie erleichtern.
Erschwerende Bedingungen
• Wir finden es schwierig, wenn wir an einem Projekt nicht beteilig sind und nur das Gerät zur
Verfügung stellen können. Einerseits besteht die Gefahr, dass nicht erfolgreich gearbeitet werden
kann, weil die verantwortliche Bezugsperson mit dem Gerät zu wenig vertraut ist. Andererseits
gehen bei einem erfolgreichen Einsatz wertvolle Erfahrungen für andere nichtsprechende
Menschen und ihre Umgebung verloren.
• Ein Problem stellt sich uns, wenn in einer Equipe keine Kenntnisse über die Unterstützte
Kommunikation vorhanden sind und gleich ein Gerät mit Sprachausgabe eingesetzt werden soll.
Unsere Erfahrung zeigt, dass sich ein Team zuerst die grundlegenden Prinzipien dieses
Fachgebietes aneignen muss, um erfolgreich ein Projekt zu planen und durchzuführen.
• Erschwerend wirken sich auch die Distanzen zwischen uns als Beraterinnen und den
verschiedenen Institutionen aus. Ideal wäre es, in jedem Landesteil ein Beratungszentrum zu
haben. In diese Richtung gehen die Ideen von SVUK/PRE-ISAAC F, worüber Ihnen DL und DS
näher berichten werden.
Erleichternde Bedingungen
• Eine Hilfe für unsere Arbeit ist es, wenn in einer Institution bereits Kenntnisse über das Gebiet
der Unterstützten Kommunikation vorhanden sind und sich aus den verschiedenen
Berufsrichtungen ein sogenanntes "AAC-Team" gebildet hat.
• Erleichternd ist es auch, wenn sich aus einem Team heraus ein Mitglied als Projektleiter zur
Verfügung stellt und bereit ist, sich für eine Weile intensiv mit dem Gebiet der Unterstützten
Kommunikation sowie der Technik eines zum Einsatz kommenden Gerätes auseinanderzusetzen.
Durch die Erfahrungen, die er dabei sammelt, entsteht oft eine neue "AAC-Zelle" um ihn herum.
• Wir erleben immer wieder, wie kreativ ein Team in seiner Arbeit beim Einsatz eines Hilfsmittels mit
Sprachausgabe ist, wenn es sich mit dem Thema der Unterstützten Kommunikation und der
Technik des Gerätes auseinandergesetzt hat. Aber: man kann und wagt es erst, kreativ zu sein,
wenn man die Materie beherrscht.
• Ein Vorteil für uns alle, die wir auf diesem Gebiet arbeiten, scheint uns, dass es in der Schweiz
die IV gibt, welche es ermöglicht, dass ein Hilfsmittel immer wieder neu den Möglichkeiten des
Benutzers angepasst wird und dass ein solches, wird es nicht mehr gebraucht, anderen
Personen zur Verfügung gestellt werden kann.
• Für unsere tägliche Arbeit "auf dem Terrain" sind wir froh um unsere Kolleginnen und Kollegen
in der FST. Dadurch, dass wir ein Team mit Menschen aus verschiedenen Berufsrichtungen
sind, können wir uns mit unserem jeweils unterschiedlichen Erfahrungshintergrund
untereinander austauschen und unterstützen.
• Überhaupt erst ermöglicht wird unsere Arbeit durch das Vertrauen, das uns bei unserer
Beratungstätigkeit entgegengebracht wird. Deshalb möchte ich meine Ausführungen mit einem
herzlichen "Danke-schön" an Sie alle für die immer wieder spannende und fruchtbare
Zusammenarbeit schliessen.
Barbara Ruchti / Dominique Schönbächler, 25.10.1996





 

 

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