TECHNISCH ELEKTRONISCHE HILFSMITTEL IN DER SCHWEIZ Sprechen wir darüber; stellen wir uns in Frage! Durchgeführte Umfrage hinsichtlich der Fortbildungstagung vom Schweizerischen Bund der Therapeuten cerebraler Bewegungsstörungen * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * UMFRAGE 1996 Zweiter Teil: Die Synthese Vorwort Erinnern wir uns daran, dass diese Umfrage in Sonderschulen vorgenommen wurde. Die nun folgende Synthese bezieht sich dementsprechend zum grössten Teil auf diesen Bereich. Eine gleiche Umfrage bei erwachsenen Personen würde sich spürbar von den nun zusammengefassten Ergebnissen unterscheiden. Es bestehen beträchtliche Unterschiede, vor allem hinsichtlich der Vergangenheit der Benutzer sowie der therapeutischen Mittel, die bei Erwachsenen sehr viel limitierter sind als im Bereich der Sondererziehung. 1. W er s ind S i e ? 1.1. Welchen Beruf üben Sie aus? Im Vergleich zu anderen Bereichen finden wir in der Sondererziehung sehr viel mehr pädagogisch geschulte Fachkräfte als Personen, die aus einer anderen Berufsgruppen stammen. Die Tatsache, dass vorwiegend Sonderschullehrer unseren Fragebogen ausgefüllt haben soll also nicht erstaunen und auch nicht zu falschen Schlüssen führen; Sonderschullehrer sind nicht motivierter oder mehr von der Thematik der technischen Hilfen betroffen als andere Berufsgruppen.... Sie werden nur einfach häufiger mit der Benützung dieser Hilfen konfrontiert. Wir können hingegen heute feststellen, dass je länger je mehr auch andere Berufsgruppen direkt mit der Anwendung dieser Hilfsmittel konfrontiert werden; es handelt sich vorwiegend um Ergotherapeuten und Logopäden. 1.2. Welche Erfahrung haben Sie gesammelt? Wir stellen fest, dass vorwiegend in jenen Bereichen Erfahrungen gesammelt worden sind, wo technische Hilfen stark befürwortet werden. Technische Kommunikationshilfen oder pädagogische Anwendungen für den Computer stossen heutzutage auf ein fast unbestrittenes Interesse, auch wenn die Prioritäten, je nach Institution, leicht unterschiedlich sind. Es erstaunt übrigens auch nicht, dass Sie im Bereich der Umweltkontrolle fast keine Erfahrungen gesammelt haben. Gemäss unseren Informationen hat nur die Heimschule La Cassagne in Lausanne die Umweltkontrolle als ganzheitlicher Bestandteil IN DER SCHULE integriert. 2. Was denken Sie ? 2.1. Bedeutung der Thematik Wir dürfen mit Genugtuung feststellen, dass der Nutzen der technischen Hilfen in ihren jeweiligen Anwendungsbereichen heutzutage anerkannt ist. Wir glauben nicht, dass diese Tatsache auf die Begeisterung einiger Spezialisten zurückzuführen ist, so wie es noch vor zehn Jahren der Fall war. In dieser Feststellung sehen wir aber auch eine wichtige Erkenntnis: nämlich jene der potentiell vorhandenen intellektuellen Fähigkeit eines Kindes mit schwerer Behinderung, aufgrund derer es erhöht Anrecht auf diese Art von Hilfen hat, was wiederum dazu beiträgt, dass es sich weiterentwickeln kann. Ein Nichtanerkennen dieser möglichen Intelligenz könnte ein Kind dazu verurteilen, sich NICHT weiterzuentwickeln. So wie die Anerkennung dieses Potentials nicht zu starke Hoffnungen wecken darf..... Es handelt sich zweifelsohne um eine sehr delikate Situation, die nicht einfach zu handhaben ist. 2.2. Ausbildung Beim Erfassen der Resultate in Bezug auf die Information und Ausbildung im Bereich der technischen Hilfen geht klar hervor, dass diese zwei Punkte allgemein als ungenügend eingestuft werden. Analysieren wir also diese Thematik unter zwei Gesichtspunkten; den Inhalt und die Form. a) Der Inhalt: In der FST widmen wir einen relativ wichtigen Teil unserer Zeit und unserer Mittel der Grund- und Weiterausbildung unserer Mitarbeiter. Zudem arbeiten wir eng mit Berufskollegen aus dem Ausland zusammen, um regelmässig die neusten Erkenntnisse auszutauschen (Publikationen, Lehrtätigkeiten anlässlich von Kursen). Es scheint uns jedoch angebracht einzugestehen, dass, gemäss unserem Wissen, heutzutage niemand in der Lage ist, über alle notwendigen Kenntnisse, die Voraussetzung für eine gute Arbeit sind, in allen Anwendungsbereichen der technischen Hilfsmittel zu verfügen. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass uns hauptsächlich noch jene Elemente fehlen, die uns eine präzisere Projektdefinierung mit jedem Kind erlauben und die eine fortlaufende Betreuung gewährleisten. Auch fehlen uns die Mittel, welche die Auswertung der Resultate erlauben. Bestimmt wurden in den letzten Jahren zahlreiche Fortschritte erzielt, sei dies in Neuenburg oder in Zürich. Wir wünschen jedoch bescheiden zu bleiben und unsere Arbeiten weiterzuentwickeln. Auch würden wir, als Spezialisten in der Anwendung technischer Hilfen, eine enge Zusammenarbeit mit Ihnen, als Fachkräfte im direkt betroffenen Umfeld, sehr begrüssen. Arbeiten wir je länger je mehr partnerschaftlich zusammen! Aufgrund unserer Berufserfahrung haben wir den Vorteil, von zahlreichen Fällen Kenntnis zu haben (über 3000 Personen benützen momentan in der Schweiz Hilfsmittel, die von der FST geliefert wurden), während Sie genaue Einsicht über die alltägliche (oder fast alltägliche) Betreuung einiger Fälle haben. Diese beiden Kompetenzbereiche sind ausgesprochen ergänzend. b) Die Form: Information: In der FST befindet sich eine permanente Ausstellung. 1996 verzeichnen wir 20% mehr Besucher als im Vorjahr (über 400 Personen werden bis Ende dieses Jahres unsere Ausstellung besucht haben); dies entspricht unserer Meinung nach einer erweiterten Nachfrage nach Information. Anlässlich dieser Besuche geht es nur sehr selten darum, einfach das vorhandene Material vorzuführen. Je länger je mehr wünschen die Besucher eine "anwendungsbedingte" Information (für wen, wie mit wem, bis wohin kann man gehen? usw...) Grundausbildung: Jedes Jahr organisieren wir mehrere Ausbildungskurse in unseren Räumen in Neuenburg oder aber, in gewissen Fällen, in Bern. 1995 absolvierten ungefähr 60 Personen den einen oder anderen Kurs. 1996 hat sich die Anzahl Kursteilnehmer verdoppelt. Dies könnte die Nachfrage nach spezifischer Ausbildung, wie sie im Rahmen unserer Umfrage geäussert wurde, bestätigen. Gewisse Anzeichen lassen auch darauf schliessen, dass eine Ausbildung vor Ort immer öfter gewünscht wird. Zum heutigen Zeitpunkt können wir nicht immer auf diese Anfragen eingehen. Wir versuchen aber, uns dieser neuen Tendenz anzupassen. Von der SVUK werden ebenfalls Ausbildungskurse im Bereich der Unterstützten Kommunikation angeboten . Unterstützung bei der Projektdefinierung und der Inbetriebnahme: Unsere Interventionen anlässlich der Inbetriebnahme eines Geräts werden oftmals wegen Zeitmangels vonseiten der sich an Ort befindenden Teams gebremst. Vielleicht können wir, als Parallele zu diesem Zeitmangel, den Wunsch nach mehr Ausbildung gegenüberstellen; wären die Teams besser ausgebildet, dann könnten sie in dieser Arbeitsphase autonomer agieren. Die Rolle der vernetzten Zusammenarbeit: Um die Information und Ausbildung zu fördern, soweit dies möglich ist, wäre es illusorisch, sich nur auf die bereits etablierten Strukturen (DAB, FST) verlassen zu wollen. Netzorganisationen wie der SVUK oder PRE-ISAAC-F müssen sehr ernst genommen werden. Das Fördern des Informationsaustauschs zwischen Personen, die Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt haben, könnte bestimmt dazu beitragen, das Niveau der Information und Ausbildung zu verbessern. Behandeln der Thematik während der Ausbildung: Der Wunsch, sich noch während der Ausbildung über das Gebiet der technischen Hilfen weiterbilden zu