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Ein Kommunikationsbuch, B.A.Bar, ein Computerprogramm und eine s

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2. B.A.BAR SEMINAR – 11/12.06.2001

Ein Kommunikationsbuch, B.A.Bar, ein
Computerprogramm und eine sehr präsente
Familie: der Fall von Jean-François.

«Wenn für manche Schweigen Gold ist, hat für andere die Sprache keinen Preis!»
Inhaltsverzeichnis d es E xposés
1. Vorstellung von Jean-François
2. Ursprung des B.A.Bar-Projektes
3. Vor dem B.A.Bar-Ansatz
4. Entwicklung der praktischen Benutzung des Gerätes
5. Schlussfolgerung und erwähnenswerte Ereignisse während des Einsatzes von B.A.Bar
1. V orstellung v on Jean-Françoi s
Jean-François ist ein Junge von 13 Jahren und 5 Monaten (Geburtsdatum: 24.12.87). Er leidet an
einem Fehlbildungssyndrom vom T y p Rubinstein-Taybi, bei dem es sich um eine Varietät von
angeborenem Minderwuchs mit morphologischen Anomalien handelt. Es besteht eine Verzögerung
der Knochenreifung und der intellektuellen Entwicklung. Die Ursache des Syndroms ist unbekannt.
Jean-François hat zwei Brüder. Er lebt auf dem Land. Seine Eltern besitzen und betreiben einen
Bauernhof. Während der Woche ist er mit Papa und Mama alleine, da die beiden grossen Brüder im
Internat sind.
In motorischer Hinsicht ist zu sagen, dass er normal läuft, seine Gliedmassen sind nicht betroffen. Er
kann laufen, springen, Rad und Roller fahren, reiten ...
Im Hinblick auf die Kommunikation glauben wir, dass er viele Dinge versteht, dass er aber wenige
Mittel hat, sich auszudrücken. In der Familie setzt er alles daran, sich verständlich zu machen. In der
Tat verwendet er Gebärden, unterschiedliche Intonationen und wird verstanden, vorausgesetzt, es
sind Papa, Mama, Christophe oder Fabian, an die er sich wendet. Er hat gute Kontakte zu den
Mitgliedern seiner Familie, die sehr für ihn da sind.
Jean-François spricht nicht, stösst wenige Laute und kleine Schreie mit unterschiedlicher Betonung
aus. Er besitzt weder eine gesprochene noch eine geschriebene Sprache. Das Verständnis ist
manchmal gestört und seine Konzentrationsfähigkeit ist ein Faktor, der gelegentlich Lernen und
Kommunikation blockiert. Er hat grosse Schwierigkeiten mit der Koordination von
Bewegungsabläufen (im Sinne einer Apraxie).
Bevor er in unsere Schule kam, war er in einer Klasse vom Typ II, in der die Arbeit auf die
Selbständigkeit der Kinder ausgerichtet war. Jean-François besucht unsere Schule seit September
2000. Er kam zu uns, um die Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln, die das Lernprojekt unserer
Einrichtung ist. Dieser Wunsch nach einer Schulung der Kommunikationsfähigkeit ging von der
Familie aus.
2. U rsprung d es B .A.Bar-Projektes
Im Verlauf des Schuljahres 1999-2000 haben wir in unserer Schule von dem B.A.Bar-Projekt gehört.
Da wir auf das Evaluationsangebot eingingen, das in den Rahmen unseres auf die Kommunikation
ausgerichteten Schulprojektes passt, erhielten wir im September 2000 ein Gerät.
Unter den zu Schulbeginn im September neu in unsere Schule gekommenen Kindern war Jean-
François derjenige, bei dem es angesichts seines Alters und der Bitte der Eltern galt, rasch zu
handeln. Daher haben wir ihm B.A.Bar persönlich zugesprochen. Da B.A.Bar als
Kommunikationswerkzeug diente, war es nicht möglich, ihn anderen Kindern zu "borgen". Das
Gerät wurde folglich von Jean-François mit nach Hause genommen.
