Revenir à la page d'accueil
bigger smaler reset
  • Français
  • Deutsch
  • Italiano
  • English
     
Accueil arrow Les produits arrow Publications arrow Vortrag vom Mittwoch, den 05.04.1995, von Adrian Schultheiss



Vortrag vom Mittwoch, den 05.04.1995, von Adrian Schultheiss

084D2.pdf

Prix indicatif, sous réserve de modification:  (incl. TVA)



  

télécharger ce fichier 

Vortrag vom Mittwoch, den 05.04.1995,
von Adrian Schultheiss (Hector Benutzer).

Ich möchte Sie zu meinen Ausführungen begrüssen. Ich stelle mich kurz vor. Mein Name ist Adrian
Schultheiss. Ich wohne in Dällikon, in der Nähe von Zürich. Seit der Geburt bin ich cerebral
behindert. Deshalb kann ich auch nicht sprechen, aber ich verstehe alles. Ich wurde gebeten, über
die folgenden Punkte zu sprechen: Was für Möglichkeiten bietet mir Hector...,was bringt er mir im
Alltag...,was für eine Entwicklung habe ich durchgemacht, seit ich mit Hector arbeite... Am Schluss
des Seminars ist vielleicht noch Zeit, um einige Fragen zu beantworten.
Ich arbeite seit 11 Jahren mit Hector. Damals war ich 14 Jahre alt. Im ersten Jahr musste der
Prototyp Hector getestet werden. Diese Zeit war sehr anstrengend für die vier Testerinnen und
Tester. Am Schluss nannte uns der "Erfinder" des Hectors und Direktor der FST, Herr Jean-Claude
Gabus, seine armen Versuchskaninchen.
Der Hector bietet sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Man kann ihn als sprechende
Schreibmaschine benützen. So brauche ich ihn meistens. Dazu gibt es auch die Variante,
gespeicherte Worte, ganze Sätze oder zum Beispiel diesen Vortrag mit einem Code abzurufen. Die
Codes ersparen einem sehr viel Zeit. Um diese Möglichkeiten voll auszuschöpfen, sollte man alle
Codes im Kopf haben. Weil wir die meinen in diesen 11 Jahren aus verschiedenen Gründen schon 4
mal geändert haben, sind einige verloren gegangen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich
sehr anstrengen muss um die neuen Codes im Kopf zu behalten. Ich bin der Auffassung, man sollte
möglichst früh lernen mit Hector umzugehen. Ein Kind lernt schneller als ein Jugendlicher oder ein
Erwachsener. Hier ein paar Beispiele, wie ich die Codes verwende: Wenn ich as drücke, kommt:
"Bitte ein wenig Geduld, ich spreche mit Hilfe einer synthetischen Stimme. Ich heisse Adrian
Schultheiss." Oder unter hc ist "Hector" gespeichert. Ein anderes Beispiel ist Unter pers sind meine
Angaben zu meiner Person gespeichert.
Jetzt komme ich auf das Thema zu sprechen: Was bringt mir Hector im Alltag. Darüber könnte ich
lange reden. Ich bin viel freier. Jetzt kann ich mit fremden Leuten ins Gespräch kommen. Bevor ich
den Hector hatte, ging es fast nicht, weil sie mich nicht verstanden. Ich nenne Ihnen einige Beispiele.
Vor drei Jahren, als ich noch in der Rodtegg arbeitete. Hatte ich den Auftrag ein Weihnachtsessen
für 8 Personen zu organisieren. Dazu hatte ich nur 120 Franken zur Verfügung. Also ging ich in den
Laden und fragte mit Hector einen Verkäufer, ob er mir helfen könne, diese Sachen zu suchen. Er
verstand. Nach der Hälfte der Einkäufe sagte ich zu ihm: Bitte rechnen sie mir aus, wieviel es bis jetzt
kostet. Auch das machte er. Als ich aus dem Laden ging, hat es ziemlich genau 120 Franken
gekostet. Jetzt kann ich auch eine bestimmte CD kaufen, ohne dass jemand mitkommt. Im Laden
kann ich nach dieser CD fragen, ohne lange suchen zu müssen. Auch kann ich jetzt telefonieren,