können, wurde massiv und von einer grossen Mehrheit geäussert. In den vergangenen Jahren haben einige Schulen (Zürich, Biel, Neuenburg, Genf) die Information über Telethesen in ihren Schulplan aufgenommen. Je nach Schule handelt es sich um einige Lektionen oder einen ganzen Tag. Im Normalfall besuchen uns die Schüler hier in Neuenburg, um unsere Ausstellung zu besuchen. Wir glauben, dass es sich hier um einen interessanten Schritt handelt und die Schüler dieser Thematik näher bringt. Vielleicht sollten wir aber noch weiter gehen und ein Ausbildungsprogramm "technische Hilfen" ausarbeiten, das sich an all jene Personen richtet, die eine spezifische Ausbildung absolvieren, also an zukünftige Ergotherapeuten, Logopäden, Erzieher, Heilpädagogen, Ärzte (Allgemeinpraktiker) oder Kinderärzte. Wir könnten eine Art "Mischausbildung" mit Themenbearbeitung unter verschiedenen Aspekten vorschlagen: Aufenthalt in unserer Equipe, spezifische Studienarbeit, Besuch einer oder mehrerer anerkannten Spezialschulen, unter Vorbehalt, dass sich diese damit einverstanden erklären. Zweifelsohne würde es sich lohnen, näher auf diesen Vorschlag einzugehen..... 2.3. Die vorhandenen Produkte und deren Lieferanten Auch wenn die Qualität der auf dem Markt erhältlichen Produkte im Allgemeinen als recht gut eingestuft wird, müssen weiterhin Verbesserungen angestrebt werden. Dies ist nicht unbedingt einfach, da die notwendigen Mittel oftmals fehlen. Im Vergleich zu anderen wirtschaftlichen Zweigen stellt der Bereich der Telethesen keinen eigentlichen Markt dar. Dies führt dazu, dass nur kleine Serien produziert und dementsprechend auch nur bescheidene Mittel zur Verfügung gestellt werden. Hinzu kommt eine grosse Anzahl verschiedener Produkte, die bereits heute auf dem Markt erhältlich sind: Im Lagerbestand der FST befinden sich momentan genau 536 verschiedene Artikel; eigentlich eine ungeheure Anzahl, verglichen mit dem Verkaufsvolumen und dem Umsatz. Einige Produkte werden zum Teil nur einmal alle zwei Jahre verlangt (es handelt sich im Übrigen um durchaus berechtigte Anfragen).... Will man jedoch einer grösstmöglichen Anzahl von Personen das am besten angepasste Hilfsmittel verschaffen können, bedingt dies eben, dass man all diese verschiedenen Artikel anbieten kann. Aus diesem Grund wird die FST, solange es ihre Mittel erlauben, auch weiterhin diesen Service anbieten. Aus der Studie geht hervor, dass die Benutzer der Telethesen im Grossen und Ganzen mit den erhaltenen Dienstleistungen der Lieferanten zufrieden sind (in der Schweiz handelt es sich vorwiegend um Active Communication und FST). Was die FST anbelangt, so verschicken wir systematisch einen Fragebogen, um vom Benutzer die Qualität der erhaltenen Dienstleistungen einstufen zu lassen. 1995 erhielten wir 38 % der verschickten Formulare retourniert. Von diesen wiederum würden über 90 % die FST an andere Personen weiterempfehlen. Es wäre jedoch interessant zu wissen, was die restlichen 62 % von unseren Dienstleistungen halten... Es scheint aber allgemein bekannt zu sein, dass man eher Tendenz hat, auf einen Misszustand aufmerksam zu machen, als seine Zufriedenheit bekannt zu geben. Hoffen wir also, dass dieses Prinzip auch auf unseren Bereich zutrifft. Wenn wir die Nachfragesteigerung ein bisschen näher beobachten, dann können wir feststellen, dass die Ansprüche vonseiten unserer Benutzer je länger je höher geschraubt werden - was wir übrigens als durchaus legitimiert und normal betrachten - und uns automatisch dazu "verurteilen", unsere Tätigkeiten laufend zu verbessern... 