Von Anbeginn an wurde ein Kommunikationsbuch als Stütze für den Einsatz von B.A.Bar angelegt.
3. V or d em B .A.Bar-Ansatz
Das Kommunikationsbuch wird zu Schulbeginn angelegt. Dieses Buch wird von einem
elektronischen Kommunikationsprogramm aus erstellt, aus dem man Piktogramme, Photos
entnehmen kann. Das Buch ist in Themen-"Schränke" unterteilt. Jeder Schrank enthält je nach
Themen unterschiedliche Wörter. Dies verhalf ihm zu einer Kommunikation durch Piktogramme und
Zeigen. Mit dieser Hilfe wurde er wirklich "kommunizierend". Somit konnte er kleine Gespräche auf
der Basis seines Buches führen. Wenn er zu kommunizieren wünschte, war sein Ansatz dem
anderen gegenüber jedoch aggressiv und wurde nicht von allen gut akzeptiert. Die Verwendung des
Buches ohne B.A.Bar war möglich, aber ohne stimmliche Rückmeldung, ohne auditives Feedback. Im
Hinblick auf das Leben und die Anerkennung von Jean-François in der Gesellschaft erschien es uns
sehr wichtig, ihm die Möglichkeit zu geben, seinen Mitteilungen eine Stimme zu verleihen.
4. D ie E ntwicklung d er p raktischen V erwendung v on B .A.Bar
Aber das war nicht ausreichend. In der Tat wurde der Angesprochene es ohne sprachliche
Rückmeldung rasch leid, denn er verstand nicht, was die Mitteilung wollte.
Der Bedürfnisnachweis für die Verwendung des Gerätes ist es, sich Gehör zu verschaffen, zu
verstehen sowie gehört, verstanden zu werden.
Der B.A.Bar-Ansatz erlaubte es Jean-François also, dem Empfänger der Mitteilung eine auditive
Information, eine stimmliche Rückmeldung zu präsentieren.
Anfangs zeichneten die Mama und ich die Mitteilungen auf. Aufgrund verschiedentlicher Ratschläge
wurden wir uns bewusst, dass diese Vorgehensweise nicht die richtige für das Kind war, das s o
eine weibliche Stimme bekam. Wir wählten folglich ein Kind gleichen Geschlechts aus, das nicht zu
seiner Familie, seiner Klasse oder seinem Therapieumkreis gehört. Dieser Junge heisst Bruno. Jean-
François verstand rasch die Benutzung seines Kommunikationsbuches. Schon sehr bald mussten
wir die Schränke verdoppeln, da sein Wortschatz grösser wurde. In der Tat hatte er bald 95 Wörter
mit ihren Strichcodes. In der Folge war die Bildung von Sätzen möglich, da wir über grammatikalisch
korrekte Elemente verfügten. Mit Hilfe des elektronischen Kommunikationsprogramms werden die
gebildeten Sätze ausgedruckt und mit nach Hause genommen. Er benutzt sein Kommunikationsbuch
und B.A.Bar zur direkten Kommunikation (Grundbedürfnisse), aber auch zum Beispiel, um sein
Wochenende zu erzählen.
Das Gerät wird im Unterricht verwendet – zum Beispiel, wenn er in die Logopädie oder die
Informatikstunde gehen muss, erbittet er die Erlaubnis seiner Lehrerin mit Hilfe seines Buches und
des Gerätes – aber auch zu Hause, wenn er die Aktivitäten und Ereignisse des Tages erzählt.
Das Gerät wird auch in der Logopädie zur Codierung der neuen Wörter mit seinem Freund Bruno
sowie zum Erlernen vollständiger und strukturierter Mitteilungen verwendet. Bruno codierte die
Wörter in seinem Beisein. Auf diese Weise konnte Jean-François die Herkunft seines Vokabulars und
der stimmlichen Rückmeldung verstehen.
Aber leider läuft nicht immer alles zum Besten auf dieser Welt! Die Technik hat dem Verhalten und
Handeln von Jean-François nicht standgehalten. Das Gerät ist mehrmals heruntergefallen und war
zweimal kaputt. Während dieser Zeit verwendete er sein Kommunikationsbuch durch alleiniges
Zeigen.
