2. B.A.BAR SEMINAR – 11/12.06.2001 Projekt "Surdi.Bar" Gehör- und Verständnistraining für Schwerhörige, die vor kurzem ein Hörgerät erhieltenCendrine Hirt Die Schweizer Stiftung für elektronische Hilfsmittel (FST) in Neuchâtel hat sich auf die Anwendung der Technologie im Dienste behinderter Personen und ihrer Umwelt spezialisiert und entwickelt seit vielen Jahren technische Hilfsmittel, insbesondere im Kommunikationsbereich. Vor kurzem hat die FST ein Gerät mit Namen "B.A.Bar" entwickelt, das verschiedenartige Anwendungen im Sprach- und Kommunikationsbereich für Kinder und Erwachsene bietet. Einer der Bereiche, in denen dieses Gerät ein neues therapeutisches Werkzeug als Hilfsmittel für Stimulation und Training des Gehörs bilden könnte, ist die Schwerhörigkeit beim Erwachsenen. Bei B.A.Bar handelt es sich um ein Lesegerät, das dem an den Kassen von Geschäften verwendeten ähnlich ist; sein Gehäuse enthält die für das Lesen von Strichcodeetiketten notwendige Optik (für maximal 10'000 Etiketten) sowie ein Mikro, das die Aufzeichnung und die Wiedergabe von Stimme, Wort und Ton gestattet (bis zu 32 Minuten Aufzeichnungskapazität). Dieses Gerät kann als eine Quelle akustischer Informationen (Stimme, Sprache, Klänge, Geräusche) benützt werden, die unter bestimmten Strichcodes aufgezeichnet wurden und jedes Mal, wenn das Gerät in Position zum Lesen des gewählten Strichcodes ist, akustisch wiedergegeben werden. Folglich kann dieses Gerät als ein Arbeitswerkzeug zur Verbesserung der auditiven Wahrnehmung und Erkennung sowie des Verständnisses des Wortes und der Umweltgeräusche verwendet werden. Ziele des Projekts Förderung der Adaptation und Gewöhnung von Schwerhörigen an ihre neue Hörprothese. Der Bedürfnisnachweis der Schwerhörigen, die erst kürzlich ein Hörgerät erhielten, besteht darin, dass ihnen dazu verholfen werden soll, * einen maximalen Nutzen aus ihrem Hörgerät zu ziehen, * die auditiven Informationen in Form von Wörtern und Umweltgeräuschen, die ihnen die Prothesen bringen, so angemessen wie möglich zu interpretieren. Wir formulieren die Hypothese, dass es möglich wäre, die Effizienz der klassischen Hörprothesen dadurch zu optimieren, dass man B.A.Bar in seiner das Hören stimulierenden Funktion als therapeutisches Instrument und Mittel zum täglichen Training zu Hause einsetzt. Hypothesen in Bezug auf die Unterstützung, die B.A.Bar gewährt *Eine Schulung des Hörens und des Sprachverständnisses, die unmittelbar nach der Versorgung mit einem Hörgerät erfolgt, müsste eine bessere Anpassung an die Prothese gestatten und könnte eine ungenügende Nutzung des Hörgerätes oder sogar dessen Nichtbenutzung vermeiden. *Die Schwerhörigen müssten bei dieser Hörschulung begleitet werden, die spontan nicht optimal durchgeführt werden kann; es scheint daher notwendig, eine gezielte tägliche Stimulation anzubieten, die verbale (Sprache) und nicht-verbale Elemente (Umweltgeräusche) umfasst. In der Tat verlangt die auditive Rehabilitation nach einem ständigen Training. *Ein Wiedererlernen des aktiven Hörens ist entscheidend, denn diese Fähigkeit geht beim Auftreten einer Schwerhörigkeit häufig verloren oder wird zu wenig genutzt, insbesondere wenn zwischen den ersten subjektiven Zeichen einer Hörschwäche und der Diagnose der Schwerhörigkeit, die zur Anpassung eines Hörgerätes veranlasst, längere Zeit vergangen ist. Selbst mit einem Hörgerät muss das Ohr "gespeist", geschult werden, die Welt akustisch wahrzunehmen. Das Gerät reicht nicht aus, um die Hörbahnen zu schulen; es ist auch notwendig, ergiebige, abwechslungsreiche und angemessene auditive Stimulationen anzubieten. Kandidaten für das Projekt Fünf schwerhörige Erwachsene (im Erwachsenenalter infolge einer Krankheit, eines Unfalls, von Arbeitsbedingungen in einem lärmbelasteten Milieu oder altersbedingt erworbene Schwerhörigkeit), die vor kurzem mit einem klassischen (retro- oder intraaurikulären) Hörgerät versorgt wurden. Unerlässliche Bedingungen: Die betreffende Person muss von dem Gedanken motiviert sein, an einem Forschungsprojekt teilzunehmen, das der Schulung des Hörens und Verstehens dient und in Form einer Sitzung von 1 Stunde pro Woche 3 Monate lang stattfindet, ohne dass Kosten für den Kandidaten oder den Hörgerätespezialisten entstehen (das Projekt wird von der FST subventioniert). Verlauf des Projekts Nach der Anpassung des Hörgerätes und den vom Hörgerätespezialisten vorgenommenen Hörtests (Ton/Stimmaudiogramm), werden 12 Sitzungen von jeweils einer Stunde pro Woche zur Durchführung dieser Hör- und Verständnisschulung angeboten. Dem Kandidaten wird während der 3 Monate ein B.A.Bar zur Fortsetzung des Trainings zu Hause zur Verfügung gestellt. Während der Sitzungen werden zahlreiche Aktivitäten zur auditiven Wahrnehmung und Erkennung von Tönen, Wörtern, Sätzen, aber auch Umweltgeräuschen über das Hörgerät angeboten und die Übungen können dank des Gerätes zu Hause fortgesetzt werden. Der betreffende Hörgerätespezialist wird gebeten werden, eine Kopie der Ton- und Stimmaudiogramme, die er zum Zeitpunkt der Anpassung des Gerätes gemacht hat (Tests mit dem Hörgerät), zur Verfügung zu stellen und am Ende der 12 Schulungssitzungen ein neuerliches Tonund Stimmaudiogramm mit dem Hörgerät zu machen.
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