2.4. Welches sind die prioritären Anwendungsbereiche? Nimmt man zur Kenntnis, dass die Bereiche "Unterstützte Kommunikation", "pädagogische Anwendung des Computers" sowie "Deplazieren im Rollstuhl" als prioritär eingestuft werden, dann könnte man davon ableiten, dass zwischen den diversen Teams eine immer grössere Einstimmigkeit herrscht. Wir sind ab dieser Feststellung erfreut: weist sie nicht auf eine immer grösserer Reife in diesem Bereich hin? Wir waren überrascht festzustellen, dass eine grosse Nachfrage für den Bereich der Umweltkontrolle geäussert wurde: auf 44 Antworten betrachten ihn 20 als sehr wichtig. Das ist neu. Wir werden dieser Tatsache Rechnung tragen und uns darauf vorbereiten, dass in den kommenden Jahren mit einer verstärkten Nachfrage gerechnet werden muss. Kann man davon ausgehen, dass die Heimschule La Cassagne nicht mehr die einzige Schule in der Schweiz ist, die das Prinzip der Umweltkontrolle integriert hat? Die Zukunft wird es zeigen. 3. W as w ünschen S ie? Die Antworten auf diese Kategorie von Fragen sind klar. Sie wünschen systematisch: a) mehr Mittel für die Ausbildung (Wahl der Kurse, genügend Zeit); b) kompetentere Dienstleistungen vonseiten der Lieferanten; c) einfachere und benutzerfreundlichere Geräte. 4. W as e rwarten S ie v om technischen F ortschritt ? Nebst einer grösseren Zuverlässigkeit und noch benutzerfreundlicheren Maschinen wurde der Wunsch geäussert, technische Hilfsmittel untereinander kombinieren zu können. Dieser Punkt wurde von einer grossen Mehrheit von Ihnen stark herausgehoben; auf 44 Antworten betrachten 30 diesen Punkt als sehr wichtig. 5. Z usammenfassun g Zusammenfassend möchten wir Ihnen aufgrund der erhaltenen Resultate sowie unserer Erfahrungen folgende Situationsanalyse unterbreiten. a) Quantitative Steigerung dieses Bereichs in der Schweiz Die FST besitzt ein aussagekräftiges EDV-gesteuertes Geschäftsführungsprogramm, mit welchem sie die quantitative Steigerung der Nachfrage relativ genau verfolgen kann. Seit 1991 hat sich die Zahl der Personen, die von den Dienstleistungen der FST Nutzen ziehen konnten, folgendermassen entwickelt: 1991 1992 1993 1994 1995 Nutzniesser 372 467 521 654 799 Die Zahlen unserer Kollegen (DAB / Active Communication) sind uns nicht bekannt, man kann sich aber vorstellen, dass sie eine ähnliche Progression verzeichnen. Dieses Phänomen kann vielleicht auf die "Banalisierung" (im positiven Sinn) der technischen Hilfen zurückgeführt werden und parallel dazu auch darauf, dass die Kinder, die sich in spezialisierten Institutionen aufhalten, sehr stark behindert sind (sie benötigen zweifelsohne öfter eine oder mehrere technische Hilfen). ==> DIESER BEREICH ENTWICKELT SICH QUANTITATIV SEHR REGELMAESSIG. b) Qualitative Steigerung Man kann feststellen, dass die Erwartungen der verschiedenen Fachgruppen ebenfalls zunehmen, sei dies an den Dienstleistungsbereich oder aber an die Geräte. Die steigende Nachfrage befriedigen und gleichzeitig die Qualität der Dienstleistungen aufrechterhalten, stellt eine Herausforderung dar, die wir, so scheint es uns, zusammen annehmen und angehen müssen. Wir hoffen, dass mit der Zeit qualitativ gute Kenntnisse und Erfahrungen, die zur fachkundigen Anwendung notwendig sind, in immer mehr grossen Schulen breit gefächert anzutreffen sind. Auch hoffen wir: - dass die Ausbildungskurse von immer mehr Fachkräften besucht werden, - dass die zur neuen Projektdefinierung notwendige Zeit vorhanden ist, und dass anlässlich der Inbetriebnahme des neuen Materials die betreffenden Partner anwesend sind, - dass wir gemeinsam einen Weg finden, um noch während der Grundausbildung interessierten Personen die Möglichkeit zu bieten, sich informieren, sich ausbilden oder sich in einer Fachrichtung spezialisieren zu lassen, - dass sich Kompetenznetze entwickeln und funktionstüchtig werden, um, ihrerseits, einen Teil der Ausbildung oder Weiterbildung mittragen zu können, - dass wir in den Kenntnissen, die zur guten