5. S chlussfolgerungen u nd e rwähnenswerte E reignisse w ährend d es E insatzes v on B .A.Bar
a) Frustration
Während der zwei Pannen des Gerätes haben wir bei Jean-François Verhaltensweisen beobachtet,
die er eigentlich abgelegt hatte, d.h. er näherte sich den anderen in aggressiver Weise, klammerte
sich an die Personen in seinem Umfeld, drückte sie sehr fest in seine Arme, zog auf aggressive
Weise an den Armen, um das gewünschte Piktogramm oder Photo zu zeigen. Überdies bemerkten
wir, dass er wieder verschlossener wurde, sich isolierte, da man ihn nicht mehr auf die gleiche
Weise verstand.
Es besteht kein Zweifel, das Gerät macht die Kommunikation für Jean-François erheblich bequemer.
b) Grenzen des Gerätes für Jean-François
Angesichts der eingeschränkten motorischen Fähigkeiten von Jean-François ist das Gerät leider
immer wieder heruntergefallen und hat zu einer Beschädigung geführt. Wir mussten es in die
Schweiz zurückschicken.
Inzwischen hat die Mama eine Schutzhülle für das Gerät anfertigen lassen, um die Folgen
unvermeidlicher Stürze zu begrenzen.
c) Die Nichtakzeptanz durch die Familie
Bei Ankunft des Gerätes bei Jean-François zu Hause waren die beiden Brüder und die Eltern stark
mit den Arbeiten auf dem Bauernhof beschäftigt. Jean-François plauderte mit ihnen über die
Aktivitäten seines vergangenen Tages und die für den nächsten Tag programmierten. Kurz gesagt, er
plauderte gerne.
Als Jean-François bei Familientreffen wie zum Beispiel zu Weihnachten und Neujahr auf die anderen
zuging, um ihnen etwas mitzuteilen, lehnten diese die Kommunikation ab und taten die Nützlichkeit
von B.A.Bar als ein "akustisches Spiel" ab! Folglich wird das Gerät in der Familie vermieden. Dies war
eine negative Erfahrung für die Mama, die sich mehr von ihren Angehörigen erhofft hatte! In diesem
Zusammenhang haben wir ein Kommunikationsproblem in einem System erlebt, das auf die
Kommunikation abzielt!
Dies war im Wesentlichen der einzige Misserfolg der Verwendung des Gerätes in der Familie.
d) Bewusstwerdung der Lippen als das stimmbildende Organ
Infolge der Benutzung des Gerätes haben wir bemerkt, dass Jean-François seine Lippen benutzte,
um eine verbale Kommunikation zu versuchen. In manchen Situationen presst er die Lippen
zusammen, so als wolle er ein (m), ein (p) oder ein (b) sagen.
Einige haben gehört, dass er das Wort "Maman" sagte!
e) Freundschaft
Dank des B.A.Bar-Ansatzes und der Mitarbeit von Bruno ist eine freundschaftliche Beziehung
zwischen den beiden Kindern entstanden. Seitdem begrüssen sie sich auf den Gängen und spielen
in den Pausen zusammen.
Diese Freundschaft kommt auch durch den Austausch von Geschenken zum Ausdruck.
f) Dank dieses Gerätes sind die Menschen im Umfeld von Jean-François und insbesondere seine
Schulkameraden neugierig geworden, seine Mitteilungen zu hören. Sie betrachten Jean-François als
jemanden, der kommuniziert, der eine Information gibt und sie auch von den anderen erwarten
kann. In der Familie ist er in Bezug auf seine Äusserungen sicherer geworden. Er ist sogar fähig,
seine Brüder solange zu nerven, bis sie verstanden haben, was er zu sagen hat.
Wir können also bestätigen, dass "der B.A.Bar-Ansatz der Stimulierung und Vereinfachung der
Kommunikation dient."
Die Schlussfolgerung unserer Arbeit mit Jean-François lässt sich in diesem Satz zusammenfassen:
«Wenn für manche Schweigen Gold ist, hat für andere die Sprache keinen Preis.»





 

 

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