früher ging es nicht. Dazu benötige ich ein sogenanntes Freisprechtelefon. Die Nachteile sind die,
dass ein solches Gespräch für den Partner noch schwerer verständlich ist. Denn meine Stimme tönt
durch das Telefon nochmals anders. Meistens gibt dies lange Gespräche.
Dank Hector war auch meine berufliche Ausbildung im Bürofach einfacher. Ich schloss sie vor 4
Jahren in der Rodtegg ab. Diese Beispiele zeigen deutlich, wie viel mir der Hector bringt. Aber es
passiert auch, dass die Leute diese Stimme nicht verstehen. Dann zeige ich ihnen den Monitor und
sie können es lesen. Mit der Zeit gewöhnen sie sich an diese künstliche Stimme, dann geht es auch
ohne lesen. Die Aussprache des Hectors kann oftmals verbessert werden, indem einzelne Worte
orthographisch falsch geschrieben werden müssen. Zum Beispiel: Ferienreise muss ohne e nach
dem i geschrieben werden müssen. (Ferienreise).
Ich unterscheide zwei Arten von Leuten. Die einen wollen mit mir kommunizieren. Diese verstehen
die Aussprache des Hectors mit.
Das ist immer sehr schade, aber es geschieht sehr oft. Nachher bin ich schon ein wenig frustriert.
Mit dem möchte ich sagen: Wenn man mit einem Hectorbenützer ins Gespräch kommen will, muss
man immer genug Zeit einrechnen. Darum ist es auch wichtig, dass wir uns in der Öffentlichkeit
bemerkbar machen. Es wissen eben noch nicht alle Leute, dass uns dieses Hilfsmittel zur Verfügung
steht.
Meine Entwicklung mit Hector hängt eng zusammen mit dem vorgängigen Abschnitt. Hector gibt
auch mir eine Lautsprache . Sie bedeutet mir sehr viel. Sie stärkt mein Selbstvertrauen. Wenn Hector
defekt ist, komme ich mir verloren vor, weil ich mich nicht mehr so genau ausdrücken kann, wie ich
gerne möchte. Zum Glück passiert es jetzt nicht mehr so oft.
Mein Leben hat ich schon stark verändert durch Hector. Früher verständigte ich mich mit einer
kleinen Schreibmaschine, oder mit meiner Zeichensprache. Es ging so recht und schlecht. Die
Zeichen verstanden nur meine Freunde oder die Familie. Damals dachte ich nicht, dass ein solches
Hilfsmittel, das sprechen kann, so viel mehr bringt. Aber seit ich Hector habe, denke ich ganz anders
darüber. Eine Stimme zu haben bringt viel mehr, als nur schreiben zu können.
Ein weiteres Beispiel, wie ich dank Hector besser zurechtkomme: Mein früherer Schulleiter in Zürich,
Herr Karl Hauser, legte grossen Wert darauf, Übungen nicht nur im geschützten Rahmen
durchzuführen. So konnte ich mich mit seiner Mithilfe beim Reisebüro Hotelplan für eine Ferienreise
beraten lassen. Die Frau am Schalter war auf meine synthetische Stimme nicht vorbereitet. Ich war
überrascht, wie schnell sie sich auf Hector eingestellt hat. Aber eben die Abklärungen und
Beantwortung aller Fragen nahm zweieinhalb Stunden in Anspruch. Leider hat mir aber das nötige
Kleingeld gefehlt, um die Reise wirklich zu buchen.
Als ich mit Hector zu arbeiten begann, hatte ich das grosse Glück, dass alle beteiligten Leute am
gleichen Strick zogen. Es ist sehr wichtig, dass der Hectorlehrer, der Lehrer und die Eltern auf das
gleiche Ziel hinarbeiten. Nur so kann ein gutes Ergebnis erreicht werden. Deswegen bin ich so weit
gekommen!
Zum Schluss möchte ich nochmals betonen, dass Hector für mich und für mein Gegenüber eine
grosse Hilfe ist. Sicher ist Ihnen bekannt, dass Hector auch in andern Sprachen reden kann.
Ich danke Ihnen.





 

 

Copyright 2012 Fondation Suisse pour les Téléthèses, la technologie au service du handicap.