Bedienung technischer Hilfen notwendig sind, die gemeinsamen Elemente der verschiedenen Anwendungen besser hervorheben können. Wir denken hier unter anderem an die Bedürfnisanalyse, die Projektdefinierung und deren Ziele, die in diesem Zusammenhang charakteristischen Schritte, die partnerschaftliche Zusammenarbeit sowie die Sensibilisierung der Partner. ==> ANERKENNEN WIR DIE WICHTIGKEIT DER KENNTNISSE, WELCHE FÜR DIE GUTE ANWENDUNG TECHNISCHER HILFEN VORAUSSETZUNG SIND, UND FINDEN WIR GEMEINSAM DIE NOTWENDIGEN MITTEL, UM DIESE KENNTNISSE ZU ERLANGEN. c) Entwicklung der Telethesen, welche Perspektiven? Die herkömmlichen Anwendungsbereiche der Telethesen sind: Hilfen zur verbalen Kommunikation, Umweltkontrolle, Tastatur- oder Mausersatz bei Computern, Bedienung des Rollstuhls, um nur die wichtigsten zu nennen. In näherer Zukunft werden zweifelsohne auch Manipulatoren (Roboter), die man auf einen Rollstuhl montieren kann, Bestandteil der Telethesenanwendung sein. Beobachtet man den Weltmarkt, so kann man feststellen, dass die Produkte vorwiegend gemäss einem "Vertikalkonzept" entwickelt werden, das heisst, die Anwendung ist integriert. Als Beispiel: man entwickelt ein Umweltkontrollgerät, ein Kommunikationshilfsmittel.... Bei Besuchen vor Ort kann man heutzutage feststellen, dass sich die Nachfrage immer mehr auf integrierte Hilfsmittel ausrichtet, also nach Entwicklungen im "Horizontalkonzept". Als Beispiel: Ein Benutzer eines Kommunikationshilfsmittels wünscht eine Anpassung, die ihm den Zugang zum Computer oder zur Umweltkontrolle erlaubt. Hier sei vermerkt, dass sich die Bedürfnisse eines Benutzers ständig weiterentwickeln, das heisst, man begnügt sich zuerst mit einer relativ einfachen Anwendung. Mit der Zeit aber stellt sich eine gewisse Erfahrung und Fähigkeit ein und der Wunsch nach leistungsfähigeren Geräten ODER ANWENDUNGEN taucht früher oder später auf! Zum heutigen Zeitpunkt erfordert jede Anwendung und jede Behinderungsart verschiedene Apparate und dementsprechend verschiedene Kenntnisse. Diese Situation ist kaum befriedigend. Diese Ungleichartigkeit verunmöglicht eine rationelle Annäherung des Problems und hat eine schlechte Personal- und Materialverwaltung zur Folge, was wiederum eine Kostensteigerung mit sich bringt. Eine zu grosse Anzahl verschiedener Geräte (Telethesen) hat zur Folge: • dass die zur Ausbildung von Behinderten und deren Bezugspersonen notwendige Zeit vervielfacht wird; • dass bereits installierte Einrichtungen schnell veraltet sind wenn sich die Technologie, die Pathologie und die Bedürfnisse weiterentwickeln; • dass die Entwicklungskosten eines jeden neuen Gerätes vervielfacht werden; • dass bei der Herstellung nicht serienmässig produziert werden kann; • dass der funktionstüchtige Maschinenpark nur mit Schwierigkeiten unterhalten werden kann. Ein globales Konzept im Rahmen eines Projekts der Wiedereingliederung erfordert Kompetenzen, die polyvalent eingesetzt werden müssen. Noch vor einigen Jahren erlaubte die Technologie keine solche Annäherung oder aber zu einem unerschwinglichen Preis! Auch war die Erfahrung in der täglichen Anwendung ungenügend, um zu einem qualitativ guten Konzept zu führen. Seit einigen Jahren werden im Rahmen europäischer Forschungsprogramme Arbeiten unternommen, die sich an diesen Ansätzen orientieren. Ziel ist die Entwicklung eines Standards (Norm) und verschiedener Elemente oder Module, die, untereinander kombiniert, Produkte auf den Markt bringen sollen, die sich auf die Idee des integrierten Modularprinzips berufen. Im letzten Teil dieser Vorstellung werden wir ausführlich auf diese Arbeiten eingehen. Jean-Claude Gabus, im Oktober 1996 - Aus dem Französischen übersetzt von Kathrin Roth, in Anwendung der neuen deutschen Rechtschreibung.
|